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Frankfurter Wahl-Kandidaten : Es gibt nur Gute und Schlechte

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Kandidierte mit 18 erstmals für den Bundestag, in dem er seit 2009 sitzt: Christoph Schnurr (FDP) ist mit 29 politisch gesehen kein Jungspund mehr Bild: Lüdecke, Matthias

Die Frankfurter FDP stellt die jüngste Schar der Kandidaten für die Bundestags- und Landtagswahl. SPD und Linke bieten dafür mehr Lebenserfahrung. Und dann ist da noch Erika Steinbach.

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          Wer hat dieser Tage nicht alles den großen Fußball-Philosophen Otto Rehhagel zitiert, als der seinen 75. Geburtstag feierte. Eine der schönsten Klugheiten aus Rehhagels Mund ist dabei leider kaum genannt worden, dabei passt sie wie keine zweite zu den Frankfurter Direktkandidaten für die Landtags- und die Bundestagswahl am 22. September. Der Bremer und Lauterer Meistertrainer, einst gar Europameister mit Griechenland, sagte einmal: „Es gibt keine alten und jungen Spieler, sondern nur gute und schlechte.“

          Ein Satz, wie gemacht für die SPD. Schließlich schicken die Sozialdemokraten das - sagen wir es ruhig so deutlich - älteste Team aller fünf im Landtag vertretenen Parteien an den Start. 54,5 Jahre haben die Bewerber in den sechs Wahlkreisen der größten hessischen Stadt am Wahltag im Schnitt zu bieten. Wobei Ralf Heider aus dem Süden der Stadt mit 50 Jahren sogar der Jüngling im Aufgebot der Alten ist. SPD-Geschäftsführer Andreas Heusinger von Waldegge drückt das natürlich viel eleganter aus. Er sagt, die SPD biete den Bürgern „geballte Erfahrung“ an. Und: „Erfahrung ist gut.“

          Erika Steinbach bewirbt sich für die CDU abermals um einen Sitz im Bundestag
          Erika Steinbach bewirbt sich für die CDU abermals um einen Sitz im Bundestag : Bild: dpa

          Das ist richtig, und deshalb bleibt die einstige Arbeiterpartei auch bei ihren beiden Bundestagskandidaten Ulli Nissen und Gregor Amann, 54 und 51 Jahre alt, beinahe exakt auf Alterskurs. Noch näher am Schnitt der Landtagsbewerber wären die Sozialdemokraten, wenn sie den SPD-Politiker Michael Paris mit seinen 57 Jahren als Teil ihrer Mannschaft begreifen würden. Doch seit der Rebell angekündigt hat, einfach ohne Zustimmung der Basis im östlichen Bundestagswahlkreis gegen Nissen anzutreten, wird sein Name nur noch ungern ausgesprochen unter hiesigen Genossen. Ein Parteiausschluss nach der Wahl gilt als sehr wahrscheinlich.

          Über Martina Navratilova kommen wir zur FDP. Die einstige Tennisgröße aus der einstigen Tschechoslowakei, die auf den Center-Courts dieser Welt immer so eine unheimlich hässliche Brille trug, sagte einmal: „Alter spielt sich im Kopf ab, nicht auf der Geburtsurkunde.“ Für Christoph Schnurr muss das nichts heißen, kann aber. Zwar ist der Bundestagsabgeordnete und Bewerber der Liberalen erst 29 Jahre alt, politisch gesehen ist er allerdings schon ein alter Mann. Schließlich trat Schnurr mit 18 Jahren zum ersten Mal zu einer Bundestagswahl an, 2009 schaffte er es über die Liste nach Berlin. Er ist der jüngste Bundestagskandidat in Frankfurt, sein Parteifreund Hans-Joachim Otto, der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, ist mit 60 Jahren der Drittälteste.

