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Basketball-Playoffs : Poker auf dem Parkett

  • -Aktualisiert am

Das Ziel vor Augen: Danilo Barthel (rechts) und die Skyliners wollen den Matchball für den Einzug ins Finale. Bild: Jan Huebner

Im vierten Halbfinal-Spiel stehen die Skyliners gegen Ulm abermals unter Zugzwang. Doch das Team von Trainer Herbert gibt sich ausgesprochen cool.

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          Die Ruhe, die Skyliners-Trainer Gordon Herbert ausstrahlt, ist ungewöhnlich. Fast schon tiefenentspannt wirkt der Headcoach der Frankfurter Basketball-Profis. Und das vor diesem Spiel: Es ist das vierte im Halbfinale der Bundesliga. Ulm führt in der Serie „best of five“ mit 2:1 Siegen, die Fraport Skyliners stehen also unter Zugzwang. Es ist eines dieser sogenannten „Do it or die“-Spiele – gewinnen oder ausscheiden, das sind die Möglichkeiten, die sich den Hessen in der Partie bei ratiopharm Ulm bieten. Trotzdem: Herbert ist die Ruhe selbst. Fast scheint es, als ziehe sich der kanadische Sportpsychologe in eine Art Schneckenhaus zurück, um den Aufregungen zu entkommen, die mit dieser Serie einhergehen.

          Nach dem zurückliegenden Spiel, das die Frankfurter am Samstag in der Ballsporthalle in aller Deutlichkeit mit 85:54 gewannen und so in der dritten Partie der Serie den Anschluss auf 1:2 herstellten, gab es Verstimmungen bei den Ulmern. Trainer Thorsten Leibenath hatte offenbar das Gefühl, sein Team habe zu wenige Freiwürfe von den Schiedsrichtern zugesprochen bekommen. Herbert reagierte auf der Pressekonferenz nach dem knappen Statement seines Ulmer Kollegen noch knapper und zog nach der lapidaren Äußerung, man habe getan, was zu tun gewesen sei, von dannen. Jetzt, einen Tag vor dem so wichtigen Fight in der Ulmer Arena, sagt er schulterzuckend: „Es ist einfach das nächste Spiel. So sind wir unsere Spiele die gesamte Saison über angegangen. Und so werden wir es auch mit diesem Spiel tun.“

          „Hoffentlich stehen wir nicht im Stau“

          Es ist sicher auch eine Art Versteckspiel, das hier alle Beteiligten mit Eifer betreiben. Sich bloß nicht in die Karten schauen lassen beim Poker auf dem Parkett, bloß keine Details offenbaren, die dem Gegner auf dem Weg zum großen Ziel, dem Finale, behilflich sein könnten. So sagt Herbert: „Wir bereiten uns auf dieses Spiel vor wie auf jedes andere Spiel. Das Schlimmste, was ein Trainer machen kann, ist es, dabei zu übertreiben.“ Was nicht heißt, dass Herbert auf besondere Maßnahmen verzichtet, wenn es um die Vorbereitung auf Topspiele geht. Vor dem dritten, überlebenswichtigen Spiel hatte er seine Profis zum „Lasertag“ gebeten, einer Art Räuber-und-Gendarm-Spiel mit Infrarotpistolen. „Wir haben einfach Teambuilding gemacht“, sagt Herbert.

          Ein freier Tag hatte für zusätzliche Ruhe gesorgt. Vor der Abreise nach Ulm hatte Herbert am Sonntag Regenerationstraining und am Montag ein lockeres Teamtraining angeordnet. Als die Mannschaft am frühen Nachmittag in den Bus stieg, ging ein sintflutartiger Regenschauer über Frankfurt nieder. Gutes Zeichen, schlechtes Zeichen? Die Skyliners wirken überhaupt nicht so, als würden sie sich von Derartigem beeinflussen lassen. Danilo Barthel nimmt es sachlich: „Hoffentlich stehen wir nicht im Stau.“ Tatsächlich sei alles „ganz normal“ am Tag vor dem Spiel in Ulm, das die Frankfurter unbedingt gewinnen müssen, um ein fünftes Spiel zu erzwingen, das an diesem Donnerstag (18.30 Uhr) in der Ballsporthalle stattfinden würde.

          Gegner im Finale: Brose Baskets

          In der Ulmer Arena erwartet die Frankfurter aber zunächst wieder eine Kulisse, die jedem Gegner den Weg zum Sieg schwermacht. 6200 Zuschauer werden erwartet, es ist das 100. Heimspiel, bei dem der Verein von der Donau „ausverkauft“ melden kann. Herbert spricht von einer „schönen Atmosphäre“, Barthel eher von einer großen Herausforderung: „Es wird auf jeden Fall schwer, hier zu gewinnen.“ Der Frankfurter Power Forward geht aber mit viel Selbstbewusstsein in die Partie. Der wichtigste Grund dafür: „die Saison, die wir bislang gespielt haben“.

          Auch das zurückliegende Spiel gegen Ulm bietet Grund zur Zuversicht, denn die Skyliners hatten in ihm vor allem in der Abwehr einen Weg gefunden, die großen Ulmer Profis Augustine Rubit, Da’Shaun Butler und Raymar Morgan zu kontrollieren. „Die großen Spieler haben schon viel individuelle Klasse“, sagt Barthel. Nun darf man gespannt sein, ob Frankfurt die Klasse besitzt, sich den Matchball um den Einzug ins Finale zu erkämpfen. Auch der Gegner steht seit Sonntag fest: die Brose Baskets Bamberg.

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