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Neue Fraktionsvorsitzende : Frankfurts Grüne kopieren die Doppelspitze

„Gleichberechtigt und arbeitsteilig“: Die Grünen im Römer werden künftig von einer Doppelspitze geführt. Bild: Heike Lyding

Keinen Politikwechsel, aber bei Grünen-Themen sichtbarer werden, das möchte das neue Führungsduo der Grünen-Fraktion im Römer. Dabei orientieren sich Jessica Purkhardt und Sebastian Popp an der Doppelspitze im Bund. Ein Kommentar

          Zwei, die sich gut verstehen und Neues wagen, praktisch Hand in Hand. Das ist das Bild, das die beiden Frankfurter Grünen-Stadtverordneten Jessica Purkhardt und Sebastian Popp von sich zeichnen. Die beiden, die die Fraktion im Römer als Doppelspitze „gleichberechtigt und arbeitsteilig“ führen wollen. Das hat es bisher in Frankfurt tatsächlich noch nicht gegeben, auch nicht bei den Grünen. Die Grünen-Fraktion im Römer war zumindest in den vergangenen 23 Jahren fest in Männerhand. Nun ist es auch nicht die eine Kommunalpolitikerin an der Spitze geworden, wie es sich die frauenpolitisch Engagierten gewünscht hatten, sondern eine Doppelspitze.

          Die könne, da sind sich Purkhardt und Popp einig, erfolgreich sein so wie es die Bundesvorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock zeigen, solange da zwei wunschgemäß zusammenarbeiten. Doppelspitzen könnten nicht funktionieren, wenn Männlein und Weiblein willkürlich zusammengewürfelt würden. Dabei wissen Purkhardt und Popp, dass das „willkürlich Zusammengewürfelte“ der Standard bei den Grünen ist – gleichgültig, ob es sich um die Frankfurter oder die hessische Partei handelt oder um die Fraktionsspitze im Bundestag.

          Ein „Wunschteam“

          Die beiden Grünen im Römer, die sich selbst als „Wunschteam“ bezeichnen, wollen also anknüpfen an das, was seit einem Jahr so erfolgreich auf Bundesebene mit Habeck und Baerbock funktioniert: Zwei, die die Stimmung im Land erspüren und politische Antworten geben. Es würde den Grünen im Römer gut zu Gesicht stehen, wenn es ihrer Doppelspitze gelänge, die Stimmung in Frankfurt zu erspüren. Nicht zuletzt daran scheiterten die Grünen in den Jahren 2011 bis 2016, als sie immerhin vier hauptamtliche Stadträte stellten und der Stadt ein grünes Gesicht hätten geben können.

          Doch das taten die Grünen im Römer nicht. Der Wähler bestrafte sie 2016 dafür, zwei ihrer führenden Politiker mussten abgewählt werden. Doch an der Spitze der Fraktion gab es damals überraschenderweise keine Veränderung: Manuel Stock blieb Fraktionschef, er und seine Stellvertreterin Ursula auf der Heide führten die Fraktion weiter.

          Als Stock vor kurzem nach Wiesbaden wechselte und auf der Heide allein antrat, wollte die Fraktion nicht mehr folgen und wählte stattdessen die Doppelspitze. Die kündigt zwar an, es werde keinen Politikwechsel geben, wohl aber wolle man mit Blick auf die nächste Kommunalwahl bei allen Grünen-Themen in der Stadt sichtbarer werden. Es bleibt abzuwarten, ob es der sicherheitspolitischen Sprecherin Purkhardt und dem Kulturpolitiker Popp gelingt, bei Themen wie Klimawandel und Verkehrswende das umzusetzen. Der gute Wille scheint dazusein. Ob das reicht?

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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