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Frankfurter Zoo : Die Tiger langweilen sich

Wachsamer Blick bei jeder neuen Berührung: Wie gut geht es den Raubkatzen im Zoo, wenn kein Besucher mehr da ist? Bild: Ralph Lea

Der Frankfurter Zoo bleibt während der Corona-Pandemie geschlossen: Manche Tiere scheinen die Besucher zu vermissen. Dafür lernen die Pfleger gerade mehr über ihre Schützlinge.

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          Viatu wundert sich. Der Gorillamann im Zoo hat eine tragende Aufgabe: Er muss seine Familie beschützen. Und nun ist plötzlich alles ganz anders: keine Besucher im Borgori-Wald. „Viatu ist ein besonders sensibles Tier“, sagt Kuratorin Sabrina Linn. „Er muss die ungewohnte Situation erst neu bewerten. Deshalb ist er angespannter als sonst.“

          Claudia Schülke

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Tagesroutine ändert sich in Corona-Zeiten eben auch bei den Menschenaffen. „Sie laufen nicht mehr so verlässlich in ihre Boxen, wenn die Pfleger den einsehbaren Bereich säubern wollen“, hat Linn von ihren Pflegern erfahren. Wenn ein Gorilla nicht auf Kommando gehen will, dann geht er nicht, und die Pfleger müssen die Reinigung eben verschieben. Das sei aber nicht dramatisch, so die Kuratorin. „Die Instinkte der Menschenaffen sind besser ausgebildet als beim Menschen.“ Daher merkten sie eher, wenn sich etwas verändere.

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          Weil der Zoo für Besucher geschlossen ist, fehlen den Ziegen die Streicheleinheiten der Kinder. Aber da sie gerade selbst Jungtiere hätten, seien sie ausgelastet, sagt Linn. Die Kuratorin ist auch für die Huftiere verantwortlich. Vikunjas und Giraffen pflegten aber keine Interaktion mit Menschen. Deshalb verhielten sie sich wie immer. Pinguine, Seebären und Pfauen reagierten schon eher auf das Publikum. Sie seien aber noch „nicht groß verunsichert“, denn die Pfleger kompensierten, was ihren Tieren jetzt fehle: die Kommunikation mit den Menschen. Die Ausstattung der Außengehege und Tierhäuser biete den Bewohnern ohnehin genug Beschäftigungsmöglichkeiten.

          Guter Blick auch ohne Besucher

          Für Kurator Stefan Stadler ist noch alles beim Alten: Seinen Vögeln fehlt nichts, wenn Menschen ausbleiben. Kollege Johannes Köhler dagegen hat gemerkt, dass ihm seine Tiger am Steg häufiger hinterhergucken als sonst. Auch müssten sich seine Raubkatzen nicht mehr auf ihre Podeste zurückziehen, wenn es ihnen zu viel werde. „Jetzt langweilen sie sich tendenziell.“ Offenbar sei mehr Abwechslung erwünscht an den Fensterscheiben des Katzendschungels. Die Brillenbären im Ukumari-Land turnten weiterhin an ihren neuen Klettergerüsten und stiegen gern auf ihre Plattformen, um den weiten Blick zu genießen – mit oder ohne Besucher.

          Dem Menschen so nah: Gorillas im Frankfurter Zoo

          Da ist die tagaktive Langnasenstrauchnatter im Exotarium doch sensibler. Die Pfleger haben dem Kurator berichtet, dass diese visuell orientierte Schlange jetzt stärker auf alles reagiere, was sich bewege. Bei den nachtaktiven Tieren im Grzimek-Haus hat sich noch nichts verändert.

           Eigentlich in Südamerika heimisch: Ein Brillenbär erkundet sein Gehege im Frankfurter Zoo.

          Köhler sieht in dem erzwungenen Ausnahmezustand auch eine Chance: „Jetzt können wir mehr über unsere Tiere erfahren. Denn sonst ist es ja nicht möglich, den Zoo einfach zu schließen.“ Pfleger und Kuratoren könnten jetzt zu Verhaltensforschern werden. Dann wissen sie nach der Coronakrise noch besser, was ihre Tiere brauchen – über die tägliche Versorgung und Beschäftigungs-Anreize im Gehege hinaus.

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