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Frankfurter Wohnungsmarkt : Neuer Anlauf für Bebauung des Silogebiets

Frankfurt ist mit 248 Quadratkilometern kleiner als Bielefeld oder Erfurt - das setzt dem Wohnungsbau enge Grenzen Bild: Nils Thies

Das Silogebiet, eine Fläche in Frankfurt-Höchst bietet Platz für 3000 Wohnungen. Die Stadt Frankfurt will die Anstrengungen bündeln, den Wohnungsmarkt zu beruhigen.

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          Der Frankfurter Magistrat sieht sich auf dem richtigen Weg, um den aufgeheizten Wohnungsmarkt zu beruhigen. In den vergangenen zehn Jahren seien 22.000 Wohnungen hinzugekommen, sagte Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen). 2011 seien 3200 Wohnungen fertiggestellt worden, berichtete er. Dieses Jahr werde diese Zahl noch überschritten. Im bundesweiten Vergleich seien nirgendwo mehr Wohnungen je Einwohner errichtet worden als in Frankfurt. „Da sind wir wirklich top“, sagte Cunitz, der die unterschiedlichen wohnungspolitischen Initiativen der Stadt gemeinsam mit Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) vorstellte. Trotz der kontinuierlich steigenden Zahl der neu errichteten Wohnungen laufe man aber „einer Entwicklung hinterher“.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Cunitz sieht für die nächsten Jahre noch ausreichend Bauland für Wohnprojekte, um mit dem starken Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. Bis 2030 soll die Bevölkerung den Prognosen zufolge um 20 000 bis 25.000 Einwohner wachsen. Wegen der begrenzten Fläche des Stadtgebiets gibt es aber in Frankfurt nur noch Platz für etwa 25.000 Wohnungen. „Langfristig kommt man nicht umhin, über verwegene Projekte nachzudenken“, sagte der Stadtrat.

          Ehemaliges Bundesamt im Blick

          Mit dem derzeit zur Verfügung stehenden Bauland komme die Stadt noch fünf Jahre gut über die Runden. Einzelne Flächen des Landes, etwa am Botanischen Garten, eigneten sich ebenfalls noch für Wohnungsbau. Auch das Grundstück des ehemaligen Bundesamts für Landwirtschaft und Ernährung an der Adickesallee biete Potential für Wohnungen. Über diese Flächen hinaus ruhen die Hoffnungen unter anderem auf dem Silogebiet in Höchst. Bisher war die Entwicklung des Wohngebiets, das Platz für 3000 Wohnungen bietet, von der Nähe zum Industriepark blockiert. Wie Cunitz erläuterte, will ein Unternehmen aber seine Chlorgasanlage verlagern, die die Bebauung der Fläche bislang verhindert.

          Es handelt sich um den Farbenhersteller Akzo Nobel, der für den Bau einer neuen Chlorgasanlage eine Genehmigung beim Regierungspräsidium beantragt hat. Die neue Anlage wäre im Unterschied zum bisherigen Betrieb so weit vom Silogebiet entfernt, dass der vorgeschriebene Mindestabstand zur neuen Wohnsiedlung gewahrt bliebe. Ob damit aber der Weg für die Bebauung des Silogebiets tatsächlich frei ist, wird nach Angaben des Regierungspräsidiums noch geprüft. Ein Erörterungstermin soll noch dieses Jahr stattfinden. Auch ein Rangiergleis, auf dem gefährliche Stoffe transportiert werden, liegt möglicherweise zu nahe am Silogebiet. Cunitz erwähnte zudem naturschutzrechtliche Bedenken, die eine Erschließung erschweren könnten.

          Für den Herbst kündigte Cunitz eine Wohnungsbau-Konferenz für Bauträger an. Bei Neubaugebieten solle künftig ein verbindlicher Anteil von 30 Prozent dem geförderten Wohnungsbau vorbehalten sein. Derzeit nimmt der Markt die unterschiedlichen Förderprogramme gut an. Von den rund 100 Millionen Euro, die die Stadt in diesem Jahr unter anderem in Form von Darlehen für senioren- oder familiengerechten Mietwohnungsbau zur Verfügung stellt, sind schon 70 Millionen Euro vergeben. Die Wohnungsbauförderung soll auf diesem Niveau bleiben. Cunitz signalisierte, dass eine ähnliche Summe für den nächsten Haushalt angemeldet werden soll.

          Birkenfeld, die für das Wohnungsamt und damit auch für die Verwaltung der Sozialwohnungen zuständig ist, sprach von einer „Politik der kleinen Schritte“. Mit der Werbekampagne „Schlauvermieter“, die seit gestern auch im Radio zu hören ist, wolle man mehr Vermieter für den Ankauf von Belegrechten gewinnen. Bislang konnte die Stadt 77 Vermieter überzeugen, ihre Wohnung der Stadt zur ortsüblichen Miete zur Belegung zur Verfügung zu stellen. Birkenfeld zufolge mangelt es vor allem an großen, familiengerechten Wohnungen, um beim Wohnungsamt gemeldete „Problemfamilien“ unterzubringen. Das Wohnungsamt unterstütze zudem ältere Einwohner, die nach dem Auszug der Kinder oder nach dem Tod des Partners allein in einer für ihre Bedürfnisse zu großen Wohnung lebten, bei Bedarf beim Umzug. 128 Familien sei durch dieses Tauschangebot geholfen worden.

          Eine „integrative Stadtplanung“

          Cunitz will, dass die Pläne der unterschiedlichen Dezernate im Sinne einer „integrativen Stadtplanung“ besser synchronisiert werden. Außerdem müsse die Stadt bei der Schaffung von Wohnraum stärker mit der Region zusammenarbeiten, wie dies schon mit dem Engagement der Wohnungsbaugesellschaft ABG in Offenbach der Fall ist. Auch bei der Umwandlung von Büroraum, wodurch etwa 600 Wohnungen im Jahr gewonnen würden, sieht Cunitz noch Potential.

          Anlass für die Präsentation der wohnungspolitischen Pläne des Magistrats waren Ergebnisse der Bürgerumfrage, wonach 46 Prozent der Befragten mit der Wohnungssituation unzufrieden sind. Cunitz warf einen Blick zurück: „Wohnungsknappheit begleitet die Stadt seit der frühen Neuzeit.“ Schon vor hundert Jahren habe Frankfurt als die Stadt mit den höchsten Mieten gegolten.

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