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Frankfurter Zoo : Magische Begegnung mit der Natur

Auf Tuchfühlung: Der designierte Zoodirektor Miguel Casares hat große Pläne für die Gestaltung des Frankfurter Zoos Bild: Ly, Martin

Die Besucher des Zoos sollen sich von Tieren für Tiere begeistern lassen. Miguel Casares weiß, wie das geht, und will es als neuer Direktor ermöglichen.

          Es waren Bilder wie von einer Safari, die Manuel Casares im vergangenen Frühjahr bei einem Vortrag im Zoo zeigte. Doch sie stammten nicht aus der afrikanischen Savanne, sondern aus dem Bioparc Valencia, einem privaten Tierpark, den Casares mit aufgebaut hat. Die Erfahrungen, die er dort gemacht hat, nannte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) ebenso wie die wissenschaftliche Expertise des 51Jahre alten Veterinärs als entscheidende Qualifikationen des Spaniers, der auf Beschluss des Magistrats neuer Zoodirektor wird.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Casares, seit knapp anderthalb Jahren Stellvertreter des im Dezember pensionierten Direktors Manfred Niekisch, kennt sein neues Wirkungsfeld entsprechend gut. Zumal er auch schon nach Abschluss seines Studiums an der Universität seiner Geburtsstadt Madrid 1990 sein erstes Praktikum im Frankfurter Zoo absolviert hatte. Es folgten weitere Praktika in deutschen Zoos und an Forschungsinstituten in Hannover, Gießen und Berlin und die Promotion an der Universität Zürich. Entsprechend souverän geht er mit der deutschen Sprache um. Außer mit Galapagos-Riesenschildkröten und der Hormondiagnostik bei Elefanten hat Casares sich von 2002 an vor allem mit der Entwicklung und Ausführung von Zoo-Masterplänen für verschiedene Bioparc-Projekte befasst – von der Konzeption bis zur Bausteuerung.

          Ein bedeutender Bildungsort

          Wie Hartwig sagte, wurde Casares aus einer größeren Zahl von Bewerbern ausgewählt. Überzeugt habe dabei auch, dass er in Valencia gezeigt habe, dass auf beschränktem Raum ein besonderes Zooerlebnis geschaffen werden könne. Das ist Hartwig wichtig, denn der mit elf Hektar recht kleine Zoo mit seinen 840.000 Besuchern ist nach ihrer Überzeugung ein bedeutender Bildungsort. Auch in Zeiten von Fernreisen und perfekten Tierfilmen sei dort ein besonderes Erlebnis möglich. „Es geht um die Faszination und Magie in der Begegnung mit einem echten Tier.“

          Casares wies darauf hin, dass ein Zoo nicht nur Wissen über die Tiere vermitteln, sondern Emotionen wecken und die Herzen der Besucher berühren müsse, damit sich die Menschen für die Tiere einsetzten. In Frankfurt sieht er besonders gute Chancen, auch den Tier- und Naturschutz voranzubringen, denn durch die Zusammenarbeit des Zoos mit anderen Institutionen wie der Zoologischen und der Senckenbergischen Gesellschaft böten sich hier europaweit einmalige Entwicklungschancen.

          Neue Anlage für Humboldt-Pinguine

          Casares wird einige Unterstützung brauchen. Denn während seinem Vorgänger bei Amtsantritt ein Budget von 30 Millionen Euro für Investitionen zugesagt worden war, tritt der neue Direktor sein Amt ohne Investitionszusagen an, dafür aber mit einer Menge Baustellen. Im Sommer soll die Anlage für die Humboldt-Pinguine fertig werden, die noch aus dem Investitionsplan von 2008 finanziert wird. Sie soll den Besuchern auf mehreren Ebenen die Möglichkeit bieten, die Vögel zu beobachten und sich für sie zu begeistern. Das wäre auch an anderen Stellen möglich, zum Beispiel dort, wo Nashorn und Flusspferd, Giraffen, Okapis, Zebras und Antilopen in zum Teil mehr als 50Jahre alten Anlagen untergebracht sind.

          „In Valencia haben wir Anlagen gebaut, in denen diese Tiere zum Teil vergesellschaftet in einem Gehege leben oder nebeneinander durch unsichtbare Gräben und Wände getrennt, so dass man sogar Löwen und Giraffen zusammen sehen kann“, berichtet Casares. Wenn es nach ihm geht, würde der Frankfurter Zoo dem in Valencia in Zukunft etwas ähnlicher. Auch für die Gastronomie, die dort das Zentrum bildet, würde er sich das wünschen. Dass er es hier nicht nur klimatisch mit anderen Bedingungen zu tun hat, weiß Casares. Schließlich gehört der Zoo der Stadt und ist auf Zuschüsse angewiesen.

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