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Frankfurt : Petition gegen Heizpilze

Sorgt für reichlich Unmut in Frankfurt: Heizpilze Bild: Bergmann, Wonge

Frankfurts Bürgermeister Becker will ein Verbot von Heizpilzen vor Gaststätten prüfen lassen. Denn diese sollen schlecht für die Umwelt sein. Unter Wirten sorgt das für Verwunderung.

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          Frankfurt. Werden sogenannte Heizpilze, also mit Gas betriebene und Wärme abstrahlende Geräte, vor Bars und Restaurants in Frankfurt bald verboten? Glaubt man Bürgermeister Uwe Becker (CDU), so steht ein solches Verbot bevor. Die Interessenvertretungen Frankfurter Gastronomen kritisieren entsprechende Äußerungen des Bürgermeisters.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Frankfurt fragt mich“ heißt ein Internet-Portal, das die Stadt Frankfurt anbietet. Bürger können dort elektronisch Mängel und Missstände melden, von wilden Sperrmüllablagerungen bis hin zu nicht geleerten Mülltonnen. Es können sich dort aber auch virtuelle Initiativen gründen, vergleichbar mit Online-Petitionen. Die Stadt reagiert auf ihre Anliegen, wenn sich eine hinreichende Zahl von Unterstützern gefunden hat. So ist es im Falle der Heizpilze geschehen.

          Forderung nach Verbot

          Bereits im Mai dieses Jahres war die Forderung „Heizpilze in der Gastronomie verbieten“ auf dem Beteiligungsportal eingestellt worden, 200 Unterstützer fanden sich. Zur Begründung hieß es, die Geräte gäben große Mengen Kohlendioxid ab und stellten eine Umweltbelastung dar. Zur Beweisführung wird mit einer angenommenen Betriebszeit jedes Heizpilzes von 36 Stunden in der Woche kalkuliert, womit sich ein Ausstoß von vier Tonnen Kohlendioxid je Gerät und Jahr ergäbe. Viele Städte hätten die Apparate verboten, Frankfurt solle das auch tun.

          „Der Magistrat begrüßt die Anregung der Ideenplattform, Heizpilze in der Außengastronomie zu verbieten, um den Klimaschutz aktiv voranzutreiben. Das entspricht dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zum Beitritt zum Klimabündnis, um die Emission von Kohlendioxid bis 2030 erheblich zu reduzieren.“ So lautet die ebenfalls auf dem Beteiligungsportal veröffentlichte Antwort der Stadt auf das Anliegen.

          „Sicher nicht die beste Möglichkeit“

          Heizpilze seien „sicher nicht die beste Möglichkeit, Menschen ein bisschen aufzuwärmen“. So hat Uwe Becker in einem Gespräch mit dem hessischen Rundfunk das Thema kommentiert. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung würden sich nun mit dem Wunsch nach einem Verbot beschäftigen.

          Der Hotel-und Gaststättenverband in Frankfurt kritisiert die Äußerungen Beckers. Sie seien unnötig parteiergreifend, sagt Geschäftsführerin Kerstin Junghans. Das Anliegen der Initiative sei nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar sei hingegen, dass die Stadt in so einem Fall nicht das Gespräch mit allen Beteiligten suche.

          „Das Beheizen von Terrassen, aber auch von Arbeitsplätzen im Freien, zum Beispiel bei Türstehern, ist notwendig.“ Das sagt Madjid Djamegari, Vorstandsvorsitzender des Vereins Initiative Gastronomie Frankfurt und Betreiber des Musikclubs Gibson. Die Abschaffung von gasbetriebenen Heizpilzen könne nur ersetzt werden „durch den Einsatz von stromfressenden Infrarot-Heizlampen“. Zu prüfen wäre dann, „ob die CO2-Bilanz an der Stelle durch den Austausch wirklich verbessert werden kann.“ Die Initiative appelliere an die Gastronomen, den Einsatz von Heizpilzen auf ein Minimum zu beschränken und Alternativen zu prüfen.

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