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Frankfurts Rathauschef Feldmann : „Die einfachen Leute kamen zu kurz“

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Peter Feldmann: Zur Stadtgesellschaft gehören natürlich auch Pflegekräfte, Polizisten, Lehrer, Facharbeiter oder Migranten

Peter Feldmann: Zur Stadtgesellschaft gehören natürlich auch Pflegekräfte, Polizisten, Lehrer, Facharbeiter oder Migranten Bild: Eilmes, Wolfgang

Der neue Frankfurter Oberbürgermeister erhält unzählige Einladungen. Zu viele, als dass er sie alle wahrnehmen kann. Welche Veranstaltungen und Termine haben für Peter Feldmann Priorität? Antworten im Interview.

          2 Min.

          „Oberbürgermeister Feldmann wurde vermisst“, hat es in den vergangenen Wochen immer wieder einmal nach einer Eröffnung oder einem Festakt geheißen. Nehmen Sie solche offiziellen Termine nicht gerne wahr?

          Doch, selbstverständlich, das gehört zu den Aufgaben des Oberbürgermeisters. Aber der Tag hat nun mal 24 Stunden. Und wenn Sie sehen, wie durchgetaktet mein Terminkalender ist, werden Sie diesen Vorwurf auch merkwürdig finden. Allerdings inszeniere ich nicht jeden Termin medienwirksam: wie beispielsweise Treffen mit den Vorständen von Fraport, Lufthansa, Deutscher Bank, meine Besuche wichtiger Konsulate wie jener von Amerika, Japan, China und Russland oder Treffen mit Opern-Intendant Bernd Loebe oder dem Universitätspräsidenten Werner Müller-Esterl. Ich bin mittendrin in dem, was man bisher gerne „Stadtgesellschaft“ genannt hat.

          Haben Sie auch Kontakte mit einfachen Leuten, die nicht in Vorständen sitzen oder eine Oper leiten?

          Das ist genau der Punkt. Es geht um die Bürger Frankfurts. Für die nehme ich mir die Zeit. Die Kritik kommt von denjenigen, die sich gerne als Sprecher der sogenannten Stadtgesellschaft aufspielen. Diese macht schätzungsweise ein Prozent der Bevölkerung aus. Die restlichen 99 Prozent kamen definitiv zu kurz. Da muss sich nach 17 Jahren etwas ändern.

          Was soll mit Ihnen anders werden?

          Ich werde Kontakt auch zu jenen Bevölkerungsschichten suchen, die wenig wahrgenommen werden. Einen Schwerpunkt lege ich auf Hausbesuche, wie ich sie schon in meinem Wahlkampf unternommen habe. Auch Stadtteilfeste sind mir wichtig. Am vergangenen Wochenende war ich in Bockenheim, in Sindlingen, in Rödelheim und in drei weiteren Stadtteilen zu Gast. Auch die Menschen in den Stadtteilen haben ein Recht darauf, ihren Oberbürgermeister zu sehen.

          Ist Ihnen der bisherige Begriff von „Stadtgesellschaft“ zu eng?

          Ja. Er muss neu gefasst werden. Zur Stadtgesellschaft gehören natürlich auch Pflegekräfte, Polizisten, Lehrer, Facharbeiter oder Migranten. Mit meiner Wahl - gegen alle Erwartungen - besteht die Chance, dass sich noch mehr Menschen als wichtigen Teil der Stadt begreifen. Hierzu will ich als Oberbürgermeister beitragen.

          Lautet ihr Motto: Raus aus dem Getto der Vornehmen und Mächtigen?

          Es geht mir um eine Öffnung. Wohnungsknappheit, Kinderarmut, Fluglärm, Isolation der Älteren gehören zur Lebenswelt der einfachen Leute in den Stadtteilen. Deshalb habe ich diese Themen im Wahlkampf hervorgehoben und stelle sie jetzt in den Mittelpunkt meiner politischen Arbeit. Denn viele dieser einfachen Leute haben mich gerade wegen dieser Themen gewählt. Ich vertrete die gleiche Position wie vor der Wahl - auch wenn das für viele Politiker nicht üblich ist. Ich bin anders.

          Die Kontaktaufnahme mit den einfachen Leuten wird Zeit in Anspruch nehmen. Bedeutet dies, dass Sie manchen hochoffiziellen Termin nicht wahrnehmen werden?

          Natürlich nehme ich die wesentlichen Termine wahr. Das Richtfest bei der Europäischen Zentralbank etwa; die Feier zum Tag der Deutschen Einheit mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, in der Paulskirche; die Eröffnung des Weihnachtsmarkts. Ich werde am Ende aber daran gemessen, ob ich meine fünf strategischen Themen erfolgreich vorangebracht habe, und nicht daran, ob ich bei jeder Grundsteinlegung dabei gewesen bin.

          Heißt das, dass Sie die eine oder andere Einladung ablehnen werden?

          Allen Einladungen zu folgen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Amüsant finden ich aber an der derzeitigen Kritik, dass viele nach meiner Wahl sagten, ich hätte als Oberbürgermeister ohnehin nichts zu melden. Genau dieselben Leute tun jetzt bei jeder Gelegenheit so, als ob ich unverzichtbar sei. Und das schon nach acht Wochen!

          Nehmen Sie sich trotzt Ihrer Verpflichtungen auch bewusst Zeit für Ihr Kind?

          Selbstverständlich nehme ich mir weiter Zeit für meine Tochter! Ich bin gerne Vater.

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