https://www.faz.net/-gzg-a3sd8

Frankfurter Wahrzeichen : Der Goetheturm ist wieder da

Die Frankfurter haben ihn wieder: der neue alte Goetheturm Bild: Helmut Fricke

Drei Jahre nachdem der Aussichtsturm am Frankfurter Stadtwald durch Brandstiftung bis auf die Fundamente niedergebrannt war, ist er nun wieder vollständig hergerichtet und sieht praktisch aus wie der alte.

          2 Min.

          „Diese Aussicht, die ist cool“, sagt der elf Jahre alte Oskar aus Frankfurt, der am Freitagnachmittag mit Schwester und Vater zur Gruppe derjenigen gehört hat, die mit als erste die 196 Stufen des neuen Goetheturms erklimmen durften. „Der Turm - der ist super toll“, ergänzt Oskar. Vor dem Brand im Oktober 2017 hatte sich die Familie zwar gelegentlich auf den Weg zum Goetheturm am Rand des Frankfurter Stadtwaldes in Sachsenhausen gemacht, dann aber eher, um auf dem Spielplatz unterhalb des 43 Meter hohen Turms zu spielen, das angrenzende Labyrinth zu erkunden. „Der Turm war ja da“, sagt Vater Urs, und er wäre im Traum nicht darauf gekommen, dass sich an dieser Situation einmal etwas ändert. Als er dann am 12. Oktober vor drei Jahren mit der Nachricht geweckt wurde, dass der 1931 errichtet Goetheturm, einer der höchsten Holztürme Deutschlands, von Brandstiftern angezündet und bis auf die Fundamente niedergebrannt war, habe ihn diese Tatsache „mitgenommen“, sagt er.  Es sei unvorstellbar gewesen, dass der Turm „plötzlich weg ist“.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun ist er wieder da, der Turm, der für viele eines der Wahrzeichen der Stadt Frankfurt ist. Der neue Goetheturm ist praktisch eine Rekonstruktion des alten. So hatten es sich die Frankfurter in einer Online-Umfrage gewünscht, die die Stadt Frankfurt unmittelbar nach dem Brand initiiert hatte. Denn während man sich im Baudezernat hatte vorstellen können, den beliebten Aussichtsturm künftig barrierefrei zu gestalten, also mindestens mit einem Fahrstuhl zu versehen, stimmten die Frankfurter mit überwiegendener Mehrheit dafür, dass der neue Goetheturm aussehen sollte wie der alte: 43 Meter hoch mit einer Aussichtsplattform in luftiger Höhe, von der man den unvergleichlichen und altvertrauten Blick über die gesamte Stadt mit ihrer sich ständig verändernden Skyline und dem Taunus im Hintergrund haben sollte. Vom Turm aus kann man weit in alle Himmelsrichtungen schauen, schließlich überragt die Holzkonstruktion weit die Baumspitzen des Stadtwaldes. Doch diejenigen, die an diesem Wochenende in den Genuss kamen, zu den Erstbesteigern des neuen Turms zu zählen, gaben einvernehmlich an, dass der Blick auf die Stadt die Attraktion des Panoramablicks sei.

          „Ein Stück Kindheit“

          „Der Turm und der Blick - das ist ein Stück Kindheit“, sagen Jutta Streibert und Thomas Claude Sauer, die zur der in Frankfurt nicht gerade großen Gruppe derer zählen, die in der Stadt geboren und auch ihr Leben lang  in der Mainmetropole geblieben sind. Auch Streibert und Sauer, Leser der F.A.Z., gehören zu den Erstbesteigern. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte ein gutes Dutzend Karten verlosen können, um dieses Ereignis möglich zu machen. Die Idee, zumindest schon einmal einigen die Chance zum Aufstieg  zu geben, geht auf die Initiative von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) zurück, in deren Zuständigkeit der Stadtwald und mithin der Goetheturm gehört.

          Gäbe es nicht Corona, hätte die Stadt vermutlich im Oktober die Eröffnung des neuen Turms gefeiert, dessen Holzkonstruktion in den vergangenen Monaten errichtet wurde. Aufgrund der Pandemie ist die Eröffnung, die als großes Fest begangen werden sollte, auf das Frühjahr verschoben worden. Rund 1000 Frankfurtern und Interessierten aus dem Umland wollte Heilig jedoch schon vorab stolz den neuen Turm präsentieren. Mit Rücksicht auf die erforderlichen Sicherheitsabstände ist an diesem Wochenende, von Freitag bis Sonntag, im Halbstundentakt Gruppen von acht Personen die Besteigung erlaubt worden. Und am nächsten Wochenende soll es noch einmal so sein. „Die Tickets waren im Nu weg“, heißt es von Seiten der Stadt. Viele hätten es wohl kaum erwarten können, wieder „ihren Goetheturm“ zu sehen und die Stufen zu erklimmen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der belgische Premierminister Alexander De Croo informiert die Bürger nach den Beratungen über verschärfte Corona-Maßnahmen am Freitagabend.

          Corona-Spitzenreiter : Belgien scheut den Lockdown

          Belgien hat die höchste Infektionsrate in Europa. Die Maßnahmen werden verschärft, aber einen Lockdown wird es vorerst nicht geben. Aus Sicht von Fachleuten ist das viel zu wenig.
          Der republikanische Senator Lindsey Graham spricht am 17. Oktober auf einer Wahlkampfkundgebung

          Senatswahl in Amerika : Die Angst der Republikaner

          Können die Demokraten Weißes Haus, Repräsentantenhaus und Senat in ihre Hand bringen? Die Republikaner fürchten den Verlust ihrer Mehrheit, weil sogar einst sichere Sitze in Gefahr sind.
          Kathleen Krüger (rechts, mit Joshua Kimmich) gewann als Teammanagerin beim FC Bayern die Champions League.

          Frauen im deutschen Fußball : Wo bleibt Fritzi Keller?

          Über Jahrzehnte verbot und verhinderte der Deutsche Fußballmänner-Bund aktiv die Entwicklung der Frauen. Ihre aktuelle Rolle ist immer noch geprägt von weitgehender Abwesenheit. Es gibt eine einsame Ausnahme – und noch zu wenige positive Entwicklungen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.