https://www.faz.net/-gzg-6usp3

Frankfurts OB Roth : „Bin weder krank noch lahm geworden“

„Er hat das Zeug, dieses exponierte Amt mit Tatkraft und Durchsetzungskraft auszuüben“: Petra Roth über ihren gewünschten, aber erst noch zu wählenden Nachfolger Boris Rhein Bild: dapd

Frankfurts Rathauschefin Petra Roth nimmt im kommenen Jahr vorzeitig ihren Hut. Seit 16 Jahren steht sie an der Spitze der Stadt. Sie empfiehlt den hessischen Innenminister Rhein als Nachfolger.

          3 Min.

          Nach mehr als 16 Jahren an der Spitze der Stadt gibt die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth ihr Amt vorzeitig im Juli 2012 auf. Zur Begründung für die Römer überraschend bekannt gegebene Entscheidung sagte die 67Jahre alte CDU-Politikerin, sie wolle den Weg frei machen für einen Generationenwechsel an der Spitze der Stadtregierung. „Ich bin nicht krank, ich bin nicht amtsmüde, ich bin auch nicht lahm geworden.“ Sie glaube aber, dass im nächsten Sommer der richtige Zeitpunkt für die „frische Kraft eines CDU-Kandidaten“ sei.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Neuwahl wird nach Angaben der Stadt voraussichtlich im März 2012 stattfinden; bis zum Juli bliebe Roth danach noch im Amt. Ursprünglich wäre ihre Amtszeit erst im Sommer 2013 zu Ende gegangen. Roth steht seit 1995 an der Spitze der Stadtregierung; 2007 wurde sie für eine dritte Amtszeit direkt gewählt.

          Roth lobt Rheins Tatkraft

          Als Kandidat für die Nachfolge schlug die Oberbürgermeisterin den hessischen Innenminister und Frankfurter CDU-Vorsitzenden Boris Rhein vor. „Er hat das Zeug, dieses exponierte Amt mit Tatkraft und Durchsetzungskraft auszuüben.“ In den vergangenen drei Wochen habe sie sich mit Rhein und dem ebenfalls an der Aufgabe interessierten Frankfurter Kämmerer Uwe Becker mehrmals in ihrem Haus in Nieder-Erlenbach getroffen, um die beste Lösung für die Stadt, aber auch für die CDU zu finden, berichtete Roth, die keinen Zweifel daran ließ, dass die Initiative für den Plan von ihr ausging.

          Sie sei davon überzeugt, dass Rhein der geeignete Bewerber sei, auch wenn der, anders als Becker, nicht zu dem ihr nahestehenden CDU-Arbeitnehmerflügel zähle. Becker soll im Gegenzug für seinen Verzicht den Parteivorsitz von Boris Rhein übernehmen. „Ich wünschte mir eine einvernehmliche Lösung“, sagte Roth. Dies sei gelungen.

          Als weiteren Grund für den vorzeitigen Rückzug nannte Roth die Schwierigkeit der CDU, parallel zu ihr einen Kandidaten aufzubauen. „Außerdem würde es mir wehtun, wenn ich dann hier sitze, aber nichts mehr anpacken kann.“ Auch gebe es im Jahr 2013 wichtige Wahlen auf Landes- und Bundesebene, die die Oberbürgermeisterwahl sonst überdeckt hätten.

          Altstadtprojekt, das unvollendete

          Für ihre Zukunft habe sie noch keine konkreten Pläne. „Ich werde aber nicht nur meine Stiefmütterchen gießen.“ Dass ihr der Rückzug nicht leicht fällt, zeigte Roth mit folgendem Satz: „Ich würde nochmal kandidieren, wenn ich könnte, wenn ich dürfte.“ Eine vierte Amtszeit erlaubt die Hessische Gemeindeordnung wegen Roths Alter aber nicht. Ein „Herzenswunsch“ wäre es ihr gewesen, den Wiederaufbau der Altstadt noch zu beenden. Dies gelinge nun leider nicht mehr.

