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Zukunft der Autoschau : Wirtschaftsdezernent warnt vor Verlust der IAA

Messebesucher der IAA am Stand von BMW 2019 Bild: dpa

Im Ringen um die Zukunft der Autoschau fordert der Frankfurter Wirtschaftsdezernent eine Kraftanstrengung der politischen Spitze der Stadt. Der Oberbürgermeister muss sich derweil Kritik anhören.

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          Nach einem Gespräch mit dem Verband der Automobilindustrie in Berlin über die Zukunft der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) fordert der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) eine Offensive der Stadt. „Wenn jetzt kein Ruck durch den Magistrat geht, dann ist die IAA weg“, sagte er der F.A.Z. Jeder im Magistrat müsse seinen Beitrag leisten – allen voran Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). „Sonst brauchen wir nicht anzutreten“, sagte er und hob hervor: „Die Lage ist ernst.“

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Autohersteller-Verband will aus der Autoschau eine Mobilitätsmesse machen und legt sich bisher nicht auf einen Ort für die nächste Veranstaltung 2021 fest. Außer Frankfurt hat sich gutes halbes Dutzend Städte beworben, darunter Berlin und Köln. Der Verband will sich Ende Januar entscheiden, wie ein Sprecher bekräftigte. Über das eigene Konzept für eine Nachfolgeschau der IAA am Main haben Frank und Uwe Behm, Geschäftsführer der Frankfurter Messe, am Dienstag mit Vertretern des Verband gesprochen. Feldmann hatte zuvor nach eigenen Angaben die Zuständigkeit für die IAA an Frank „verfügt“. In der jüngsten Sitzung des Aufsichtsrats der Messegesellschaft soll Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) Feldmann gefragt haben, ob er wirklich nicht nach Berlin reisen wolle (F.A.Z. vom Dienstag).

          Die CDU-Fraktion im Rathaus Römer rügte Feldmann deshalb. Sie erwarte von ihm mehr Leidenschaft, hob die wirtschaftspolitische Sprecherin Christine Loizides hervor. Es sei an Peinlichkeit nicht zu überbieten, dass Schäfer den Oberbürgermeister zum Einsatz für die IAA auffordern müsse. Die Autoschau sei für das Wirtschaftsleben in der Region sehr bedeutend. Die CDU, Koalitionspartner der SPD, gewinnt aber nach ihren Worten immer mehr den Eindruck, Feldmann sei die Autoschau „einfach egal“. Auch die oppositionelle FDP sieht Feldmann in der Pflicht. Ihre Fraktion habe dessen Teilnahme am Briefing in Berlin erwartet, teilte die wirtschaftspolitische Sprecherin, Stephanie Wüst, mit. Sie spricht von „Leidenschaftslosigkeit Feldmanns“. Der FDP-Kreisvorsitzende Thorsten Lieb legt ihm nahe, den Aufsichtsratsvorsitz bei der Messe an Bürgermeister Uwe Becker (CDU) abzutreten.

          Keine Irritation wegen Feldmann

          Ein Sprecher des Verbands äußerte sich unaufgeregt. Der Verband sei in keiner Weise über das Fernbleiben Feldmanns irritiert. Im Oktober habe es in Frankfurt auf Einladung des Oberbürgermeisters ein „sehr gutes, sehr engagiertes“ Treffen zur Mobilitätsmesse gegeben. Nun habe ein weiteres Gespräch stattgefunden. „Wir reden mit den kompetenten Vertretern der Stadt und der Messe“ – ebenso mit den Zuständigen der anderen Städte. Die Namen der Kommunen nannte er auch auf Nachfrage nicht.

          Wie es weiter hieß, muss die Nachfolgeschau die „Mobilität von morgen“ zeigen. Dafür sei zum Beispiel eine Strecke für autonomes und vernetztes Fahren nötig. Die Vernetzung des Autos mit anderen Verkehrsträgern gelte es ebenso zu präsentieren. Auch solle sich die Schau anders als die bisherige IAA zur Stadt hin öffnen. Nicht zuletzt wünsche sich der Verband einen Dialog in Erinnerung auf die Proteste im September in Frankfurt.

          Die Messe Frankfurt will für einen Verbleib der IAA in der Stadt „alles versuchen“. Das Unternehmen ist zu Investitionen bereit und würde Anlaufverluste hinnehmen, wie Wolfgang Marzin als Vorsitzender der Geschäftsführung vor Medienvertretern sagte. „Das Rennen ist offen“, hob er hervor. Allerdings müsse die Messe als Vermieter wissen, „wohin der Hase läuft“.

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