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Frankfurter Weihnachtsmarkt : Verschwundene Kinder sind das Schlimmste

Vorbeuger: Auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt ist die Polizei so präsent wie nie - etwa, um Taschendiebe abzuschrecken Bild: Wohlfahrt, Rainer

Auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt ist die Polizei so präsent wie nie. Offenbar schreckt das die Taschendiebe ab. Dafür gibt es ndere Notfälle.

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          Am frühen Nachmittag geht auf dem Weihnachtsmarkt zwischen Karussells und Buden ein Junge verloren. Eben war er noch da, hatte neben seiner Mutter gestanden, im Strom der Passanten, die von einem Stand zum nächsten über den Römerberg schlendern. Christian Schneider erreicht die Nachricht um 14.30 Uhr. Er sitzt in seinem Büro auf der Wache des Weihnachtsmarkts. Als er von dem Kind hört, informiert er seine Kollegen, die gerade Streife laufen, und ruft das 1. Revier an. Es dauert nur wenige Minuten, dann klingelt das Telefon. Der Dreijährige, heißt es, sei wohlbehalten von einem Passanten auf dem Revier abgegeben worden. Schneider ist erleichtert. Verschwundene Kinder, sagt er, seien mit das Schlimmste, was auf dem Weihnachtsmarkt passieren kann. Vor ein paar Tagen war ein sechs Jahre altes Mädchen verlorengegangen, das schließlich in der B-Ebene der Hauptwache in einem Schnellimbiss wieder aufgetaucht war.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieses Jahr steht der Markt auf Römerberg und Paulsplatz stärker im Fokus der Polizei als ohnehin schon. Ursprünglich hatte die Polizei die Zahl der Beamten in Uniform, aber auch die der verdeckten Ermittler, aufgestockt, um vor allem Taschendiebe zu stellen, die seit einigen Wochen in der Innenstadt zahlreiche Taten begangen hatten. Allein die Zahl der Handydiebstähle hat sich mit rund 1500 Delikten im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Doch während sich die Taschendiebe in der ersten Woche seit Eröffnung des Weihnachtsmarktes zurückgehalten haben, sind die Polizisten - außer bei verschwundenen Kindern - vor allem bei vermeintlichen Kleinigkeiten gefragt.

          Eskortiert zum nächsten Örtchen

          Als sich Schneider gegen 15 Uhr mit Felix Paschek, dem stellvertretenden Leiter der Polizeidirektion Mitte, den Weg durch die Menschenmenge bahnt, treffen sie als Erstes auf eine ältere Dame, die eine Toilette sucht. Ein junger Polizist nimmt sich der Dame an, hakt sich bei ihr unter und führt sie zum nächsten Örtchen. Wenig später werden sie von einem Mann angesprochen, der offenbar in Eile ist und den Weg zur U-Bahn-Station nicht findet.

          Paschek sagt, originär polizeiliche Aufgaben fielen gar nicht so oft an. „Wir sind eher Freund und Helfer und geben Auskunft, wo wir können.“ Zwar gebe es die Taschendiebstähle, aber die habe man weitgehend in den Griff bekommen. Viele Besucher achteten inzwischen auf ihre Wertsachen.

          Das gilt jedoch nicht für den Mann, der sich durch das Gedränge schiebt und seine Umhängetasche dabei auf dem Rücken trägt. Paschek weist ihn freundlich darauf hin, dass ein Dieb es einfach haben würde, die Tasche zu öffnen und hineinzugreifen. Die meisten Menschen bedanken sich für derartige Ratschläge, die die Polizisten viele Male geben. Doch Taschendiebe sind nur eine Gruppe, die die Beamten im Blick haben. Auch Betrüger sind unterwegs. Gerade erst am Dienstag wurden zwei von ihnen festgenommen. Die beiden Frauen hatten zwischen Bratwurstbuden und Glühweinständen mehrere Besucher angesprochen und gesagt, sie sammelten Spenden für verschiedene gemeinnützige Institutionen. Zwei Polizisten wurden schließlich stutzig und schauten sich den vermeintlichen Spendenausweis der Frauen genauer an - der war, wie vermutet, gefälscht.

          Freunde und Helfer

          Kurz vor 16 Uhr werden Schneider und Paschek wieder angesprochen. Zwei Frauen haben beobachtet, wie eine ältere Dame über eine Kabelbrücke gestürzt ist. Die beiden Polizisten lassen sich zu der Dame bringen, die auf den Stufen einer Glühweinbude sitzt und ihr rechtes Bein nicht bewegen kann. An ihrer Stirn hat sie eine Platzwunde. Schneider fragt, ob sie alleine unterwegs sei, oder ob es jemanden gebe, den sie anrufen sollten. Ja, sie habe eine Nichte, sagt die Frau. Paschek lässt sich die Nummer geben. Schneider informiert währenddessen den Notarzt. In der Zwischenzeit kommen weitere Damen vorbei, die die Verletzte kennen. Sie alle sind auf dem Weg zu einem Adventstreffen in der Paulsgemeinde. Eine der Frauen bleibt schließlich bei der Verletzten und redet ihr gut zu. Später fährt sie mit ins Krankenhaus. „Auch das ist Frankfurt“, sagt Schneider. „Die Menschen sorgen doch mehr füreinander, als man glaubt.“

          Bis zum frühen Abend bleibt es ruhig. „Wenn es bis Weihnachten so weitergeht“, sagt Paschek, „ist das wirklich erfreulich.“ Schneider nickt. Vielleicht, sagt er, liege es auch an der vorweihnachtlichen Stimmung, dass es zu keinen größeren Vorfällen kommt. Auf jedem anderen Volksfest habe die Polizei mehr zu tun.

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