https://www.faz.net/-gzg-72cxd

Frankfurter WM-Arena : Parkplatz am Stadion bleibt erhalten

Unmut im Magistrat: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat im Streit um den Parkplatz an der WM-Arena eingelenkt. Bild: Klein, Nora

Oberbürgermeister Feldmann hat im Streit mit der Eintracht um den Parkplatz an der Isenburger Schneise eingelenkt. Im Magistrat sind darüber nicht alle erfreut.

          3 Min.

          Der Parkplatz an der Isenburger Schneise wird nun doch bis auf weiteres für Besucher der Bundesliga-Heimspiele von Eintracht Frankfurt zur Verfügung stehen. Das haben Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) und Sportdezernent Markus Frank (CDU) am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mitgeteilt. Zuvor hatte Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender der Eintracht Fußball AG, den im Frankfurter Stadtparlament vertretenen Parteien vorgeworfen, sie würden die Interessen des Vereins ignorieren und ihm durch die unhaltbare Situation massiv schaden. Stadt und Eintracht wollen in der übernächsten Woche über die Parkplatzsituation sprechen.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

          Wie berichtet, hatte die Stadt damit begonnen, einen Parkplatz in Stadionnähe aufzulösen, der 1700 Fahrzeugen Platz geboten hat. Die Aufforstung der Fläche ist Teil der Ausgleichsmaßnahmen, die schon vor zehn Jahren für die Schaffung einer neuen Verkehrsinfrastruktur rund um die WM-Arena im Stadtwald festgeschrieben wurden. Majer wies am Freitag darauf hin, dass man die Aufforstung nicht beliebig lange hinausschieben könne. Andernfalls drohten Klagen von Umweltverbänden.

          Chaotische Szenen vermeiden

          Vor und nach dem Länderspiel Deutschland gegen Argentinien am 15. August war es wegen fehlender Parkplätze zu chaotischen Szenen gekommen. Der Deutsche Fußballbund (DFB) hatte daraufhin erkennen lassen, dass er vorerst keine Länderspiele mehr nach Frankfurt vergeben will. Die Eintracht befürchtete, dass es auch rund um ihre Spiele zum Verkehrskollaps kommen könnte. Das gilt weniger für das Spiel am Samstag Abend gegen Bayer Leverkusen, zu dem höchstens 31 500 Zuschauer zugelassen sind, aber für die anschließenden Heimspiele.

          Bruchhagen sagte am Freitag auf Anfrage, er freue sich über die Entscheidung der Stadt. Verkehrsdezernent Majer versicherte, jede denkbare Lösungsmöglichkeit zu prüfen. Das Straßenverkehrsamt sei schon länger darum bemüht, die ohnehin angespannte Lage rund um das Stadion zu entschärfen. So habe man sich mit der Uniklinik darauf geeinigt, deren Parkhaus an der Sandhofstraße mit 700 Plätzen nutzen zu dürfen. Auch am Flughafen stünden Stellplätze zur Verfügung. Das Argument, der Weg von der Uniklinik oder vom Flughafen zum Stadion sei weit, gelte genauso für den Parkplatz an der Isenburger Schneise.

          Majer: Nicht um eine Ersatzlösung bemüht

          Majer deutete außerdem an, dass geprüft werde, die Isenburger Schneise nur noch in einer Richtung zu öffnen, um einen möglichst großen Anteil der Straßenfläche als Parkplatz nutzen zu können. Zudem wird offenbar überlegt, ob es verwaltungsrechtlich möglich ist, die Aufforstung des Parkplatzes durch andere Ausgleichsmaßnahmen abzulösen.

          Majer wies darauf hin, es sei seit vielen Jahren allen Beteiligten klar gewesen, dass die Parkplatzfläche renaturiert werden müsse. Obwohl der Rückbau immer wieder hinausgeschoben worden sei, hätten sich weder Eintracht noch Stadionbetriebsgesellschaft um eine Ersatzlösung bemüht. Laut Majer hat etwa die TG Bornheim ihre Parkprobleme gelöst, indem sie selbst eine Tiefgarage gebaut habe. Dafür hätten städtische Mittel aus der Stellplatzablöse bereitgestanden, die jedoch mittlerweile abgeschafft worden sei.

