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Frankfurter Bankenviertel : Vier Türme für 950 Millionen Euro

Die Skyline wächst: Vier neue Türme sollen das Bankenviertel abrunden. Im mit 228 Metern höchsten Turm „Max“ und im niedrigsten Hochhaus ziehen Büros ein. Zwei Wohntürme orientieren sich zum Roßmarkt hin. Bild: Simulationen Groß & Partner/UN Studio

Ein neuer Hochhauskomplex soll auf dem Deutsche-Bank-Areal entstehen. Damit könnte sich das bisher abgeriegelte Grundstück nach mehr als 45 Jahren für Fußgänger öffnen.

          Es kommt nicht auf die Höhe an. Mit stolzen 228 Metern nähert sich der höchste der vier geplanten Türme auf dem Deutsche-Bank-Areal zwar dem Commerzbank-Tower an, dessen Antenne fast 300 Meter in den Frankfurter Himmel ragt. Aber Jürgen Groß hat keine Ambitionen, den höchsten Turm der Skyline zu bauen. Dann schon lieber den schönsten: „Wir wollen die Skyline architektonisch bereichern“, sagt der Projektentwickler.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Groß & Partner haben das Deutsche-Bank-Areal in der Innenstadt gekauft, um an dieser Stelle ein gemischt genutztes Hochhaus-Quartier zu entwickeln. Für rund 950 Millionen Euro sollen zwei Wohnhochhäuser mit 600 Wohnungen, ein kleiner und ein sehr großer Büroturm, zwei Hotels und jede Menge Einzelhandel und Gastronomie entstehen. Die vier in der Höhe gestaffelten Türme sind 100, 120, 173 und 228 Meter hoch und sollen das Bankenviertel nach Osten abrunden. Das bislang nur Deutsche-Bank-Mitarbeitern zugängliche Areal soll für die Bevölkerung geöffnet werden. „Wir wollen die Blockade an dieser Stelle lösen“, sagt Groß. Neue Wege sollen das Areal zur Umgebung öffnen, darunter sind auch zwei Passagen durch den denkmalgeschützten Riegel an der Junghofstraße.

          Seit mehr als 45 Jahren ist das Areal abgeriegelt

          In einer Ausstellung können sich Besucher von morgen an zwei Wochen lang informieren, was zwischen dem Roßmarkt, der Großen Gallusstraße, der Junghofstraße und der Neuen Schlesinger Gasse geplant ist. Zu sehen sind nicht nur die Entwürfe der zehn Architekturbüros, die an dem städtebaulichen Wettbewerb teilgenommen haben. Der Realisierungswettbewerb für die Architektur der Baukörper steht noch aus und soll im August ausgelobt werden. Die Ausstellung informiert auch über die Geschichte des Ortes.

          Am Roßmarkt: Der Hochhauskomplex liegt hinter der Filiale der Deutschen Bank.

          Einst waren an dieser Stelle fünf Straßen eng miteinander verflochten. Ihr Verlauf wurde nach dem Krieg neu geordnet. Die Kleine Gallusstraße und die Alte Schlesingergasse verschwanden aus dem Stadtbild. Die Junghofstraße, einst von Bankhäusern, Schulen und dem Saalbau geprägt, wurde zu einer sterilen Verkehrsachse ohne Aufenthaltsqualität. Die Große Gallusstraße, früher eine belebte Wohn- und Geschäftsstraße mit Brauhaus, Hotels und Theater, wurde zur Hochhausadresse.

          Seit vor mehr als 45 Jahren die Deutsche Bank hier ihr Händlerzentrum ansiedelte, ist das Grundstück abgeriegelt. Das soll sich nach dem Umzug der Banker in einen Neubau an der Mainzer Landstraße ändern. Groß will ein gemischt genutztes Quartier entwickeln, das zu Fuß durchquert werden kann. In der ersten drei Geschossen des Hochhauskomplexes sollen Geschäfte und Restaurants einziehen. Außerdem liegen dort die Foyers der Türme und der beiden Hotels, die im Sockel der Junghofstraße und des Büroturms an der Neuen Schlesinger Gasse einziehen. Das Dach des Sockels wird begrünt.

          Der denkmalgeschützte Riegel an der Junghofstraße wird durch Passagen in zwei Gebäude gegliedert. Ein Fugenbau zwischen den beiden Adressen wird zugunsten eines Durchgangs entfernt. Der Abs-Saal an der Junghofstraße soll zu einer Art großem Food-Court unter einer hohen Decke umgestaltet werden. Groß & Partner plant in dem Areal 20 bis 25 Cafés und Restaurants. Außerdem soll es im Untergeschoss unter dem zentralen Innenhof einen Supermarkt geben.

          Ende des Jahres Ergebnis des Wettbewerbs erwartet

          Der Bebauungsplan muss für das Vorhaben geändert werden. Der alte Plan sah neben dem früheren Bankhochhaus, das abgerissen wird, nur einen weiteren Büroturm vor. Die Bruttogeschossfläche von rund 200.000 Quadratmetern soll nun auf vier geschickt angeordnete Hochhäuser verteilt werden, fast die Hälfte entfällt auf Wohnungen und Hotels. Laut einem Grundsatzbeschluss der Stadtverordneten muss ein Drittel der Wohnfläche im geförderten Wohnungsbau entstehen.

          Der Städtebaubeirat befürchtet, dass die Fußwege zu stark überbaut werden.

          Allerdings werden die geförderten Wohnungen wohl nicht komplett auf dem Areal, sondern auch in der Umgebung geschaffen, sagt Markus Radermacher, stellvertretender Leiter des Stadtplanungsamts. Er hält den städtebaulichen Siegerentwurf des Büros UN Studio für gelungen. Die Kritik des Städtebaubeirats, dass Fußwege überdeckt würden, nimmt Radermacher ernst: „Es werden keine erdrückenden Räume entstehen.“ Im Windkanal werden nun die Luftströme zwischen den Türmen untersucht. Ein geschlossenes Glasdach über dem Sockel wie bei einem Shopping-Center ist aber nicht erwünscht. Eine Studie hat zudem ergeben, dass der Roßmarkt von den Hochhäusern nicht verschattet wird.

          Ende des Jahres soll das Ergebnis des Architekturwettbewerbs für die Hochhäuser vorliegen. Außer den Teilnehmern des städtebaulichen Wettbewerbs will Groß noch bis zu vier weitere internationale Büros einladen. Voraussichtlich 2018 will er dann mit dem Bau beginnen. 2022 soll das Projekt fertig sein.

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