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Zoogesellschaftshaus : Mehrzweckbau mit vielen Mängeln

Keine schöne Begrüßung: Am Eingang bröckelt der Putz. Bild: Esra Klein

Die Glanzzeiten des Zoogesellschaftshauses sind lange vorbei. Es fehlt eine ordentliche Gastronomie, und die Räume müssten renoviert werden. Dabei gibt es gute Ideen, was man mit ihnen anfangen könnte.

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          Claus Helmer erinnert sich gern daran, wie er als Kind bei Frankfurt-Besuchen im Zoo war und die Familie anschließend auf der Terrasse des Gesellschaftshauses bei Kaffee und Kuchen den Tag genoss. Ein solches gastronomisches Angebot vermisst der Leiter des Fritz-Rémond-Theaters, das im Ostflügel des prächtigen Baus residiert, schon lange. So wie ihm geht es vielen. Zoodirektor Manfred Niekisch gerät ins Schwärmen, wenn er auf die Zooterrasse zeigt. Rechts huschen die Mähnenwölfe durchs Gehege, vor dem Gast sprudelt die Fontäne des Weihers, und von links ist das Gebrüll der Löwen zu hören. „Es könnte der attraktivste Biergarten der Stadt sein“, sagt Niekisch.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf diesen Gedanken sind schon andere gekommen. Dem Gastronomen Klaus-Peter Kofler wäre es beinahe gelungen, einen solchen Wohlfühlort zu schaffen. Doch dann kamen Baustellen, die die Gäste vertrieben, und Streitigkeiten um den einst versprochenen und niemals gebauten Teepavillon. Das Pachtverhältnis zwischen Kofler und der Stadt endete 2012 ähnlich unerfreulich wie die vorherigen Geschäftsbeziehungen. Zurück blieben Räume, denen man ansieht, dass sie immer wieder für Veranstaltungen vermietet werden, die aber nicht gepflegt und professionell instand gehalten sind. Davon zeugen zersprungene Fliesen und abgenutztes Mobiliar in den Küchenräumen, katakombenartige Künstlergarderoben mit spärlichem Licht und zum Teil nicht mehr nutzbaren Duschen.

          Seit mehr als drei Jahren keine feste Gastronomie

          Hinzu kommen bauliche Mängel, die schon diverse Pächter beklagt haben: die mit 1,80 Metern zu geringe Höhe der Türen zur Galerie des Großen Saals beispielsweise, die seit der Renovierung Ende der achtziger Jahre moniert wird. Seit damals ist kein Gastronom im Gesellschaftshaus mehr glücklich geworden. Sei es, weil er angesichts eines stark saisonabhängigen Geschäfts nicht auf seine Kosten kam oder weil er wie Kofler und schon sein Vorgänger Jörn Kaufmann den Fokus auf das Veranstaltungsgeschäft richtete und die Bewirtung der Zoobesucher nicht so wichtig nahm. Umstritten war immer auch die Frage, wie man verhindern kann, dass Gäste der Zooterrassen abends in den Zoo gelangen. Ein Problem, das auch durch den jüngst erneuerten Eingang nicht gelöst worden ist.

          Seit mehr als drei Jahren gibt es deshalb keine feste Gastronomie an dieser Stelle. Auf der Zooterrasse und über das Gelände verteilt versorgen Imbissstände die Besucher mit Bratwurst, Pommes, Waffeln und Eis, und neben dem geschlossenen Hintereingang bietet das Restaurant „Sombrero“ an der Waldschmidtstraße Mexikanisches zu zivilen Preisen.

          Eine Änderung dieser Situation scheint einstweilen nicht in Sicht. Zwar ist Manfred Niekisch mit der Stadt im Gespräch, doch auch dort treffen verschiedene Interessen aufeinander. Während sich die Kulturpolitiker inzwischen einig sind, dass das allseits gewünschte Kinder- und Jugendtheater im Zoogesellschaftshaus gut untergebracht wäre, möchte Niekisch zuerst einmal die Belange des Zoos und seiner Verwaltung berücksichtigt sehen.

          Nächstes Thema ist Brandschutz

          Die Zooverwaltung sitzt in den obersten Stockwerken des Gebäudes in Räumen, die im Sommer für viele unerträglich heiß werden und im Winter nur schwer warm zu bekommen sind. Der Boden knarzt, und die Treppenhäuser sind eng und düster. Die Toiletten sind ebenso renovierungsbedürftig wie in manchem Frankfurter Schulgebäude. Der kleine Saal, der gerne für Vorträge genutzt wird, hat gar kein WC, darum muss jeweils einer der Mitarbeiter den Durchgang zum Verwaltungstrakt offen halten. Einzig die Räume der Zoologischen Gesellschaft, die ein Stockwerk des Hauses belegt, präsentieren sich in moderner loftartiger Einrichtung mit Zwischenwänden aus Glas, die viel Tageslicht hereinlassen.

          Eigentlich ein Prachtbau: Das Zoogesellschaftshaus wurde 1875 im klassizistischen Stil errichtet.
          Eigentlich ein Prachtbau: Das Zoogesellschaftshaus wurde 1875 im klassizistischen Stil errichtet. : Bild: Esra Klein

          Brandschutz ist ein weiteres Thema, das Kopfzerbrechen bereitet. Weder die Meldeanlage noch die Löschwasserzufuhr entsprechen heutigem Standard. Auch im Fritz-Rémond-Theater wäre die Feuersicherheit zu verbessern. Sonst aber, sagt Theaterchef Helmer, sei bei ihm alles in Schuss - weil er in den vergangenen Jahren mehr als 100.000 Euro in Einrichtung, Bestuhlung und Technik investiert habe. Er sorgt mit einer Bar im Foyer und im Sommer vor der Tür auch dafür, dass sein Publikum sich in der Pause erfrischen kann. Helmer würde sich aber auch eine richtige Gastronomie im Haus wünschen, mit der man zum Beispiel zu Silvester ein Menü zur Vorstellung anbieten könnte. Er hat mit 72 Jahren noch einige Pläne.

          Es gibt also eine Menge Wünsche für das Zoogesellschaftshaus. Wie teuer es würde, sie zu verwirklichen, lässt sich nach Worten Niekischs noch nicht beziffern. Schließlich hängen die Kosten auch davon ab, ob das Kindertheater tatsächlich dort unterkommt.

          Niekischs Ziel: ein Masterplan

          Helmer sähe eine solche Spielstätte als Nachbarn sehr gern, und auch für Niekisch würde sie gut zum Zoo passen. Nach ersten Auskünften der Ämter wären bei dem Projekt aber 20 Millionen Euro wohl schnell weg, sagt der Direktor. Es gebe sogar Fachleute, die meinten, es wäre vermutlich günstiger, das Haus bis auf die Fassade abzureißen und dahinter alles neu zu bauen.

          Auch wenn Niekischs Vertrag wohl über seinen 65. Geburtstag im Sommer hinaus verlängert wird, ist es unwahrscheinlich, dass er das glanzvolle Wiedererstehen des Gesellschaftshauses als Hausherr erlebt. Doch wenigstens einen Masterplan dafür hätte er bis zum Ende seiner Amtszeit gerne unter Dach und Fach.

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