https://www.faz.net/-gzg-81efy

Frankfurts Literaturszene : Böse Menschen haben keine Bücher

Bücher gehen immer: Wer in Frankfurt eine Lesung veranstaltet, darf mit viel Publikum rechnen. Wie hier im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften der Goethe-Universität. Bild: Marcus Kaufhold

Nach dem Knatsch in der Frankfurter Literaturszene hat sich die Lage wieder etwas beruhigt, aber der Streit um die von der Stadt organisierten Lesungen ist nicht vom Tisch. Ein Überblick über Frankfurter Literaturveranstalter.

          12 Min.

          In Frankfurt mag es weniger Buchhandlungen geben als vor einigen Jahren, die Zahl der Lesungen aber nimmt beständig zu. Dass die Verfasser und die Käufer von Büchern aufeinandertreffen, wird für das Geschäft mit dem gedruckten Wort immer wichtiger. Dass es durch das gesprochene Wort ergänzt werden muss, sehen nicht nur die Verlage und manche Autoren so, sondern auch mehr und mehr Leser. Die Leipziger Buchmesse, von der Buchbranche im Gegensatz zu Frankfurt ohnehin als Messe für den Kontakt mit dem Leser angelegt, ist vor kurzem mit 186 000 Besuchern zu Ende gegangen, das sind 11 000 mehr als im Jahr zuvor. Der deutliche Zuwachs zeigt, dass das Publikum vom Buch als Veranstaltung, zu der man hingehen kann, noch immer nicht genug bekommt.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es lohnt sich also, Lesungen zu organisieren. In Frankfurt sind viele Veranstalter damit so erfolgreich, dass zwei von ihnen einander nun ins Gehege gekommen sind. Das städtische Kulturamt hat seit dem Amtsantritt von Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU), dem die Literaturstadt Frankfurt am Herzen liegt, eine zunehmende Zahl von Lesungen, Reihen, Tagungen und Festivals organisiert. Damit hat es sich in Konkurrenz zu mehreren Veranstaltern begeben, die es unabhängig von seiner eigenen Programmarbeit finanziell fördert, damit sie genau das tun, was das Amt ihnen nachmacht.

          Sieg und Niederlage für Hückstädt

          Zunehmend bedrängt fühlte sich vom Vorgehen des Literaturreferats vor allem der Programmgeschäftsführer der literarischen Einrichtung, die die Stadt mit dem höchsten Zuschuss fördert und die sie vor ihrem Einstieg in das eigene Veranstalterdasein als die Institution begriff, der das Vermitteln von Literatur besonders oblag. Vor einigen Wochen hat LiteraturhausChef Hauke Hückstädt daher in einem offenen Brief ausgesprochen, was in vertraulichen Gesprächen auch von anderer Seite schon seit längerem zu hören war.

          Seit Hückstädts Brandruf, die Stadt mache den von ihr geförderten Einrichtungen mit immer mehr eigenen Veranstaltungen das Leben schwer, hat sich etwas getan. Der Kulturdezernent gab bald Signale, man werde miteinander reden. Vor einer Woche teilte er nach einem Treffen mit Frankfurter Verlagen und Veranstaltern mit, die Reihe der „Frankfurter Premieren“ werde auf ihr ursprüngliches Konzept zurückgestutzt. In der Historischen Villa Metzler sollen von nun an wieder ausschließlich Bücher von Frankfurter Autoren und Verlagen vorgestellt werden. Ein Sieg für Hückstädt.

          Dass das von der Stadt als Antwort auf Leipzig veranstaltete Lesefest „Open Books“ in seiner Form unverändert bleibt, ist hingegen eine Niederlage für ihn. Da es an vier Oktobertagen in dichter Reihenfolge zahlreiche Neuerscheinungen des Bücherherbstes bei freiem Eintritt vorstellt, war es ihm ein besonderer Dorn im Auge. Hückstädt, der in seinem eigenen Haus literarische Abende rund um den Fußball, die Popmusik, das Kino und das Fernsehen organisiert hat, steht dem bloßen Abhandeln von Neuerscheinungen seit jeher gleichgültig gegenüber. Trotzdem erwarten das Publikum und übrigens auch die Frankfurter Kulturpolitik von seinem Haus gute Besucherzahlen, die sich mit den wichtigsten neuen Büchern des Halbjahrs eben auch erreichen lassen.

          Weitere Themen

          Muslimisches Bad, Fahrplanwechsel, „Loverboys“

          F.A.Z.-Hauptwache : Muslimisches Bad, Fahrplanwechsel, „Loverboys“

          Ein Frankfurter möchte ein muslimisches Schwimmbad bauen. Der jährliche Fahrplanwechsel im Dezember bringt eine neue S-Bahn-Station. Die hessische Landesregierung beschäftigt sich mit „Loverboys“. Das und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, steht in der F.A.Z.-Hauptwache.

          Topmeldungen

          Yasmina Reza

          Yasmina Reza im Gespräch : Wörter sind nichts Festes

          Sprache als Heimat, Übersetzungen als Tragödie, eine Frauenrolle für einen Mann: Die französische Schriftstellerin Yasmina Reza hat einen neuen Monolog geschrieben – „Anne-Marie die Schönheit“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.