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Frankfurter Wahlzettel : 0,876 Quadratmeter

Groß wie nie: der Frankfurter Wahlzettel in ganzer Breite Bild: Esra Klein

München kann einpacken. Frankfurt hat den größten und längsten Wahlzettel aller Zeiten. Dieser Rekord kann doch kein Zufall sein.

          Vor einem Jahr im Wahlamt der Stadt Frankfurt: Viele wichtige Menschen sitzen in einem Hinterzimmer zusammen. Die Kommunalwahl steht an. Es geht um nicht weniger als um einen Frankfurter Rekord. Die Stadt, so beschließen es die wichtigen Menschen, soll diesmal den größten und längsten und tollsten Wahlzettel aller Zeiten bekommen. Oberbürgermeister Peter Feldmann sagt: „Nur so lassen sich Wohnungsnot und Kinderarmut wirksam bekämpfen.“ Bürgermeister Olaf Cunitz findet: „Wir brauchen einen Wahlzettel, der mindestens so groß ist wie die Galopprennbahn.“ Und Wirtschaftsdezernent Markus Frank fügt hinzu: „Der größte Wahlzettel der Welt - das wird wieder ein guter Tag für Frankfurt.“

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gesagt, getan. Doch die Aufgabe ist viel schwieriger als gedacht. Denn wie lässt sich überhaupt herausfinden, was bisher der größte, längste und tollste Wahlzettel aller Zeiten war? Was, wenn sich am 7. März, am Tag nach der Kommunalwahl, plötzlich ein Wahlbeamter aus Djibuti meldet und behauptet, bei irgendwelchen Regionalwahlen in irgendeinem Jahr seien die Wahlzettel in Djibuti aber viel größer, länger und toller gewesen?

          Eigentlich nur mit Kommando-Trupps zu schaffen

          Die Truppe um Feldmann grübelt. Da hat ein kluger Mitarbeiter des Wahlamts eine Idee. „Warum machen wir nicht einfach den größten, längsten und tollsten Wahlzettel Deutschlands?“ Alle sind begeistert. Damit kann sich Frankfurt doch wirklich sehen lassen.

          Welche deutsche Stadt hat denn bisher den größten, längsten und tollsten Wahlzettel in der Republik? Die Entscheidung ist allen sofort klar: Das kann nur München sein, eine Stadt, deren Bewohner ausnahmslos der Ansicht sind, besser als dort könne es in jeder Hinsicht nur im weiß-blauen Himmel sein. Und selbst das halten sie für unwahrscheinlich.

          Das Wahlamt legt los. Es findet heraus, dass der Wahlzettel zur Kommunalwahl 2014 in München 1,38 Meter breit und 60 Zentimeter hoch war. 14 Parteien waren damals auf dem knapp 0,83 Quadratmeter großen Papier zu finden. Das zu übertreffen wird nicht einfach, das ist allen klar. Um es zu schaffen, entsendet der Magistrat in den nächsten Monaten kleine Kommando-Trupps in entlegene politische Gegenden der Stadt. Sie sollen möglichst viele ungewöhnliche Menschen davon überzeugen, zur Kommunalwahl anzutreten. Denn je mehr Listen sich bewerben, desto größer wird der Zettel.

          „Nach dem Rekord ist vor dem Rekord“

          Manche zieren sich leider. Eine frühere AfD-Gruppe spaltet sich nur ab, nachdem die Magistratshelfer wochenlang intern Intrigen gesponnen haben. Die neue Gruppe nennt sich nun Alfa und bewirbt sich tatsächlich. Und überhaupt haben die Kommando-Trupps großen Erfolg: Am Ende bewerben sich 20 Listen um den Einzug in den Römer. Unter ihnen sind weithin unbekannte Splittergruppen wie „Ich bin ein Frankfurter“ (IBF), Politik ohne Partei (P.O.P.) und Christlich Demokratische Union (CDU).

          Irgendwann kommt der Augenblick der Wahrheit. Die Höhe des Wahlzettels ist kein Problem: Dank der 93 Kandidaten, die manche Parteien für den Römer aufbieten, sind die 60 Münchner Zentimeter leicht zu schaffen. Bleibt die Breite. Am Ende geht es um Zentimeter. Dank der 20 Listen gelingt die Sensation: 146 Zentimeter, eine Quadratmetergröße von 0,876. München kann einpacken. Rekord. Feldmann merkt noch kurz an, dass ein Stück neu gebauter Eigentumswohnung in Frankfurter Wahlzettel-Größe im Schnitt rund 3846 Euro kosten würde. Aber das geht im Jubel unter.

          Als alle wieder nüchtern sind, sagt einer: „Nach dem Rekord ist vor dem Rekord.“ Die anderen nicken. 2018 ist Oberbürgermeisterwahl. Dann will das Team wieder zuschlagen. Ein weiterer Rekord muss her. Ziel sind 100 Prozent. Und zwar Wahlbeteiligung.

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