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Frankfurter Weihnachtsmarkt : Niedrige Standmieten, klingende Kassen

  • -Aktualisiert am

Trocken und kalt: Das Wetter ist ideal für das große Geschäft mit Glühwein, Mandeln und Bethmännchen auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt. Bild: Stefan Finger

Für Schausteller werden Weihnachtsmärkte wie der Frankfurter immer wichtiger, denn die Besucher strömen. Genaue Zahlen zu Umsatz und Gewinn will kaum jemand verraten – vermutlich, weil die Summen beträchtlich sind.

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          Erst war der Wirt so redselig und verriet auch ein paar Zahlen. Sieben Prozent Alkohol müsse ein Becher Glühwein haben und im Glühweinkessel seien es idealerweise 72 Grad. Dann wurde der Wirt plötzlich schmallippig. Dabei fehlte doch noch eine wichtige Zahl: Wie viel bleibt denn nach vier Wochen Weihnachtsmarkt für einen Budenbesitzer wie ihn übrig? Das wollte er nicht sagen. Und wandte sich lieber wieder anderen Gästen zu.

          Mona Jaeger

          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten.

          Es ist offenbar ein heikles Thema. Und eines, zu dem jeder eine Vermutung hat. Die, die am häufigsten geäußert wird, lautet: Ein Stand auf dem Weihnachtsmarkt, vor allem mit Essen- und Getränkeverkauf, sei eine Gelddruckmaschine. Beispiel Glühwein: Die Zutaten für den braun-roten Weihnachtspunsch sind günstig, die Margen hoch, geht der Becher im Schnitt doch für 2,50 Euro über den Tresen.

          Bis zu 250000 Euro Umsatz

          Beweisen lässt sich die Vermutung, dass die Glühweinverkäufer während der Weihnachtszeit das große Geld machen, freilich nicht. Dass sich das Geschäft lohnt, gilt aber als sicher. So sagen Branchenkenner, dass ein Glühweinstand auf einem sehr gut besuchten Weihnachtsmarkt wie dem Frankfurter in vier Wochen zwischen 150000 und 250000 Euro Umsatz macht. Wie hoch der Gewinn ist, der am Ende nach Abzug von Personalkosten, Wareneinkauf und Steuern hängen bleibt, können auch die Experten dagegen nur schwer schätzen.

          Ein eher kleiner Ausgabenposten dürften zumindest im Falle Frankfurts die städtischen Gebühren sein. Beim Weihnachtsmarkt richten sich die nach dem Standort und den Dingen, die verkauft werden. Ein Kinderkarussell auf dem Römerberg kostet den Betreiber etwa 3000 Euro, auf dem Paulsplatz nur 2500 Euro. Ein Mandelverkäufer zahlt auf dem Paulsplatz 420 Euro pro Frontmeter, ein Spielzeugverkäufer an gleicher Stelle zwischen 200 und 500 Euro pro Frontmeter.

          Städtische Gebühren verdoppelt

          Weil man davon ausgeht, dass mit Glühwein noch mehr verdient wird als mit Mandeln, zahlt die Gastronomie mit alkoholischen Heißgetränken, wie es in der Marktordnung heißt, den höchsten Satz. Ein Rechenbeispiel: Ein sechs Meter breiter Glühweinstand zahlt auf dem Römerberg (teuerste Kategorie) inklusive Werbe- und Sicherheitsumlage für dreieinhalb Wochen insgesamt 4860 Euro an die Stadt, so ist es in der Vergnügungsmarktordnung festgelegt. Städte mit einem ähnlich großen Weihnachtsmarkt, etwa Stuttgart, rechnen anders. Da zählen nicht die Frontmeter, sondern die Quadratmeter eines Standes; in Stuttgart kostet der bis zu 300Euro. Gerade Glühweinbuden haben zwar eine recht kurze Theke, aber viel Lagerfläche für Fässer und Tassen. So kommt es, dass für die Schausteller Frankfurt ein vergleichsweise günstiges Pflaster ist.

          Das liegt auch an der Organisationsweise des hiesigen Weihnachtsmarktes. Er gilt als städtisches Fest und soll zwar durchaus viele Menschen anlocken, die möglichst viel Geld in der Stadt lassen. Dass er selbst aber Gewinn erwirtschaften soll, ist nach Aussage von Thomas Feda nicht das Ziel. Feda ist Geschäftsführer der Frankfurter Tourismus- und Congress GmbH, die alle Stadtfeste ausrichtet. Einfluss auf die Standgebühren hat das städtische Unternehmen beim Weihnachtsmarkt aber nicht. Die Vergnügungsmarktordnung wird von den Stadtverordneten beschlossen. Die Gebühren wurden dieses Jahr zum ersten Mal seit 19Jahren erhöht, sie wurden nahezu verdoppelt.

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