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Eschborner Kultursponsoring : Wenn das Füllhorn versiegt ist

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Auf der Suche: Der Alten Oper fehlt das Geld aus Eschborn. Bild: Kreibig, Lukas

Eschborns Verzicht auf das Kultursponsoring trifft Institutionen in Frankfurt hart. Sie suchen nun nach privaten Förderern.

          4 Min.

          Viele Jahre lang war die Stadt Eschborn für Kulturinstitutionen in Frankfurt und in der Region wie eine gute Fee. Die dank sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen reiche Kommune war verlässlich zur Stelle, wenn Museen, Theater, Kulturzentren oder Festivals finanzielle Unterstützung brauchten. Doch damit ist es seit Anfang dieses Jahres vorbei. Die Stadt hat mit Ausnahme der Zuschüsse für das Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ ihr gesamtes Kultursponsoring eingestellt - und damit manche Institution in Nöte gestürzt. Viele Einrichtungen suchen noch immer nach Sponsoren, um die Löcher in den Etats zu stopfen.

          Der Eschborner Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) weist darauf hin, dass trotz der langjährigen Förderung zahlreicher großer und kleiner Kulturinstitutionen von Anfang an klar gewesen sei, dass diese freiwilligen Leistungen von der finanziellen Situation der Stadt abhingen. Schon im vergangenen Sommer habe er die Frankfurter Institutionen darüber informiert, wie hart die Neuregelung des kommunalen Finanzausgleichs mit Mehraufwendungen von 30 Millionen Euro die Stadt Eschborn treffe. Daher sei bei den Haushaltsberatungen das Sponsoring neu überdacht worden. Im Dezember habe die Stadtverordnetenversammlung dann beschlossen, die Kulturförderung einzustellen. Er verstehe sehr gut, wie sehr die Streichungen große und kleine Kultureinrichtungen schmerzten, sagt Geiger. „Diese Beschwerden bitte ich aber an den hessischen Finanzminister zu richten.“

          English Theatre auf der Roten Liste

          Für das English Theatre Frankfurt bedeutet die Kürzung einen harten Schlag. Das Haus muss fortan auf eine jährliche Förderung von 100.000 Euro verzichten. Dieser regelmäßig seit 2009 gewährte Betrag macht immerhin 20 Prozent der öffentlichen Zuschüsse von insgesamt 500.000 Euro im Jahresetat des Theaters aus. Dessen Direktor Daniel Nicolai weiß bisher nicht, wie er diese Lücke schließen soll. Das English Theatre ist deshalb in die Rote Liste des Deutschen Kulturrats aufgenommen worden, auf der sich analog zu den Roten Listen bedrohter Tier- und Pflanzenarten gefährdete Kulturinstitutionen finden.

          Wie Nicolai im Gespräch mit dieser Zeitung sagt, hat die Zuwendung aus Eschborn seinem Haus in den vergangenen Jahren die Sicherheit gegeben, „auch einmal ein Stück im Spielplan haben zu können, das sich schlechter verkauft, ohne gleich das Gespenst der Insolvenz über dem Theater schweben zu sehen“. Nicolai und sein Team sind derzeit eifrig auf der Suche nach Sponsoren, die dazu beitragen könnten, die nun fehlende Förderung auszugleichen. „Aber keine Firma oder Stiftung wird uns jährlich 100.000 Euro versprechen“, sagt der Theaterdirektor. So klafft in seiner Etatplanung weiter eine empfindliche Lücke, obwohl das Haus mittlerweile Lotto Hessen sowie eine zur Bank Goldman Sachs gehörende Gesellschaft als Förderer gewinnen konnte.

          Claudia Dillmann, die Direktorin des Deutschen Filminstituts und Deutschen Filmmuseums, muss schon seit dem Vorjahr auf einen Zuschuss von 100.000 Euro verzichten. „Zu unserer überaus großen Überraschung sind 2014 die 100.000 Euro Sonderzuweisung von der Stadtverordnetenversammlung genehmigt worden, aber der Magistrat musste zustimmen. Wir hielten das für eine Formsache, was es leider nicht war.“ Im Mai 2015 wurde der Zuschuss nicht genehmigt. Nach Versuchen über Monate hinweg, diesen Beschluss noch rückgängig zu machen, kann Dillmann seither mit den seit 2007 freiwillig geleisteten Eschborner Zuschüssen nicht mehr rechnen. Sie treffen den pädagogischen Kern des Hauses: 35.000 Euro

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