          Rund 18 bis 20 Millionen Euro für das Parkdeck

          Sportdezernent Frank äußerte die Hoffnung, dass in Stadionnähe eines Tages ein Parkdeck mit 2000 Stellplätzen entstehen könnte. Das wäre möglich, falls der DFB sich entschließen sollte, auf dem Areal der früheren Radrennbahn das geplante Leistungszentrum für die Nationalmannschaften zu errichten. Die Stadt sei an dem Projekt interessiert, der DFB lasse die Pläne derzeit aber ruhen. Die Kosten für das Parkdeck schätzt Frank auf 18 bis 20 Millionen Euro; zu der Frage, wer die Kosten zu tragen hätte, hielt er sich bedeckt.

          Frank und Majer äußerten sich am Freitag irritiert über die Kritik des DFB an der Verkehrssituation am Stadion. Sie wiesen darauf hin, dass der Fußballbund für das Länderspiel am 15. August die gesamte Tiefgarage mit 1700 Plätzen für seine Zwecke reserviert habe, aber 700 Plätze nicht genutzt worden seien. Das habe zur Verschärfung der Lage beigetragen.

          Eine „Schnapsidee“ und ein Fall in den Rücken

          Auch zwischen der schwarz-grünen Koalition und SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann ist es dem Vernehmen nach zu Verstimmungen gekommen. Nachdem Bruchhagen die Situation am Stadion am Donnerstag als unhaltbar bezeichnet hatte, war ihm Feldmann beigesprungen und hatte die Schließung des Parkplatzes als „Schnapsidee“ bezeichnet. Wie zu hören ist, war Feldmann daraufhin von der Koalition darauf hingewiesen worden, dass der Oberbürgermeister dem Magistrat und der von ihm geführten Verwaltung nicht in den Rücken fallen könne. Immerhin gehe die Schließung des Parkplatzes auf einen Magistratsbeschluss zurück. Dieser sei seinerzeit vom damaligen Sportdezernenten Joachim Vandreike (SPD) maßgeblich vorangetrieben und auch von den übrigen sozialdemokratischen Stadträten mitgetragen worden. Ohne die Einigung auf die Ausgleichsmaßnahmen wäre der Neubau der Arena nicht möglich gewesen.

          Feldmann soll die Kritik akzeptiert haben. Gestern zeigte er in einer Mitteilung allerdings abermals „Verständnis“ für die Kritik Bruchhagens an der Parkplatzsituation und ließ wissen, er habe die Dezernenten darum gebeten, dass vorerst alle Arbeiten gestoppt würden. „Wir können nur ergebnisoffene Gespräche mit allen Beteiligten führen, wenn nicht gleichzeitig Tatsachen geschaffen werden“, so Feldmann.

          Weitere Themen

          Sonderpreis für Sechzehnjährigen

          Hessischer Gründerpreis : Sonderpreis für Sechzehnjährigen

          Trotz Corona-Krise haben sich in diesem Jahr mehr Start-ups als sonst für den Hessischen Gründerpreis beworben. Dreizehn von ihnen sind ausgezeichnet worden – und der jüngste Gewinner ist gerade einmal 16 Jahre alt.

          Topmeldungen

          Franziska Giffey: Möchte die Berliner mit dem Thema Innere Sicherheit überzeugen.

          Parteitag der Berliner SPD : Giffey will es wissen

          Auf dem ersten hybriden Parteitag der Berliner SPD wirbt die Bundesfamilienministerin für ihre Führungsrolle in der Hauptstadt. Zu ihrer Doktorarbeit sagt sie nichts. Nun kommt es darauf an, wie stark ihre Partei sie machen will.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.