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Krise der katholischen Kirche : „Die Lage ist ernst, aber hoffnungsvoll“

Schauen wir uns die systemischen Ursachen des Missbrauchs und der Krise genauer an. Ist der Zölibat, die Ehelosigkeit der Priester, noch zu halten?

Natürlich ist der Zölibat zu halten. Schon deshalb, weil Jesus sein strahlender Anführer ist. Aber der obligatorische Zölibat, der an den Pfarrerberuf gekoppelt ist, der ist nicht zu halten.

Es sollte also Priester geben dürfen, die verheiratet sind?

Selbstverständlich, und zwar gleichwertig; in einem Wettstreit, vor dem keiner Angst haben muss. Das Beste am Zölibat und das Schönste am Ehe- und Familienleben müssen nebeneinander zur Geltung kommen können. Dabei können wir auf die evangelischen Kirchen im Westen und die Ostkirchen schauen, auch auf die katholischen. Die hatten das noch nie anders und sind damit näher am Ursprung.

Für den „Synodalen Weg“ wird auch über die Rolle der Frau in der Kirche diskutiert. Sollen Frauen zu Priesterinnen geweiht werden?

Ich finde, Frauen sollen unverzüglich zu Diakoninnen geweiht werden. Und über alles andere muss frei gesprochen werden können. Die Frage nach dem Amt für Frauen ist existentiell. Sie ist ein brennendes Gerechtigkeitsproblem geworden. Unser Festhalten an der Tradition wird in Deutschland weitgehend als Ungerechtigkeit empfunden. Das verletzt sehr, und die Verletzten haben keine Lust, sich mit etwas zu befassen, was die Kirche außer Ungerechtigkeit sonst noch zu bieten hat. Auf diese Weise vermint die Frauenamtsfrage das Vorfeld des Evangeliums. Wenn wir darüber nicht hinwegkommen . . .

. . . verlieren Sie alle Frauen, die sich ehrenamtlich in der Kirche engagieren.

Wenn nicht die lebens- und leidenserfahrenen Frauen der Generation Maria 2.0, dann jedenfalls die nächste. Oder die kommen gar nicht erst. Und die Männer dann auch nicht mehr. Der Vorfeld-Eindruck von einer habituell ungerechten Institution ist nicht umgehbar. Das gilt bei uns auch für manche Fragen der Sexualmoral.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die starren Machtstrukturen in der Kirche. Was muss sich da ändern?

Entscheidendes ändert sich schon, wenn überall in den Führungspositionen, die es ja nicht nur in den Weiheämtern gibt, erst quotiert wird und dann ganz normal auch Frauen vertreten sind. Das wird an der Weise, wie Macht ausgeübt wird, etwas ändern, weil die Machtausübung diverser wird – nach den Stilen der Geschlechter. Außerdem müssen Elemente von echten Wahlen in die Bestellung der Ämter.

Welcher Ämter?

Vor allem Bischofsämter und Pfarrämter. Die Gläubigen müssen sich in einer vernünftigen und repräsentativ geordneten Weise an Wahlen beteiligen können. Das wird das Selbstverständnis der Gewählten beeinflussen. Sie werden dann nicht allein vom Papst ernannt und vielleicht noch von Domkapiteln auf eine etwas murkelige Weise mitbestimmt. Sie werden nicht nur ihrem Gott Rechenschaft schulden, sondern auch den Gläubigen, denen sie dienen wollen.

Inklusive Misstrauensvotum zur Abwahl von Bischöfen?

Wenn es zum Äußersten kommt. Aber ich glaube: Gute geistliche Leute, die echt gewählt werden, gehen mit ihrer auf Zeit verliehenen Macht so um, dass ein „Impeachment“ nicht nötig ist.

Wie lässt sich verhindern, dass eventuelle Reformresultate vom Vatikan wieder kassiert werden?

Indem Rom die Möglichkeit rechtlich absichert, gleichzeitig an verschiedenen Orten der Weltkirche in wichtigen Fragen zu unterschiedlichen Ergebnissen zu kommen – also um des Wohles der Kirche willen kultursensible und kulturrelative Entscheidungen in Organisationsfragen zu treffen, die nicht das Herz des Glaubens berühren. Das ist unumgänglich. Das muss der Papst möglich machen.

Über die Reformen wird in den nächsten zwei Jahren im Frankfurter Dom beraten. Nach der Entscheidung muss ihr Herz doch vor Freude gehüpft sein.

Das ist so hoch wie der Domturm gehüpft.

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