          „Der ist dynamisch, jung“

          Zusammen bilden sie dennoch das jüngste Duo - mit 44,5 Jahren. Schnurr sagt, Otto sei auch Jüngeren noch vermittelbar - „natürlich“: „Der ist dynamisch, jung.“ Ihre Jugendlinie ziehen die Liberalen weitgehend durch: Auch die sechs Landtagskandidaten bilden mit einem Durchschnittsalter knapp jenseits der 40 das jüngste Team. Der Landtagsabgeordnete Hans-Christian Mick ist dabei mit 32 Jahren der jüngste der sechs, Kultusministerin Nicola Beer ist mit 43 Jahren hinter Rolf Würz, 49, altersmäßig die Weiteste.

          “Bedenkt: Der Teufel, der ist alt; so werdet alt, ihn zu verstehn“ - so steht es im „Faust“, und wenn das stimmt, haben die Bundestagskandidaten der Linken die besten Chancen, in den nächsten vier Jahren all die bösen Gefahren von unserem Vater- und Mutterland abzuwehren, komme der Teufel auch als Währungs-Wahnsinn, Drohnen-Debakel oder Abhör-Albtraum daher. So bietet die Linke mit Margarete Wiemer und Wolfgang Gehrcke, 59 und 70 Jahre, zum Wahltag das fast schon biblische Durchschnittsalter von 64,5 Jahren auf. Wobei das maßlos übertrieben ist, schließlich wurde Abraham 175 Jahre alt. So steht es im Buch Genesis. Und er war 100, als Isaak geboren wurde. Was sind da 64,5 Jahre? Für den Landtag stellen die Linken mit 52,6 Jahren übrigens die nach der SPD älteste Gruppe.

          Michael Paris ist noch Mitglied der SPD, tritt aber in Frankfurt gegen den Willen der Partei gegen eine Sozialdemokratin an
          Michael Paris ist noch Mitglied der SPD, tritt aber in Frankfurt gegen den Willen der Partei gegen eine Sozialdemokratin an : Bild: Eilmes, Wolfgang

          Die CDU darf für sich in Anspruch nehmen, die erfahrenste Kandidatin ins Rennen zu schicken. Erika Steinbach vertritt die Stadt nicht nur seit 1990 im Bundestag, sie ist mit 70 Jahren auch ein paar Momente älter als Wolfgang Gehrcke von den Linken. Zusammen mit Matthias Zimmer, 52, bildet Steinbach das zweitälteste Bundestags-Duo. Bei den Landtagskandidaten dagegen liegt die Union auf einem guten Mittelplatz. Besonders der politisch unheimlich erfahrene, körperlich gleichwohl taufrische hessische Innenminister Boris Rhein senkt mit seinen 41 Jahren als jüngster Kandidat den Schnitt auf 50 Jahre. Eine tolle Leistung, wobei der CDU - natürlich nur altersmäßig - zugutekommt, dass der ewige Alfons Gerling, demnächst wird er 69, nach 25 Jahren im Landtag nicht wieder zur Wahl antritt.

          Grüne die zweitjüngste Gruppe

          Welche Spitzenmarken bleiben da noch für die Grünen? Eine, immerhin. Sie bieten in Josué Manuel Quintana Diaz den jüngsten Bewerber der im Landtag vertretenen fünf Parteien auf. Der Mann, dessen Name wie eine Gedichtzeile klingt, ist erst 27 Jahre alt. Außerdem tritt er zum ersten Mal an. Mit 45,6 Jahren im Schnitt stellen die Grünen die zweitjüngste Gruppe für Wiesbaden. Das liegt auch an Jessica Purkhardt, die mit 32 Jahren locker die Tochter von Ursula auf der Heide mit ihren 61 Jahren sein könnte. Auch zur Bundestagswahl schickt die Partei mit einem Schnitt von 47 Jahren die zweitjüngste Mannschaft.

          Ob das Alter der Kandidaten für die Bürger ein Kriterium ist? Schwer zu sagen. Sieg und Niederlage hängen von so vielem ab und liegen oft so nah beieinander. Oder, um es mit Otto Rehhagel zu sagen: „Mal verliert man und mal gewinnen die anderen.“

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