          Wahlkampf 1997: Petra Roth mit Amtsvorgänger Walter Wallmann und dem damaligen Kanzler Helmut Kohl - da war Roth gerade zwei Jahre im Amt

          Für die CDU äußerten sich Rhein und Becker wenig später ebenfalls im Rathaus. Der 39Jahre alte Rhein sprach von einem „Schritt, der uns alle überrascht hat“. Er fügte hinzu: „Frankfurt wird mit Petra Roth einen ganz großen Oberbürgermeister verlieren.“ Becker und er hätten größten Respekt vor der Entscheidung, weil Roth auf diese Weise ihre Amtszeit souverän beende. Dass die Oberbürgermeisterin ihn vorgeschlagen habe, sei „ein enormer Vertrauensbeweis“ und zugleich eine große Herausforderung. „Die Fußstapfen sind immens.“ Falls ihn die Frankfurter CDU auf einem Parteitag zum Kandidaten küren sollte, werde er gemeinsam mit Becker den Wahlkampf mit Freude und Lust angehen. „Wir sind von jetzt an ein Führungsduo, mit dem wir das Beste für unsere Stadt erreichen wollen.“

          Als Innenminister in den Wahlkampf

          Rhein sagte weiter, mit der Entscheidung habe die CDU „niemanden unter Druck setzen“ wollen, weder die Opposition noch den Koalitionspartner. Er werde als Innenminister in die Wahl gehen - „und wir setzen auf Sieg und nicht auf Platz“. Sollte er dennoch verlieren, wolle er Innenminister bleiben. „Ich habe nicht den Eindruck, dass mich mein Ministerpräsident Volker Bouffier in diesem Fall ablösen will.“ Seine Kandidatur sei aber „alles andere als eine Flucht“ vor den Schwierigkeiten und Affären, die Rhein derzeit aufzuarbeiten hat. „Als Frankfurter Bub gibt es nichts Größeres, als an wichtiger Stelle Verantwortung für diese Stadt zu übernehmen.“

          Kämmerer Becker soll künftig den Vorsitz der Partei von Rhein übernehmen. Auf die Frage, warum er sich mit dieser Lösung zufrieden gebe, antwortete Becker, es sei „keine einfache Entscheidung gewesen“, auf eine Kandidatur zu verzichten. Er sei aber davon überzeugt, dass dies die beste Lösung für Frankfurt und die CDU sei. „Boris Rhein ist ein herausragender Kandidat und der richtige Oberbürgermeister für die Stadt“, sagte Becker, der wie Rhein bestritt, dass zwischen ihnen seit Jahren Konkurrenz bestehe. Rhein sagte dazu: „Die Rivalität wurde uns immer nur angeschrieben.“

          Weitere Themen

          Wer wann was wusste

          FAZ Plus Artikel: Wieder „NSU 2.0“-Drohmails : Wer wann was wusste

          Schon wieder Hessen, schon wieder NSU 2.0., schon wieder ein Polizeirechner, von dem private Daten abgerufen wurden: Nicht nur für Innenminister Beuth, der von einem rechtsextremen Netzwerk lange nichts wissen wollte, wird die Drohbriefaffäre zunehmend ungemütlich.

          Party trotz Corona

          Open-Air-Feiern : Party trotz Corona

          In vielen deutschen Städten feiern Menschenmengen ohne Abstandsregeln. Die Behörden fürchten die Verbreitung des Coronavirus. Aber das ist nicht alles.

          Topmeldungen

          Auf der Suche nach Yves Etienne Rausch: Ein Polizeihubschrauber über dem Waldgebiet nördlich von Oppenau

          Flüchtiger bei Oppenau : „Der Wald ist sein Wohnzimmer“

          Noch immer wird er gesucht: Dass sich vier Polizisten von einem „Waldläufer“ überwältigen ließen, sorgt für Belustigung. Polizei und Staatsanwaltschaft haben daher am Dienstag noch einmal detailliert geschildert, wie es dazu kam.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.