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Frankfurts Architektur : Manhattan und Mainhattan

Frankfurter Skyline: Im Vergleich zu New York wirkt die Skyline geradezu locker bebaut. Bild: dpa

Haben New York und Frankfurt wirklich etwas gemeinsam? Architekten und Bauherren haben sich stark an Amerika orientiert. Marianne Rodenstein weiß, warum.

          Wie viel Manhattan in Frankfurt steckt? Auf den ersten Blick nicht viel. New York ist derart dicht bebaut, dass man sich manchmal fragt, wie viel Stahl und Beton diese schmale Insel eigentlich noch verträgt, bevor sie im Meer versinkt. Nach einem Spaziergang über die Fifth Avenue kann man sich jedenfalls nur wundern, wie hitzig im vergleichsweise locker bebauten Frankfurt über die Nachverdichtung der Innenstadt diskutiert wird. Hier ist doch noch so viel Platz.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Anders in der Stadt der Städte. Doch trotz der ganzen Baumasse ist New York unglaublich lebenswert - gerade wegen dieser Fülle, die der Besucher geradezu rauschhaft erlebt. Immer wieder öffnen sich an Straßen und großen Plätzen wie Bryant Park, Washington Square Park, Union Square und Madison Square Park ungewohnte Blicke auf die berühmten Türme. Die von Hochhaus-Ikonen gesäumten grünen Plätze sind Inseln inmitten der Stadt. Vergleichbar ist damit in Frankfurt am ehesten die Taunusanlage.

          Frankfurt - ein Spätzünder

          Außerdem fehlen Frankfurt einige Generationen an Hochhäusern. Denn während man in New York schon Ende des 19. Jahrhunderts in die Höhe baute, waren in Frankfurt bis zum Zweiten Weltkrieg die Kirchen und der Bahnhof das Maß aller Dinge. Klassische Hochhäuser aus Stein und mit Ornamentfassade sucht man hier vergeblich. An der Mündung des Hudson River entstand dagegen schon 1913 das Woolworth Building, eine neogotische Kathedrale des Geldes, mehr als 240 Meter hoch. Und noch heute ist das 1903 auf einem dreieckigen Grundriss fertiggestellte Flatiron Building eines der schönsten Gebäude New Yorks.

          Auf die Spätzündung im deutschen Hochhausbau macht auch Marianne Rodenstein aufmerksam, die im Architekturmuseum einen äußerst interessanten Vortrag über den amerikanischen Einfluss auf die Frankfurter Türme gehalten hat. Partner der Veranstaltung waren das Kuratorium Kulturelles Frankfurt und das Jüdische Museum. Rodenstein, emeritierte Professorin für Soziologie, hat sich tief in die Geschichte des Hochhausbaus eingearbeitet.

          Bei sechs Geschossen war Schluss

          In Amerika, dem Mutterland des Hochhausbaus, begann alles mit der Erfindung des Fahrstuhls. Im Skyscraper Museum im Financial District zeigt eine Zeichnung eine Szene auf der New Yorker Crystal-Palace-Ausstellung im Jahr 1854: Der Geschäftsmann Elisha Graves Otis steht, den Zylinder in der Hand, auf einer Art Hebebühne. Ein Mitarbeiter kappt über ihm mit einem Beil das Seil, doch die Sicherheitsbremse rastet ein, und die Hebebühne steht. Die Möglichkeiten, große Lasten auch vertikal zu transportieren, wurden durch diese Erfindung erweitert. In den folgenden Jahren entstehen Hochhäuser, die die Stadt noch heute prägen: der Metropolitan Life Tower (1908), das Chrysler Building (1930), das Rockefeller Center (1932) und das Empire State Building (1931), mit 381 Metern höher als der höchste in Frankfurt jemals gebaute Turm.

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