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Besuchermagnet im Zoo : Ein Jahr Frankfurter Löwen-Drillinge

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Nicht mehr ganz so klein: Die drei Löwen Yaro, Kiron und Mira sind nun ein Jahr alt. Bild: dpa

Tapsig und knuffig - das war einmal. Die Löwen-Drillinge des Frankfurter Zoos, die nun ein Jahr alt werden, sind ordentlich gewachsen. Ein Besuchermagnet ist das verspielte Trio weiterhin.

          Mit dem Platz ganz oben auf dem Felsen im Löwengehege des Frankfurter-Zoos demonstrieren „Yaro“ und „Kiron“ schon einmal Alpha-Qualitäten, während sich die körperlich deutlich kleinere Schwester „Mira“ ein wenig im Hintergrund hält. In der Nachmittagssonne ist auf den warmen Steinen Zeit für eine kleine Siesta nach den üblichen Raufereien und wilden Spielen unter dem noch immer aufmerksamen Blick von Löwenmutter „Zarina“. „Kumar“, der Vater der Löwen-Drillinge, muss dagegen mittlerweile auf Abstand gehalten werden. Denn er reagierte zunehmend ungeduldig auf allzu selbstbewusstes Verhalten seiner Söhne, deren Mähnen mittlerweile langsam sprießen. Väter pubertierender Söhne kennen das vielleicht.

          „Das fing schon an, richtig Spannungen zu geben“, begründet Zoo-Kurator Johannes Köhler die räumliche Trennung von Vater und Söhnen. Und der Familienzoff habe wiederum Mutter „Zarina“ spürbar gestresst. Alles in allem sei das aber gerade unter Asiatischen Löwen nicht ungewöhnlich, versichert der Experte. „In der Natur sind die Rudel auch so strukturiert, dass die männlichen Asiatischen Löwen bei den Jungen eigentlich kaum dabei sind.“

          Vor einem Jahr war das noch anders. Drei Wochen lang lieferte nur eine Kamera in der Wurfbox die ersten Bilder von „Zarina“ und ihren am 14. April geborenen Jungtieren. Es war der erste Wurf der noch jungen Löwin. Auch die Pfleger hielten sich zurück, um dem Muttertier jede Aufregung zu ersparen. Ende Mai hatte das damals noch namenlose Trio dann seinen ersten öffentlichen Auftritt: flauschig, tapsig, knuffig. Viele Besucher waren begeistert über den ersten Frankfurter Löwen-Nachwuchs seit 15 Jahren.

          Attraktives Ziel für Zoobesucher

          „Junge Löwen sind natürlich hochattraktiv fürs Publikum“, sagt Köhler. „Für die setzt sich manch einer ins Auto, der sonst nicht gekommen wäre.“ Ein Jahr später ist das Trio zwar nicht mehr so tapsig, löst bei einer Schulklasse, die sich an den Zaun des Freigeheges drängt, aber dennoch begeisterte Rufe aus.

          Spannung im Gehege: Die drei Junglöwen „nerven“ Papa „Kumar“.

          „Es ist immer was Besonderes mitzuerleben, wie die sich entwickeln“, versichert Daniel Höflich, der als stellvertretender Revierleiter täglich Wachstum und Fortschritt der Jungtiere verfolgen konnte. Was weiß er über das Trio zu berichten? „Das Mädchen ist ein bisschen zickiger“, erklärt Höflich nach kurzem Nachdenken. „Die Jungs raufen am liebsten den ganzen Tag und machen Spaß. Aber sonst sind sie ziemlich gleich - es sind ja noch Kinder.“ Wenn die drei erst einmal erwachsen sind und getrennte Wege gehen, könnten sich da schon eher Verhaltensunterschiede entwickeln.

          Denn eines ist klar: Auf Dauer wird der Löwennachwuchs nicht in Frankfurt bleiben. „Ich habe schon mal Kontakt mit dem Zuchtbuch aufgenommen“, sagt Köhler. Allerdings sei es für die Entwicklung des „kompetenten“ Löwenverhaltens wichtig, dass das Familienrudel mindestens eineinhalb bis zwei Jahre weiter besteht. Allzu schnell müssen die Frankfurter also nicht als das lebhafte Trio verzichten. Denn Löwen lernen am besten von anderen Löwen - etwa wann ein „Nein“ auch wirklich so gemeint ist und wie weit sie gehen können bei spielerischer Neckerei.

          Zukunft der kleinen Löwen

          Wenn über die Zukunft von „Mira“, „Kiron“ und „Yaro“ entschieden wird, spielt auch das Zuchtbuch für Asiatische Löwen in europäischen Zoos eine Rolle. Darin ist nach Angaben Köhlers unter anderem aufgelistet, welches Tier welche Abstammung hat. „Grundlage der Entscheidung ist, dass die genetisch zusammen passen“, sagt der Zoo-Wissenschaftler. Dann müsse aber auch noch geprüft werden, ob die Tiere altermäßig zu den vorhandenen passen und wie die Anlagen insgesamt seien. „Das ist schon ein ziemlich langwieriger Prozess, weil das auch ein Einschnitt für die Löwen ist“, betont Köhler.

          Und wird es in ein paar Jahren vielleicht wieder Löwenjunge geben, die durch das Frankfurter Gehege tapsen? Da kann Köhler nur mit den Schultern zucken: „Ob wir noch einmal eine Zuchtempfehlung bekommen, wird sich zeigen.“ Denn die Tiere müssten schließlich auch wieder untergebracht werden. „Die meisten Zoos, die Löwen halten wollen, haben schon Löwen.“

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