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Frankfurter sind erzürnt : Ärger mit der Bank

  • -Aktualisiert am

Vergeblicher Appell: Die Bänke auf dem Platz mussten weichen. Bild: Carlos Bafile

Alle Sitzbänke auf dem Adelhochplatz im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen sind nun weg. Hunderte Anwohner sind verärgert. Doch die verantwortlichen Politiker sehen sich im Recht.

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          „Wo fehlt für Sie eine Sitzbank?“ Diese Frage, gestellt von der CDU-Römerfraktion für das Projekt „Meine Sitzbank“, kann mancher Sachsenhäuser nun gewiss beantworten: auf dem Adlhochplatz. Am Mittwoch wurden dort nämlich alle acht Sitzbänke abgebaut.

          Noch am Dienstagabend hatten sich rund hundert Anwohner auf dem Platz versammelt, um dagegen zu protestieren. Die Kundgebung war vom Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt in Sachsenhausen organisiert worden. Viele Anwohner äußerten dabei ihre Unzufriedenheit über die Entscheidung von FDP, Grünen, BFF und eben auch der CDU im Ortsbeirat 5. Gerechtfertigt worden war der Abbau mit Beschwerden über nächtliche Ruhestörungen durch junge Leute, die sich auf den Bänken niedergelassen hatten. Doch diese Begründung überzeugte die Demonstranten am Dienstag nicht. „Wenn es einem hier zu laut ist, muss er aufs Land ziehen“, sagte ein sichtlich verärgerter Rentner.

          Einfach zu viele

          Franz Zimmermann, ehemaliger Baudezernent und angehender Seniorenbeauftragter im Ortsbeirat, verteidigt den Beschluss im Grundsatz. Acht Sitzbänke an dieser Stelle seien einfach zu viele: „Das lädt zum Missbrauch ein.“ Seine Partei, die FDP, hatte den Antrag zum Abbau der Bänke gestellt. Dennoch sei der Abbau aller Bänke „zu viel des Guten“. Nach Zimmermanns Ansicht sollte über eine einzelne, kleinere Sitzgruppe aus Stahl nachgedacht werden.

          Ortbeiratsmitglied Thomas Murawski (SPD) ist dagegen empört über die Demontage der Bänke. „In all meinen Jahren als Kommunalpolitiker habe ich so etwas Dämliches noch nicht erlebt“, sagt er. „Quatsch“ ist für Murawski die Überlegung, die nun entfernten Sitzbänke irgendwann wieder durch neue zu ersetzen. Die abgebauten Bänke könnten nicht wieder aufgestellt werden, und eine neue Sitzbank koste mehrere tausend Euro.

          Nach Ansicht von Ottilia Altmann, Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt in Sachsenhausen, ließen sich die nächtlichen Ruhestörungen durch regelmäßige Streifengänge der Polizei und eine intensivere Jugendsozialarbeit verringern.

          Erst im vergangenen Jahr hatte die schwarz-rot-grüne Koalition im Römer das Budget zum Kauf neuer Sitzbänke in der ganzen Stadt um 200.000 Euro erhöht. Angesprochen auf den Widerspruch zwischen dem CDU-Wahlversprechen, 1000 neue Sitzbänke zu errichten, und der Unterstützung des FDP-Antrags im Ortsbeirat, verweist der Sprecher der CDU-Fraktion auf die unterschiedlichen Interessenlagen in Sachsenhausen und den fehlenden Einfluss auf die Ortsbeiräte: „Wir mischen uns nicht ein, sondern geben nur Leitlinien vor. Am Ende entscheiden die Ortsbeiräte selbst.“

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