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Eigene Wohnung in Frankfurt : „Eigentum ist altmodisch“

Teures Frankfurt: Wer kann sich eine eigene Wohnung in der Stadt noch leisten? Bild: dpa

Nicht allen Politikern in Frankfurt leuchtet der tiefere Sinn einer Eigentumswohnung ein. Sie schließen aber trotzdem nicht aus, Käufer zu fördern. In München ist man da schon viel weiter.

          Der Vorstoß des Frankfurter CDU-Vorsitzenden Jan Schneider, auch den Erwerb von Eigentumswohnungen zu fördern, findet bei den Partnern in der Römer-Koalition Unterstützung. Sowohl die SPD als auch die Grünen können sich grundsätzlich vorstellen, auch die Eigentumsbildung stärker zu fördern. Dies dürfe allerdings nicht zu Lasten des Baus von geförderten Mietwohnungen gehen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schneider hatte angeregt, Bauträger zu einem Preisnachlass für einen Teil ihrer Wohnungen zu verpflichten, um mehr Bürgern die Bildung von Wohneigentum zu ermöglichen. Alternativ hält er auch einen stärkeren städtischen Zuschuss zum Eigenkapital für möglich. Der Baudezernent verweist darauf, dass sich viele Haushalte mit normalen Einkommen die hohen Preise in Frankfurt nicht mehr leisten könnten. Der Wohnungskauf sei aber ein wichtiger Beitrag zur Altersvorsorge und zur Stabilisierung der Stadtteile. Die Förderung sei an Einkommensgrenzen zu binden.

          Die SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Busch hält den Kauf einer Eigentumswohnung zwar für „altmodisch“, will sich diesem Förderweg – als einem gleichberechtigten Modell unter mehreren anderen – aber nicht verschließen. „Wir sind dankbar, dass er das Problem erkannt hat“, kommentiert Busch Schneiders Vorschlag. Sie regt an, bei Bauvorhaben auf städtischen Grundstücken günstige Erbbaurechte zu vergeben. Genossenschaftliches Wohnen hält Busch für zeitgemäßer als Wohneigentum, das verstünden „die Leute in Deutschland“ allerdings nicht. Der Kauf einer Wohnung entspreche nicht „der Lebensrealität vieler junger Menschen“. Die Grünen unterstützen Schneiders Vorschlag ebenfalls, geben dem sozialen Mietwohnungsbau aber den Vorrang. „Wenn der nicht gelingt, kann man über eine Ergänzung des Förderspektrums sprechen“, meint die Fraktionsvorsitzende Jessica Purkhardt.

          Programm für Käufer von Wohnungen

          Die Stadt hat schon vor Jahren Programme aufgelegt, um die Käufer beim Erwerb einer Wohnung zu unterstützen. Allerdings sind die zinsgünstigen Darlehen nicht mehr attraktiv und auch die Förderkonditionen veraltet. Der Sprecher des Planungsdezernats hält eine Überarbeitung für sinnvoll. „Über eine Novellierung unserer Förderprogramme kann man reden“, sagt er. Allerdings dürfe das nicht dazu führen, dass die bestehende 30-Prozent-Quote – Bauherren müssen diesen Anteil für geförderte Mietwohnungen vorsehen – aufgeweicht werde. Schneider hatte angeregt, die Eigentumsförderung in die Förderquote einzubeziehen.

          So geht auch die Stadt München vor, die mit ihrer Wohnungspolitik vielen Experten als vorbildlich gilt. München hat ebenfalls eine Förderquote von 30 Prozent. 20 Prozent entfallen auf klassische Sozialwohnungen. Für die übrigen zehn Prozent dürfen die Bauherren frei wählen: Sie können entweder Mietwohnungen nach dem Münchener Modell schaffen – vergleichbar mit dem Frankfurter Mittelstandsprogramm im Mietwohnungsbau – oder Eigentumswohnungen mit Preisnachlass. Der Verkaufspreis für diese Wohnungen liegt bei durchschnittlich 4300 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.

          So funktioniert es in München

          Diese Wohnungen werden nur an Selbstnutzer verkauft, die bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten. Sie dürfen keine Immobilien oder Miteigentumsanteile im In- und Ausland besitzen und müssen mindestens 20 Prozent und maximal 40 Prozent Eigenkapital mitbringen. Die geförderten Wohnungen dürfen 40 Jahre lang nicht verkauft werden. Einem vorzeitigen Verkauf kann die Stadt zustimmen, wenn wichtige Gründe vorliegen. In diesem Fall sind die Grundstückssubvention und ein Teil des Wertzuwachses anteilig an die Stadt zurückzuzahlen.

          Die bayerische Landeshauptstadt wendet dieses Programm schon seit 1994 an und hat seither den Bau von 2000 günstige Eigentumswohnungen ermöglicht. Die meisten Bauherren entscheiden sich einem Sprecher zufolge aber eher für den Bau von Mietwohnungen. Darüber hinaus bietet München auch günstige Eigentumswohnungen auf städtischen Flächen im Erbbaurecht an.

          Auch in Frankfurt wurde dieses Modell schon einmal erprobt: Beim Bau des Projekts „Marie“ im Nordend bot der Bauherr anstelle der Mietwohnungen im Mittelstandsprogramm 14 Eigentumswohnungen für 4500 Euro je Quadratmeter an. Sie fanden reißenden Absatz. Der Sprecher des Planungsdezernats schließt die Ausweitung dieses Modell nicht aus: „Wir haben uns in vielerlei Hinsicht an München orientiert. Das muss man sich genau anschauen.“

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