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Frankfurter Zeil : Mindestens ein Plan B

Die Schließung der Karstadt-Filiale würde eine große Lücke hinterlassen. Bild: Aders, Hannah

Die Frankfurter Zeil verliert immer mehr Geschäfte, unter anderem womöglich die Karstadt-Filiale. Eine Umnutzung als neuer Standort des Frankfurter Schauspiels könnte die Fußgängerzone wiederbeleben.

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          Interessante Gedanken bereichern die Debatte. Die Idee, eine Sparte der Städtischen Bühnen auf dem Gelände des Warenhauses Karstadt an der Frankfurter Zeil zu errichten, ist ein bedenkenswerter Vorschlag. Womöglich wird das Warenhaus noch einmal wie jene Häuser in Berlin für drei oder fünf Jahre gerettet. Aber perspektivisch haben zwei große Warenhäuser an der Zeil – außer Karstadt gibt es auch noch einen Kaufhof – keine Zukunft. Und was kommt danach? Einzelhandel allein wird es kaum sein.

          Es drängt sich geradezu auf, für das Grundstück nach einer alternativen Nutzung zu suchen, die neues und anderes Publikum ins Zentrum der Stadt bringt. Die Innenstädte leiden unter der Krise des Einzelhandels. Wer einer Verödung entgegenwirken will, muss die Entwicklung der Fußgängerzonen aktiv steuern. Im Sinne einer lebendigen „Urbanität“ des Zentrums ist es wichtig, dass die Innenstädte auch künftig stark frequentiert werden. Das gelingt nur durch eine vielfältige Nutzung.

          Kultur zieht Menschen an

          Manche Makler setzen auf Gastronomie. Aber Cafés und Restaurants allein werden die Flächen, die jetzt leer werden, nicht füllen. Die Leute können gar nicht so viel essen und trinken, wie Geschäfte schließen. Und für Büros und Wohnungen ist die Zeil bislang nicht die erste Adresse. Eine öffentliche, kulturelle Nutzung könnte daher die Menschen in die Innenstadt locken.

          Ein Theater würde die Zeil auch abends beleben. Das Karstadt-Areal wäre groß genug. Das Grundstück liegt zwar in der Mitte der Zeil und ist deshalb nicht besonders repräsentativ. Aber auch das Sparkassen-Areal an der Wallanlage, das bisher für eine neue Oper favorisiert wird, hat seine Schwierigkeiten bei der Erschließung. Kulturbauten liegen zwar traditionell an der Wallanlage. Aber das ist kein Gesetz. Und das Karstadt-Areal ist sogar noch besser mit der Bahn zu erreichen als der Willy-Brandt-Platz, wo ja ohnehin mindestens eine Bühne verbliebe.

          Die Stadt sollte die Idee als „Plan B“ weiterverfolgen, sollte der Einsatz für das Sparkassen-Areal vergeblich sein. Auch das Karstadt-Grundstück gehört nicht der Stadt. Doch der Eigentümer ist ein auf Wohnungsbau spezialisiertes Unternehmen. Vielleicht findet sich ja noch eine Fläche, auf der es seinem Kerngeschäft nachgehen kann.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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