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Fraport Skyliners : Engpass ohne Ausweg

  • -Aktualisiert am

Jetzt auch noch Richard Williams: Der Spielmacher leidet seit der Partie in Bamberg an Knieproblemen. Bild: Wonge Bergmann

Die Verletztenzahl der Frankfurter Skyliners erreicht mit neun Spielern eine kritische Größe. Auf der Position des Spielmachers ist die Not eklatant.

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          Der Schreck saß tief bei Cheftrainer Gordon Herbert. Gleich zu Beginn der Basketball-Bundesligapartie, die die Fraport Skyliners am Sonntag bei den Brose Baskets Bamberg zu bestreiten hatten, war Spielmacher Richard Williams vom Platz gehumpelt: Knieprobleme. Herbert wirkte fassungslos – weniger über die 62:81-Niederlage, mit der die Hessen ohnehin hatten rechnen müssen, als vielmehr über die bittere Gewissheit, nun ein Team ohne etatmäßigen Spielmacher zu haben: Max Merz (Gehirnerschütterung), Konstantin Klein (Schambeinentzündung) und nun auch noch Williams verletzt: Die Frankfurter stehen am Scheideweg, was ihre Personalpolitik betrifft.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Kann es sich der Klub leisten, mit der Neuverpflichtung von Spielern noch weiter zu warten? Gunnar Wöbke, der Geschäftsführende Gesellschafter der Skyliners, will bis diesen Dienstag warten. „Dann haben Williams und Sean Armand ihre Kernspin-Untersuchungen. Wenn wir das Ergebnis kennen, überlegen wir uns, was zu tun ist.“ Shooting Guard Armand hatte sich in Bamberg an der Hand verletzt. Auch bei ihm sind zukünftige Einsätze fraglich.

          Lässt der Klub den Trainer im Regen stehen?

          Inzwischen hat sich die Verletztenzahl der Frankfurter auf neun gesteigert. Neben Merz, Williams, Klein und Armand sind Mikko Koivisto (Rücken), Kevin Bright (Ermüdungsbruch), Quantez Robertson (Wadenprobleme), Mike Morrison (Knie) und Aaron Doornekamp (Rücken) mehr oder weniger angeschlagen. Es ist offensichtlich: Die Frankfurter brauchen dringend Verstärkung, vor allem auf der Spielmacherposition. Handelt der Klub nicht, würde er auch seinen Trainer im Regen stehen lassen. Denn Herbert hatte in Bamberg gesagt, dass auf der Position eins nun eigentlich nachgebessert werden müsse.

          Die Möglichkeiten der Skyliners, durch Neuverpflichtungen Gegenmaßnahmen einzuleiten, sind aber offenbar stark begrenzt. Es scheint kaum einen Ausweg aus dem Engpass zu geben. In der jüngeren Vergangenheit hatten in derartigen Situationen meist die beiden Gesellschafter, Wöbke und der Kronberger Unternehmer Thomas Kunz, mit finanziellen Einlagen in den Klub Verstärkungen doch noch möglich gemacht. Dass die Frankfurter seit einiger Zeit wirtschaftlich nicht gerade auf Rosen gebettet sind, ist bekannt. Die Vermarktungsmöglichkeiten seien durch das Ausbleiben der versprochenen Ausschreibung einer neuen, modernen Mehrzweckarena, die auf der Stadtgrenze zwischen den Städten Frankfurt und Offenbach entstehen soll, deutlich schlechter geworden, hat Wöbke schon wiederholt betont. „An unserer Situation hat sich auch nichts geändert“, sagte der Skyliners-Chef am Dienstag.

          Neue Arena könnte Besucherzahl bei Spielen erhöhen

          Dass der Umzug in eine neue Arena durchaus sinnvoll ist, zeigen die Beispiele aus Ulm und Oldenburg. Zwar seien die Mietkosten hoch, aber das Investment rechne sich, da die Vermarktungsmöglichkeiten wesentlich besser seien, sagt Martin Fünkele, der Sprecher des Bundesligaklubs Ratiopharm Ulm. Eine davon ist der Verkauf von Tickets. „Unser Zuschauerschnitt hat sich seit Dezember 2011, als wir die neue Arena bezogen, verdoppelt“, sagt Fünkele. Auch diese Arena war das Produkt einer Kooperation zweier Städte, so wie sie eigentlich in Frankfurt geplant ist. Ulm und Neu-Ulm hatten das Projekt gemeinsam bewältigt. Der Neubau, sagt der Klubsprecher, sei alternativlos gewesen. „Ohne ihn gäbe es in Ulm keinen Erstliga-Basketball mehr.“

          Natürlich sind die Rahmenbedingungen an der bayrisch-schwäbischen Grenze anders. In Ulm gibt es keinen Bundesligafußball, der schnelle Sport mit Ball und Korb hat einen erstklassigen Stellenwert. Das verhält sich in Frankfurt anders. Hier ist die Konkurrenz der Bundesligakicker der Eintracht schon fast erdrückend. Der Run um die Sponsoren ist zu einem Wettlauf geworden, bei dem nicht nur der Basketball auf der Strecke zu bleiben droht. Ohne Hauptsponsor steht nun beispielsweise auch der Frankfurt Marathon da. Jo Schindler, der Renndirektor des Traditionslaufes, formulierte es jüngst drastisch: „Der Fußball macht hier alles platt.“

          Auch in Oldenburg geben die EWE Baskets sportlich den Ton an. Der Bundesliga-Tabellenvierte und deutsche Meister von 2009 hat seit April 2013 eine neue Arena. Statt 3150 Zuschauern können nun 6000 Anhänger die Spiele sehen. „Unser Gesamtetat ist von 5,5 Millionen Euro auf 7,5 Millionen Euro gestiegen“, sagt Herrmann Schüller, der Geschäftsführende Gesellschafter. Und weiter: „Unsere Umsätze sind um 80 Prozent gestiegen.“ Ein einziger VIP-Raum wie in Frankfurt in der Ballsporthalle ist in Oldenburg Vergangenheit. Seinen Kunden bietet der Verein heute ein mehrstufiges System an, unter anderem mit den neu errichteten Logen. „Ohne die neue Arena wären wir sportlich ins Mittelfeld abgerutscht“, sagt Schüller, dessen Klub im Eurocup, dem zweithöchsten europäischen Wettbewerb, vertreten ist. Betreiber der Arena in Oldenburg ist eine städtische Tochtergesellschaft. An sie überweisen die Baskets eine Miete im sechsstelligen Bereich. Über die Skyliners sagt Schüller: „Der Standort Frankfurt ist höchst attraktiv für Basketball. Aber ohne Unterstützung der Stadt und des Landes kann es nicht funktionieren.“

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