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Frankfurter Tafel : „Wir hätten sonst nichts zu essen“

  • -Aktualisiert am

Auch bei der Tafel muss man sich an die Hygieneregelungen halten. Bild: Annkathrin Weis

Die Frankfurter Tafel versorgt auch während der Corona-Pandemie Bedürftige mit Lebensmitteln – das ist nicht immer einfach.

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          Die zwei Räume der Frankfurter Tafel sind voller schwarzer Klappkisten, die bis oben mit Lebensmitteln gefüllt sind. Sie stapeln sich auf Tischen, Stühlen und dem Boden. Alles wirkt chaotisch, auf den zweiten Blick herrscht jedoch eine gewisse Ordnung. Im hinteren Raum lagern Obst und Gemüse, im vorderen Fleisch, Fisch, Backwaren und Fertiggerichte. Im Flur stapeln sich Kisten mit Butter, Milch, Erdbeermarmelade und ein paar Spezialitäten – übrig gebliebene Schokohasen oder Blumensträuße. Auch einige Playmobilfiguren sind dabei.

          Zehn Helfer der Frankfurter Tafel sind an diesem sonnigen Tag im Stadtteil Seckbach, um Lebensmittel zu sortieren und zu verteilen. Sieben von ihnen sind erst seit wenigen Wochen dabei. Wie an vielen Standorten bestand das ursprüngliche Team in Seckbach hauptsächlich aus älteren Leuten, die zur Risikogruppe gehörten. Das Team konnte also nicht einfach weitermachen. Nur zwei der erfahrenen Helfer sind geblieben, um den Neuen das Verteilsystem beizubringen.

          Auch Edith Kleber, Vorsitzende der Frankfurter Tafel, hilft hier mit, obwohl sie aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehört. Dass die Tafel in Frankfurt eine der wenigen in Hessen ist, die während der Corona-Krise die ganze Zeit weiterhin Lebensmittel ausgegeben hat, ist für Kleber eine Herzensangelegenheit: „Das muss laufen. Wir müssen da sein – auch bei der Tafel.“ Dabei ist ihr auch wichtig, dass die vielen Lebensmittel nicht verkommen. Die Tafel verteile monatlich 270 Tonnen Lebensmittel. „Ich will es nicht verantworten, dass all das weggeworfen wird“, sagt sie.

          Hamsterkäufe schaden der Tafel

          Als es zu Beginn der Krise viele Hamsterkäufe gab, sorgte das auch bei Kleber für Probleme. „Wir konnten oftmals nichts mehr von den Supermärkten bekommen. Wir mussten zu anderen kleineren Tafeln fahren. Durch die weiteren Wege hatten wir wieder mehr Spritverbrauch.“ Und dieser hohe Verbrauch an Kraftstoff schlucke das meiste Geld der Tafel, die sich nur durch Spenden finanziert. Das funktioniert laut Kleber aber nur, wenn Unterstützung von der Bevölkerung kommt.

          Jetzt soll es auch Hilfe von offizieller Seite geben. Die hessische Landesregierung hat eine Fördersumme in Höhe von 1,25 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Diese einmalige Soforthilfe sei für die Frankfurter Tafel besonders wichtig, um die Kosten der elf Kühlwagen abzudecken, sagt Edith Kleber, nachdem sie von der Förderung erfahren hatte: „Gerade da haben wir ein großes Manko.“ Wie viel von der Fördersumme an die Frankfurter Tafel geht und wann sie das Geld erhalten werden, ist noch unklar. Allerdings steht für Kleber schon fest, dass sie sich das Geld über die nächste Zeit aufteilen und in die Logistik investieren müssen.

          Vor den Räumen der Ausgabe, fährt ein weißer Lieferwagen der Tafel nach dem anderen vor. Etwa 120 Kisten passen in einen der Laster, heute sind es vier. Eine Menschenkette bringt die vollgepackten Kisten ins Gebäude. Ist erst mal alles sortiert, bliebt nicht viel Zeit, um sich von der Schlepperei zu erholen.

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