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Frankfurter Würstchen : Der Inbegriff des Fastfood

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Eines von vielen in Barcelona: Im Namensschild des Lokals, der Hinweis auf seine Art und sein Angebot, die Auffassung, die sein Betreiber von Ästhetik hat Bild: Dirk Engelhardt

Frankfurt: In Barcelona steht dieses Wort für Würstchen und für schnelles Essen. Ein kulinarischer Bericht aus einer Stadt, die ganz verrückt ist nach Imbiss à la deutsch.

          Die Schilder sind, wenn man offenen Auges durch die Straßen von Barcelona fährt, nicht zu übersehen. Die Lokale heißen ganz einfach "Bar Frankfurt", haben den Namen des Stadtteils angehängt, in dem sie sich befinden ("Frankfurt Sant Andreu"), heißen nach persönlichen Vorlieben: "Calypso Frankfurt", oder ganz einfach: "Frankfurt". Gerne auch mit falsch gesetztem Apostroph: "Frankfurt's".

          Es sind Bars, Cafeterias und Schnellrestaurants, die sich auf Kunden spezialisieren, die eine schnelle, sättigende Mahlzeit wollen. Das Frankfurter Würstchen, made in Barcelona, ist immer im Angebot, meistens gibt es noch Bratwürste, Hamburger und Platos combinados, wörtlich übersetzt "kombinierte Teller", mit Pommes frites, Buletten, Eiern. Frankfurt ist jedoch der Oberbegriff, oder besser: der Inbegriff des katalanischen Fastfood. Die Würste, die in Deutschland nur so heißen dürfen, wenn sie im Frankfurter Raum produziert wurden, sind so etwas wie seine Mutter. Und um zu zeigen, dass sie die deutsche Kost und das deutsch inspirierte spanische Angebot für althergebracht und zugleich für schick halten, haben die Gastwirte in Barcelona die Namen der Frankfurt-Bars oft in Fraktur schreiben lassen, von Designern mehr oder weniger kreativ abgewandelt. Mitunter prangt rechts und links noch ein bayerischer Löwe, der zwar wenig mit Frankfurt zu tun hat, sich aber aus spanischer Sicht gut neben dem Schriftzug macht.

          Allen voran die Botifarra

          Die meisten Bars werden beliefert vom Großhändler Leo Boeck, mit Sitz in Montcada i Reixac bei Barcelona. Diesen Wurstbetrieb hat 1927 der Deutsche Leonard Boeck gegründet, damals wurden noch vorrangig gekochte Schinken und Räucherwürste produziert. Im Jahr 1960 eröffnete der damalige Fabrikinhaber Isidro Vallès die erste "Bar Frankfurt", um seine Produkte darin aus erster Hand zu verkaufen. Wegen des Erfolgs fanden sich schnell Nachahmer, mehr und Frankfurt-Lokale entstanden in Barcelona und Umgebung.

          Deutsche lieben Wurst, heißt es. Spanier lieben sie auch. Boeck vertreibt heute rund 30 verschiedene Sorten, nicht nur deutsche, sondern auch katalanische Spezialitäten, allen voran die Botifarra, eine frische Schweinewurst, die mit Knoblauch und Salz und Pfeffer gewürzt ist. Andere Gewürze oder Zusatzstoffe enthalten diese Würste normalerweise nicht, es gibt aber weiße und schwarze, die mit Schweineblut dunkel gefärbt werden, außerdem Botifarra mit Trüffel, mit Honig, mit Zwiebeln, mit Reis, Knoblauch und Petersilie, mit Pinienkernen, mit gekochtem Ei, mit Leber.

          Knoblauch-Rohwurst mit Apfelwein

          Eine andere katalanische Spezialität ist die Xoriço, eine würzige, grobkörnige, mit Paprika und Knoblauch versetzte Rohwurst. Die Basken kochen sie gerne in Apfelwein, während die Katalanen sie meist in den Eintopf tun. Die Edelvariante, die Xoriço Ibérico, ist aus dem Fleisch der schwarzen Iberico-Schweine gemacht - in den Frankfurt-Bars sucht man sie vergeblich.

          Die Salchicha del País ähnelt der deutschen groben Bratwurst, die Hungaresas ähneln wiederum der Botifarra, sind mit Pfeffer abgeschmeckt, die Pinchos Morunos, die Mohren-Würste, werden mit arabischen Aromen verfeinert. Frankfurter gibt es im Kunstdarm oder im Naturdarm, während die Cerveles den Elsässischen Würstchen nachempfunden sind, sie sind dicker, kürzer und gröber als die Frankfurter Würstchen. Die "Böckwurst" ist hingegen sehr lang und dünn, und zart im Geschmack. Die Krakosk, die Krakauer, ist mit Wein abgeschmeckt, und die "Grobe Mettwurst" enthält Likör. Die Malaguena ist eine Blutwurst mit Zwiebeln, die Burgalesa ist eine Blutwurst mit Reis, und die "Pikantwurst" ist eine Frankfurter, aber, wie der Name schon sagt, schärfer. Alle sind aus Schweinefleisch, einzig die "Frikwurst" ist aus Rindfleisch.

          Auch das klingt deutsch in Barcelona: Seit 1989 gibt es die Wurstbar Otto Sylt unweit der Plaza Catalunya. Besonders gerne, erzählt der italienische Betreiber Giuseppe Bello, bestellten seine Gäste die "Bratwurst Munich" und die Frankfurter, die er in vier Variationen anbietet. Die klassische Frankfurter Wurst wird bei Bello, wie überall in Barcelona, in ein HotdDog-Brötchen gesteckt, das vorher leicht getoastet wird. Neuerdings gibt es die Wurst auch enrollado, in einer runden Toastbrothülle. Dazu werden gerne Beilagen wie Sauerkraut, geröstete Zwiebeln, Käse oder gebratener Schinkenspeck garniert.

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