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Frankfurts teuerste Wohnung : 6,4 Millionen Euro für 460 Quadratmeter

„Man thront förmlich über dem bunten Treiben der Stadt“: Der Bauherr verspricht von der fünften Etage an Fernblick Bild: HHVISION/KSW

Die teuerste Wohnung in Frankfurt hat eine beheizte Sportwagenrampe und einen Hundewaschplatz. Dem Bauherrn ist klar: „Natürlich polarisiert man damit.“

          3 Min.

          Noch braucht man viel Phantasie, um sich die teuerste Wohnung der Stadt vorzustellen. Der Umbau eines Bürohauses im Frankfurter Westend zum Wohnturm „Onyx“ hat gerade erst begonnen. Aber einen Rekord hat das Projekt jetzt schon erzielt. Einem Käufer war eine 460 Quadratmeter große Etage die stolze Summe von 6,4 Millionen Euro wert. Fast 14.000 Euro pro Quadratmeter, das gab es in Frankfurt wohl noch nie.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es ist noch Luft nach oben. Denn es handelt sich noch nicht einmal um das Penthouse auf dem Dach, sondern nur um eine gewöhnliche Etage im oberen Drittel, die in bis zu drei Wohnungen teilbar ist. Auf den 15 Etagen des „Onyx“ sollen 30 bis 35 Wohnungen entstehen, ein Viertel ist schon verkauft oder reserviert.

          Das Haus geizt nicht mit gewissen Extras. Zur Tiefgarage, die der Bauherr „Wohnzimmer für die Fahrzeuge der Bewohner“ nennt, führt eine besonders flache, beheizte Sportwagenrampe, damit die tiefliegenden Flitzer unten an der Kante nicht aufsetzen. Innen gibt es besonders breite Parkbuchten, in die auch bequem ein Geländewagen zu lenken ist. Wenn der Hund nass ist, kann er an einem speziell dafür vorgesehenen Platz gesäubert werden. Im Erdgeschoss gibt es einen Fitnessraum. In der Eingangshalle soll eine Rosette mit lauter kleinen Onyx-Steinen ausgelegt werden. Einen Concierge-Service gibt es auch. Eine Art „guter Geist des Hauses“, sagt die Pressesprecherin. Der schon einmal die Blumen nach oben trage oder das Auto in die Werkstatt bringe. Das Ganze sei ein „Lebenskonzept“, frei nach dem Motto: „My home is my castle“, so sagt sie.

          „Natürlich polarisiert man damit“

          Daniel Korn vermarktet das Projekt selbstbewusst. „Wir bieten den Bentley zwischen vielen Mercedes und BMW“, sagt der Geschäftsführer der KSW Verwaltungsgesellschaft, die das Bürohaus umbaut. Aber ihm ist auch klar: „Natürlich polarisiert man damit.“ Ein Mietshaus zu vertretbaren Preisen rechne sich nicht wegen des hohen Grundstückspreises. Als das Gebäude auf den Markt kam, war es begehrt. Verschiedene Entwickler, darunter auch Hochtief, wollten es erwerben. KSW zahlte den höchsten Preis.

          Ein Büroturm in Frankfurt wird gerade zum Wohnturm „Onyx“ umgebaut. Bilderstrecke

          Außerhalb des Westends hätte sich Korn nicht an eine solche Entwicklung getraut. Das Viertel sei immerhin schon immer die Gegend gewesen, in der sich das Bürgertum seine kleinen Baudenkmäler leiste. „Es gibt hier immer Bedarf für etwas ganz Besonderes“, sagt er. Außerdem verschwänden eine Bausünde der sechziger Jahre und ein Bürohaus, das nicht ins Viertel passe: „Wir sehen uns als Vorreiter. Wir wollen das Westend wieder zu einem Wohnviertel machen.“ Er meint: Wenn durch die Konversion zusätzlicher Wohnraum entsteht, verschafft das etwas Luft auf dem angespannten Mietwohnungsmarkt. Die Käuferschicht, die die KSW mit ihrem Projekt ansprechen will, sind unter anderen Personen, die aus dem Taunus in die Stadt ziehen, weil sie Urbanität suchen.

          Anspielung auf Art-déco-Stil

          Im Frühjahr 2015 sollen die Käufer einziehen können. Sie finden dann eine Natursteinfassade mit schwarz profilierten Gesimsen und Lisenen vor, die laut Korn auf den Art-déco-Stil der zwanziger Jahre anspielen soll. Die alte Fassade des Bürohauses an der Oberlindau, das bis 2011 von dem Versicherungskonzern AIG genutzt wurde, wird komplett entfernt. Das Treppenhaus wird von einer Außenwand nach innen verlegt, an den Ecken werden große Loggien freigeschnitten. „Wer hier investiert, will Komfort“, sagt die Pressesprecherin. Doch die Nachbarn sind nicht so begeistert vom „First Class Living“ nebenan. Zwei haben Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt.

          Die Stadt hat angekündigt, dass sie stärker gegen die Aufheizung des Wohnungsmarktes vorgehen wolle. Doch von einer Milieuschutzsatzung, die Luxussanierungen unter einen Genehmigungsvorbehalt stellt, wäre das Projekt der KSW ohnehin nicht betroffen. Die Umwandlung des Gebäudes wird wie ein Neubau behandelt, der Milieuschutz greift nur bei der Sanierung schon bewohnter Bestandsgebäude. Korn sieht es so: „Wenn man Milieuschutzsatzungen will, muss man ein Stück weit auf Stadtentwicklung verzichten.“

          Umstrittene Milieuschutzsatzung

          Nils Kößler, der planungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, rechtfertigt die Einführung der Satzungen. „Das ist nicht der Weg in den Sozialismus“, sagt er. Doch er ist skeptisch, ob es tatsächlich gelingt, Luxussanierungen zu verhindern, die Verdrängungseffekte haben. „Wir sind nicht vom durchschlagenden Erfolg überzeugt“, sagt er.

          Die geplanten Milieuschutzsatzungen sind auch in der Verwaltung umstritten. Denn die Überwachung und Kontrolle der Bauvorhaben bindet zahlreiche Mitarbeiter, die sich sonst anderen Aufgaben, etwa der Schaffung von Bauland, widmen könnten. Nimmt man München als Maßstab, so kann sich der Frankfurter Magistrat schon auf zusätzliche Stellen einrichten. Dort befassen sich allein 24 Mitarbeiter mit der Genehmigung baulicher Maßnahmen in den 15 unter Milieuschutz stehenden Gebieten. Auch bei der Definition, wo die Grenze zwischen der erlaubten Herstellung eines angemessenen Wohnstandards und einer Luxussanierung liegt, lohnt ein Blick nach München. Wohnungen mit mehr als 130 Quadratmetern, einem Conciergedienst, Natursteinplatten als Bodenbelag, einem Whirlpool im Bad und mehr als acht Quadratmetern großen Balkonen gelten dort als Luxus.

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