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Umstrittene Kurse an der VHS : Ohne Zilgrei und Dorn, aber mit Homöopathie

Nach bundesweiten Diskussionen: Die Frankfurter Volkshochschule streicht umstrittene Therapie-Kurse. Bild: Jens Gyarmaty

Nach bundesweiten Diskussionen streicht die Frankfurter Volkshochschule umstrittene Therapie-Kurse. Einigen Stadtverordneten gehen die Änderungen im VHS-Programm aber nicht weit genug.

          Wer die sogenannte Zilgrei-Atmung erlernen oder nach der Dorn-Methode einen Beckenschiefstand beheben will, der wird im Programm der Frankfurter Volkshochschule nicht mehr fündig. Die VHS hat diese umstrittenen Therapien aus ihrem Angebot gestrichen. Wie VHS-Leiterin Truda Ann Smith auf Anfrage sagte, geschah dies mit Blick auf die im Sommer geführte bundesweite Diskussion über esoterische Kurse in Volkshochschulen und einen Artikel dieser Zeitung über entsprechende Angebote in Frankfurt.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Programm für den Herbst und Winter 2018/19 hatte die Zilgrei-Methode noch als sanfte und wirkungsvolle Therapie bei Rheuma, Arthrose, Migräne, Gelenk- und Rückenschmerzen sowie Stresssymptomen empfohlen. Die dazu nötige Atemtechnik sei ohne besondere Voraussetzungen erlernbar. Während die Wirkung der Zilgrei-Methode wissenschaftlich nicht belegt ist, halten Ärzte die Dorn-Therapie sogar für gefährlich. Laut altem VHS-Programm bietet die Methode mit „einfachen, schonenden und gefahrenlosen Handgriffen schmerzfreie Korrektur und Hilfe für fehlstehende Wirbel und Gelenke an“. Orthopäden warnen hingegen davor, dass Laien beim Versuch der Selbstheilung Verletzungen bis hin zur Querschnittslähmung riskierten.

          „Esoterik statt Aufklärung“

          Wie Smith jetzt sagte, wurden die Kurse in das Programm für Frühjahr und Sommer 2019 nicht wieder aufgenommen, weil bei ihnen „die therapeutische Methode im Vordergrund stand und nicht so sehr die Prävention“. Anders als früher ist dem Abschnitt „Gesundheit“ des VHS-Programms nun eine Einleitung vorangestellt, die den informierenden Charakter der Kurse hervorhebt. Die Teilnehmer sollten „Sichtweisen und Methoden aus unterschiedlichen Traditionen und Kulturkreisen“ kennenlernen, so dass sie „sich selbst eine differenzierte Meinung bilden können“. Die Einführung schließt mit dem Hinweis: „Unsere Angebote verstehen sich als Orientierungshilfe und Unterstützung, können aber keinen Besuch beim Arzt oder Therapeuten ersetzen.“

          Die Stadtverordnetenfraktion „Die Frankfurter“ hält die Änderungen im VHS-Programm für nicht ausreichend. Noch immer gebe es in einer Institution, die laut Selbstverständnis für humanistische Ideale eintrete, Kurse, die „Esoterik statt Aufklärung“ böten. Dazu zählen die „Frankfurter“ die Eintages-Seminare „Die klassische homöopathische Hausapotheke“ und „Die Wechseljahre der Frau – Hilfen aus der klassischen Homöopathie“ sowie eine fünfteilige Kursfolge, in der es unter dem Titel „Meridian-Dehnübungen“, um ein unsichtbares Netz geht, in dem die Energie Qi durch den menschlichen Körper fließen und das physische, mentale und emotionale Befinden beeinflussen soll.

          Die „Frankfurter“-Fraktion weist darauf hin, dass die VHS einen jährlichen städtischen Zuschuss von elf Millionen Euro für ihr Weiterbildungsangebot erhalte. Der Magistrat mit der für die Volkshochschule zuständigen Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) müsse die Frage beantworten, ob die VHS künftig auf Kurse verzichten werde, „deren Inhalte wissenschaftlich nicht belegbar sind und die, wie manche alternativen Gesundheitsangebote, sogar potentiell schädlich sind“.

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