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Frankfurter Tiertafel : Bescherung für Vierbeiner

  • -Aktualisiert am

Werden gleich reich beschenkt: Gertrud Helwig und ihr Hund Benjy Bild: Marina Pepaj

Wer sich das Futter für sein Haustier nicht leisten kann, bekommt Unterstützung von der Tiertafel Frankfurt. Zu Weihnachten gibt es ein besonderes Geschenk.

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          Gertrud Helwig ist heute extra aus Offenbach angereist. Mit leeren Tüten und einem Einkaufstrolly warten die Sechsundachtzigjährige und ihr Hund Benjy im Wartezimmer der Frankfurter Tiertafel. Helwig kommt schon seit mehr als zehn Jahren zu der Futterausgabe in Praunheim. An diesem Samstag ist Weihnachtsausgabe: Zusätzlich zu dem Futter für die kommenden vier Wochen bekommt Benjy kleine Weihnachtsleckereien und ein neues Körbchen.

          Es herrscht reger Betrieb in der Tafel. Während draußen die Schlange der Wartenden immer länger wird, pendeln drinnen die ehrenamtlichen Mitarbeiter zwischen Lager und Warteraum. Einzelne Namen werden aufgerufen, kurz danach treten die Tierbesitzer mit einem vollbepackten und eigens für ihren Vierbeiner zusammengestellten Paket die Heimreise an. Siebenhundert Tiere von mehr als 300 Besitzern versorgt die Tafel, die 2007 gegründet wurde. Meistens sind es Hunde und Katzen, viele der Haustiere sind schon sehr alt und brauchen spezielles Futter. Wird ein Tier krank, übernimmt der Verein sogar die Tierarztrechnungen.

          Herzensangelegenheit

          20.000 Euro fallen monatlich allein für das Futter an – für das Jahr summieren sich die Gesamtausgaben auf rund 30.0000 Euro. Die Kosten deckt der Verein über Privatspenden. Auch Sachspenden ehemaliger Tierhalter werden gerne angenommen. An Weihnachten spendiert auch schon einmal die Bäckerei aus der Nachbarschaft Plätzchen, mit denen Vorsitzende Conny Badermann liebevoll dreihundert Geschenkpäckchen bestückt. Die Futterausgabe am Ende des Jahres liegt ihr besonders am Herzen. „Den Leuten muss ja noch Geld für Weihnachten bleiben“, sagt sie. Gerade ältere Menschen mit einer geringen Rente, aber auch Arbeits- und Obdachlose sparten an allen Ecken, um ihre Tiere versorgen zu können. Aber selbst dann reiche es oft nicht. Aus Scham kämen sie erst zur Tafel, wenn die Tiere schon stark abgemagert seien oder der Tierarzt sie schicke.

          Vielen ist die Tafel für Tiere aber auch noch unbekannt – so wie Paul Iwan. Der Vierundachtzigjährige erfuhr erst vor drei Jahren von einer Mitarbeiterin im Seniorenheim, dass er bei der Versorgung seiner Katze Kitty Unterstützung bekommen kann. Seitdem kommt der Rentner jeden Monat mit der Bahn von Niederrad, um sich das Futter abzuholen.

          Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) begleitet die Futterausgabe zu Weihnachten bereits seit einigen Jahren. Auch dieses Mal überreichte sie der Vorsitzenden Badermann zusätzlich einen Scheck in Höhe von 1000 Euro. Sie schätzt die Arbeit der Tafel – nicht nur wegen der finanziellen Entlastung durch die Futterausgabe. „Die Haustiere sind häufig die einzigen Ansprechpartner der Leute, die herkommen“, sagt Birkenfeld. „Sie ersetzen den Partner oder das Kind.“ Durch die Tafel entwickelten die Alleinlebenden wieder mehr soziale Kontakte.

          Für ihr Engagement wurde der Verein dieses Jahr mit dem Deutschen Tierpreis ausgezeichnet. Conny Badermann, die als Vorsitzende den Großteil ihrer Zeit in die Tafel steckt, ist es eine Herzensangelegenheit. „Solange ich laufen kann, komme ich auch hierher“, sagt die Einundsechzigjährige. „Zur Not auch mit dem Rollator.“

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