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Frankfurter Zoo : Viel Platz für Bärenmann Nobody

Bald fertig: In der Außenanlage des neuen Bärengeheges sind derzeit noch die Bauarbeiter am Werk. Bild: Rosenkranz, Henner

Der neue Haupteingang im Zoo soll vor den Osterferien eröffnet werden. Bis dahin werden auch die Brillenbären in ihr Gehege gezogen sein. Dort und auf weiteren rund 4300 Quadratmetern wird derzeit noch gebaut.

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          Noch sind hier die Krähen zu Hause. Aber im Frühling sollen sich auf dem 1683 Quadratmeter großen Gelände an der Bernhard-Grzimek-Allee zwei Brillenbären und drei Schwarze Brüllaffen tummeln. „Bären fressen Beeren“, kommentiert Zoodirektor Manfred Niekisch jede Skepsis, ob sich die Tiere denn auch vertragen werden. In den südamerikanischen Anden teilen sich die beiden Arten nach den Worten Niekischs ebenfalls denselben Lebensraum: den Nebelwald mit seinen Epiphyten, den Pflanzen also, die auf Bäumen wachsen und von denen sich sowohl die Affen als auch die Bären ernähren.

          Claudia Schülke

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Noch vor den Osterferien soll die neue Bärenanlage im Zoo eröffnet werden. Da der Frankfurter Winter häufig dem Klima an den peruanischen Berghängen ähnelt, hofft Niekisch darauf, dass sich Bärenmann Nobody aus Frankreich und seine künftige Braut aus Zürich gut einleben in ihrem neuen Zuhause. Die beiden Bären werden jede Menge Platz auf der riesigen Anlage haben, aber sie sollen nicht alleine bleiben. „Wir wollen züchten“, kündigt der Zoodirektor an.

          Die Brüllaffen müssen umziehen

          Für die drei Brüllaffen, die nur aus dem Frankfurter Affenhaus in die neue Anlage umziehen müssen, hat Landschaftsarchitektin Ariane Röntz 90 Bäume und Sträucher pflanzen lassen. Brüllaffen bewegen sich am liebsten durch die oberen Etagen. Niekisch denkt aber auch an die Verbesserung des städtischen Mikroklimas und freut sich auf Spechte und Singvögel, die er im Tiergarten noch nie gesehen hat, die nun aber kommen sollen. Später, so seine Hoffnung, werden die Brillenbären ihre Früchte selbst von den Bäumen ernten.

          Etwa die Hälfte der vom Magistrat für die vielen Neu- und Umbauten im Zoo bewilligten 30 Millionen Euro wurden mittlerweile in die neue Bärenanlage und den Haupteingang investiert. Beides soll im Frühjahr fertig sein. Niekisch sieht im Geiste schon die Besucherströme links vom Alfred-Brehm-Platz die vier Kassen am gläsernen Eingangsfoyer passieren und dann sofort auf das üppig bepflanzte Warmhaus der Brüllaffen stoßen: „So werden die Leute gleichsam in den Zoo hineingezogen.“ Hinter dem Warmhaus liegen die drei Bären-Außenanlagen, die jeweils von einem breiten Graben getrennt sind, aber mit Baumstämmen verbunden werden können - je nachdem, wie gut die Bären sich miteinander verstehen.

          Quarantäne-Station für Echsen, Schlangen und Schildkröten

          Im ersten Stock der neuen Anlage können dann auch die Rostkatzen über einen Veranda-Umlauf flanieren. „Wir sind Weltmeister in der Rostkatzenzucht“, sagt Niekisch stolz. Nur zwei der Kleinkatzen turnen derzeit durch ein Gehege im Katzendschungel. Die übrigen Zuchttiere sind noch immer hinter den Kulissen untergebracht. Im Bärenhaus finden künftig auch Tiere Platz, die unverträglich oder überzählig sind, damit es in den Anlagen nicht zu eng wird.

          Ebenfalls hinter den Kulissen, nämlich im Wirtschaftshof jenseits der Thüringer Straße, der auch die Futterküche beherbergt, hat der Zoo weitere vier Millionen Euro verbaut: in einer Quarantäne-Station für die Echsen, Schlangen und Schildkröten, die dem Tierpark vom Flughafenzoll oder der Staatsanwaltschaft anvertraut werden. Niekisch ist froh über die räumliche Trennung: So können sich keine Krankheiten unter den Zootieren ausbreiten.

          Rondell soll bis zum Juni fertiggestellt werden

          Von den etwa zehn Millionen Euro, die nach dem Bau von Bärenanlage, Haupteingang und Quarantänestation noch zur Verfügung stehen, soll das Rondell vor dem Zoogesellschaftshaus, wo zur Zeit noch eine riesige Baugrube gähnt, bis zum Juni fertiggestellt werden. Dann bleibt für eine neue Pinguin-Anlage kaum noch Geld übrig. Dennoch hat Niekisch die Planung dieses Projekts keineswegs aufgegeben - zumal ihm die Frankfurter Veterinärbehörden strenge Auflagen erteilt haben. Erfüllt er sie nicht, muss er die Pinguin-Haltung aufgeben. Die Pläne, an der Rückseite des Exotariums ein neues Domizil für die Tiere einzurichten, haben sich aus Gründen der Statik zerschlagen. Nun muss Niekisch über einen neuen Standort nachdenken. „Eine Pinguin-Anlage ist technisch aufwendig“, sagt er. Die Tiere brauchten viel Platz zum Schwimmen und Brüten.

          Niekisch ist stolz auf die 6000 Quadratmeter seiner insgesamt elf Hektar großen Zoofläche, die nach all den Umbauten neu gestaltet sein werden. Nur über den Namen seines Brillenbärenmannes rümpft er die Nase: Nobody sei nur ein Platzhalter, sagt der Zoodirektor. Bis der Bär einzieht, will er sich noch etwas anderes einfallen lassen.

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