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Frankfurter Wetterstatistik : Es wird wärmer und wärmer

Frankfurt in weiß: Aufgrund von steigenden Temperaturen blieb der Schnee nicht lange liegen. Bild: BABANI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der Kimawandel schreitet voran – und auch Frankfurt und Umgebung bleiben von der Erderwärmung nicht verschont. Das zeigt die Frankfurter Wetterstatistik für das Jahr 2017. Sie belegt die fortschreitende Klimaveränderung im Rhein-Main-Gebiet.

          Größer könnten die Unterschiede kaum sein: Während in Amerika weite Teile des Landes im Schneechaos versinken und der Präsident sich über die Erderwärmung lustig macht, ist hierzulande kein Winter in Sicht – und die Experten vom Deutschen Wetterdienst liefern neues Anschauungsmaterial in Sachen Klimawandel. Im Grunde bedarf es diesbezüglich wirklich keiner weiteren Beweise, aber die Frankfurter Wetterstatistik für das abgelaufene Jahr offenbart mit beeindruckender Deutlichkeit, wie sehr sich das Klima schon verändert hat – und dass es auch in Frankfurt und Umgebung immer wärmer wird.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schon die Jahresmitteltemperatur für 2017 macht unumwunden klar, wohin die Reise geht: Mit 11,23 Grad liegt sie knapp 1,57 Grad über dem langjährigen Normalwert von 9,67 Grad. Ein solches Plus ist für einen Wert, der den Durchschnitt eines ganzen Jahres abbildet, eine Menge, und es macht das vergangene Jahr zum neuntwärmsten seit 1936. Ungewöhnlich sind solche frappierenden Abweichungen allerdings schon lange nicht mehr, sie sind in den vergangenen 15 bis 20 Jahren beinahe zur Normalität geworden. Schon ein kurzer Blick auf die seit dem Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen an der Wetterstation am Frankfurter Flughafen aufgestellte Reihe zeigt den stetigen Anstieg der Jahresmittelwerte: Vor 1990 hat es kein einziges Jahr mit einem Temperaturdurchschnitt von elf oder mehr Grad gegeben – seit dem Jahr 2000 ist das keine Seltenheit mehr.

          Kälte-Top-Ten seit Jahrzehnten unbesetzt

          Die Aufstellung der zehn wärmsten und der zehn kältesten Jahre seit 1936 spiegelt die Veränderung noch besser wider: Während es seit 1987 kein Jahr mehr in die Kälte-Top-Ten geschafft hat, stammen sämtliche Werte der Wärme-Top-Ten aus der Zeit seit 1994, und acht von zehn sind sogar nach der Jahrtausendwende registriert worden. Allein von den vergangenen vier Jahren haben es drei in die Top-Ten geschafft: 2014 liegt mit 12,11 Grad auf dem Spitzenplatz, 2015 mit 11,58 Grad auf dem dritten und 2017 nunmehr auf dem neunten Rang. Und auch 2016 ist mit 11,10 Grad und Platz 13 noch zu den sehr warmen Jahren zu rechnen.

          Diese Daten sagen zwar nichts aus über die Gründe und Folgen der Klimaveränderung. Aber sie belegen, dass die Erwärmung real ist. Und das tun im Übrigen auch die Monatswerte des vergangenen Jahres: Statistisch gesehen zu kalt sind 2017 nämlich nur zwei Monate gewesen, Januar und September. Alle anderen waren zu warm, einige sogar sehr deutlich, etwa der Februar und der Juni mit einem Plus von 3,4 beziehungsweise 3,2Grad gegenüber dem Normalwert. Den Vogel abgeschossen aber hat der März: Mit einer Durchschnittstemperatur von 9,3 Grad war es nämlich sage und schreibe 4,1 Grad wärmer, als es der langjährige Normalwert von 5,2 Grad hätte vermuten lassen. So warm war es seit 1936 in Frankfurt im März noch nie. Einen ähnlichen Rekord konnten die Meteorologen auch schon 2016 vermelden: Damals übertraf der September den Normalwert um vier Grad und wurde so zum wärmsten Frankfurter September seit 80 Jahren.

          Zahl der Tage mit Frost nimmt ab

          Aufschluss über die Entwicklung der Temperaturen geben auch die Reihen der Frost- und Sommertage sowie der Eis- und Hitzetage: Sieht man von den normalen Ausschlägen nach oben und unten ab, zeigt sich in der Tendenz, dass die Zahl der Tage mit Frost oder Dauerfrost in Frankfurt stetig abnimmt, die Zahl der Tage mit Höchsttemperaturen von 25 oder gar 30 Grad aber zunimmt. Seit Mitte der neunziger Jahre hat es zum Beispiel kein Jahr mehr mit weniger als 40 Sommertagen gegeben, bei den Frosttagen wird dagegen die 80-Tage-Grenze nur noch selten überschritten. 2017 wurden statt der durchschnittlich zu erwartenden 42 Sommertage 64 registriert, sowie 16 statt neun heiße Tage. Bei den Frosttagen waren es 59 statt der im Mittel üblichen 82, bei den Eistagen nur sechs statt 17.

          Interessant ist schließlich noch eine letzte Zahl aus der Statistik: 30 statt der üblichen 16 Sturmtage haben die Meteorologen in den vergangenen zwölf Monaten registriert – und verweisen darauf, dass auch das verstärkte Auftreten von Wetterextremen und Unwettern als eine Folge des Klimawandels eingestuft wird. So fügt sich das Jahr 2017 also auch diesbezüglich nahtlos in den Trend.

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