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Frankfurter Zoo baut um : „Wir werden Berge versetzen müssen“

Familienzeit ist Kuschelzeit: Doch Nachwuchs sei Dank wird es im Frankfurter Zoo dauerhaft eng. Bild: Winfried Faust

Der Frankfurter Zoo könnte in Zukunft ähnlich aussehen wie der in Valencia, der vorigen Wirkungsstätte von Zoodirektor Miguel Casares. Heute werden die ersten Schritte getan.

          Als Miguel Casares 2017 in einem Vortrag vom Bioparc Valencia berichtete und viele Bilder zeigte, bekam mancher im Saal des Gesellschaftshauses glänzende Augen. Denn der Park präsentiert die Tiere in sehr naturnahen Szenerien. Nun, nachdem Casares vor gut acht Monaten die Leitung des Zoos übernommen hat, könnte sich auch in Frankfurt manches nach spanischem Vorbild verändern. Erste Schritte sind gemacht, eine Bestandsanalyse und ein Eckpunkte-Programm wurden schon vorgestellt.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Heute beginnt eine Reihe von Workshops mit dem Zooplanungsbüro, das auch schon für den Bioparc Valencia gearbeitet hat. Das Ziel, so sagt Casares, sei die Entwicklung einer Konzeptstudie mit dem Titel „Zookunft 2030+“. Schon im Frühjahr soll die Studie vorliegen und dann als Basis für einen Masterplan dienen, der die Entwicklung des Zoos in den nächsten 15 Jahren detailliert darstellen wird.

          Mit der Konzeptstudie hat der Zoo das Planungsbüro The Logical Zoo – Zoo and Aquarium Design & Consultancy beauftragt. Am Ende soll eine Visualisierung stehen, „die es ermöglicht, die erarbeiteten Pläne in Bildern erfahrbar zu machen und für das Projekt zu werben“, so Casares. Im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger Manfred Niekisch hat er bei seinem Amtsantritt kein Budget für Neubauten erhalten – nur den Auftrag, einen Masterplan zu erarbeiten. Die Pinguinanlage, die gerade fertiggestellt wird, wird noch aus dem Budget des Vorgängers bezahlt. 125 000 Euro für die zwingend notwendige Planung der Löwen-Außenanlage hat Casares gerade beantragt. Deren Baukosten schätzt er auf eine Million Euro, ein Teil soll aus Spenden der Zoo-Stiftung finanziert werden.

          KfW-Stiftung stellt 50.000 Euro zur Verfügung

          Auch die Konzeptstudie bezahlt nicht die Stadt, sondern die KfW-Stiftung, die den Zoo seit Jahren immer wieder unterstützt. Sie hat 50.000 Euro zur Verfügung gestellt. Erst dadurch sei die Zusammenarbeit mit einem renommierten Planungsbüro ermöglicht worden, sagte Casares. Insgesamt seien sechs namhafte Büros aufgefordert worden, Angebote für die Studie abzugeben. Das Unternehmen aus Madrid bringe viel Erfahrung mit und habe schon in einigen großen Zoos, wie im Bioparc Valencia und im Zoom Torino, seine Handschrift hinterlassen, teilt der Zoo mit. Casares hofft, dass er schnell ein Konzept vorlegen kann, das als Basis für den Masterplan dienen kann. Es gehe dabei im Wesentlichen um das Nordost- und das Südwestareal, also die Flächen rund um das Grzimek-Camp bis zum Ausgang Rhönstraße und die jetzigen Gehege von Antilopen, Zebras und Giraffen.

          Die asiatischen Löwen im Frankfurter Zoo werden schon bald erwachsen und weit über 100 Kilogramm schwer. Bilderstrecke

          Das Konzept solle zum einen die Grundlage für einen zeitgemäßen und zukunftsfähigen Zoobetrieb schaffen und zum anderen den Zoo zu einem Zentrum für Natur- und Artenschutz mit überregionaler Wirkung entwickeln. Für das Konzept wird der Zoo eng mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt zusammenarbeiten, die einst von Bernhard Grzimek gegründet wurde und die in Frankfurt ein „European Conservation Center“ aufbauen will. Schon jetzt erläutert die Gesellschaft beispielsweise bei der Vorstellung von Jungtieren im Zoo gerne, welche Projekte sie in deren Herkunftsländern verfolgt.

          Zoo steht vor großen Herausforderungen

          Casares sieht den anstehenden Aufgaben mit Freude entgegen: „Wir werden größte Herausforderungen meistern und im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzen müssen, um den Zoo Frankfurt in die Zukunft zu führen.“ Er und sein Team wüssten, dass sie die Menschen begeistern müssten, um ein Bewusstsein für Tiere und die biologische Vielfalt zu schaffen. Der auf allen Ebenen zu verzeichnende Verlust an Biodiversität sei eine akute Gefahr für die Lebensgrundlagen. Wie andere biowissenschaftlichen Einrichtungen stehe der Zoo in der Verantwortung, sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln diesem Trend entgegenzustellen.

          Was das alles kosten werde, sei noch unklar, sagt der Zoodirektor. Es würden aber für die nächsten 15 Jahre wohl mehr als die 30 Millionen Euro nötig sein, die man 2008 für zehn Jahre bewilligt habe.

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