https://www.faz.net/-gzg-71cps

Frankfurter Zoodirektor Manfred Niekisch : Der Überzeuger

Zwischen den Welten: Niekisch in seiner Bad Homburger Wohnung zwischen antiquarischer Fachliteratur und Andenken seiner zahlreichen Reisen. Bild: Wresch, Jonas

Frankfurts Zoodirektor Manfred Niekisch ist ein gelehrter, weitgereister Mann. Dass er einmal in der Nachfolge des legendären Bernhard Grzimek stehen würde, hätte er sich jedoch nicht ausgemalt. Von einem Naturschützer, der Bücher und Frösche sammelt, Argentinien liebt und für den Tango schwärmt.

          Es gab Zeiten, in denen war Manfred Niekisch nur auf Reisen. Tage, Wochen, Monate. Er flog von einer Konferenz zur nächsten, von einem Projekt ins andere. Kolumbien, Brasilien, Indonesien, Vietnam, fast alle Länder der Erde hat er bereist. Und fast immer brachte er sich ein Andenken mit. Einen Frosch.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Keinen echten natürlich. Das hätte sich für einen Naturschützer nicht geziemt. Aber einen aus Stoff, Holz, Metall oder Porzellan. Denn Frösche haben den Biologen schon immer fasziniert. Das begann schon in der Kindheit, als er als Fünfjähriger mit seinem Vater in den alten Bombentrichtern rund um Nürnberg die Natur erkundete und dort regelmäßig Kröten und dicke Spinnen sammelte, die er dann auf dem Heimweg in der Straßenbahn auspackte. Jedes Mal handelte er sich einen Rüffel des Fahrers ein, der drohte, ihn hinauszuwerfen, wenn er das „Viehzeugs“ nicht sofort wieder einfinge.

          Antiquarische Bücher und Tango-Musik

          Überhaupt ist Niekisch ein Sammler. In seiner geräumigen Altbauwohnung in Bad Homburg sind - neben den Fröschen - überall kleine Reiseandenken zu finden. Eine kunstvoll verzierte Urne aus Venezuela, Halsketten aus Amazonien, eine Zeremonialaxt aus Neuguinea oder eine Holzpistole der Kayapo, eines Indianervolkes im Amazonasgebiet.

          Vor allem aber sammelt Niekisch Bücher. Sein Bestand reicht in die Zehntausende. Ausschließlich Fachliteratur über Ornithologie, Reptilien, Amphibien, Ethnologie und über Feuerland. Die Bücher hat Niekisch fast allesamt aus Antiquariatsbeständen erworben. Die meisten in Argentinien, dem Land, das er seit vielen Jahren immer wieder bereist. Inzwischen fast ausschließlich privat. „Das hat mit dem Tango zu tun“, sagt Niekisch, während er nach Feierabend in seinem Arbeitszimmer in einem alten Ledersessel sitzt, neben einem kleinen runden Tisch, der schon seinem Großvater gehörte. „Aber weniger mit dem Tanz Tango als mit der Musik.“

          Niekisch trennt zwischen den Welten

          Man kann ihn sich gut vorstellen, den Zoodirektor, wie er mit seinen fast zwei Metern Körpergröße inmitten von Argentiniern sitzt und bei einem Glas Rotwein in leicht schummrigen Bars den dramatischen Klängen lauscht, die von Liebe, Abschied und Freiheit erzählen. So war es jedenfalls an einem Abend vor vielen Jahren, als Niekisch wieder einmal nach Buenos Aires flog, um Freunde zu besuchen. An diesem Abend sang Amelita Baltar in einem kleinen Café. Niekisch war ohnehin schon aufgefallen. Als ihn schließlich einer der Gastmusiker, der an diesem Abend den „Einheizer“ gab, vor dem gesamten Publikum barsch auf Lunfardo ansprach, einer Art argentinische „Sondersprache“, konterte Niekisch prompt - im selben Dialekt. Danach war er einer von ihnen.

          Die Liebe zum Tango sieht man dem gebürtigen Nürnberger auf den ersten Blick nicht unbedingt an. Denn er trennt zwischen den Welten. Wenn er durch den Frankfurter Zoo streift, ist er ganz der Direktor. So wie einst Bernhard Grzimek, der auch zwischen seinen vielen verschiedenen Leben hin und her sprang und entweder Zoodirektor oder Naturfilmer oder Afrikareisender war, aber nie alles gleichzeitig. Zu Hemd und Bundfaltenhose trägt Niekisch bevorzugt Turnschuhe, weil er damit besser durch das Gelände kommt. Nicht selten packt er selbst mit an, wenn es darum geht, Jungtiere nach der Geburt aufzupäppeln oder den ausgewachsenen Nachwuchs im Rahmen des europäischen Erhaltungszuchtprogramms in andere Tiergärten verlegen zu lassen.

          Vom Umweltschützer zum Zoodirektor

          Dass er irgendwann einmal Zoodirektor werden würde, hatte sich zunächst nicht abgezeichnet. Natürlich habe er früher einmal diesen Wunsch gehabt, „so wie andere Jungen Pilot oder Rennfahrer werden wollten“, erinnert er sich. Aber dann schlug er nach Biologiestudium und Promotion die Laufbahn als Naturschützer ein, arbeitete für den WWF und die Tropenwaldstiftung Oro Verde. „Rückblickend war es gut, dass ich erst diese berufliche Phase erleben durfte“, sagt Niekisch. „Sonst hätte ich die Tätigkeit als Zoodirektor wohl nicht mit so viel Ruhe angehen können.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach Interviewabbruch : Es bleiben viele Fragen an Höcke

          Die Aufregung über den Interview-Abbruch und die Drohungen von Björn Höcke verstellt den Blick auf die eigentliche Frage: Wes Geistes Kind ist der AfD-Politiker?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.