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Studenten auf Tuareg-Rallye : Am schlimmsten sind die Baby-Dünen

  • Aktualisiert am

Auch im Gelände musste das Team öfter Hand anlegen. Bild: Foto: Nowak/Schott

Ein Team von Frankfurter Studenten hat in Algerien an der Tuareg-Rallye teilgenommen. Lehrreich waren die Vorbereitungen für das Abenteuer ebenso wie der Trip durch die Wüste selbst.

          Die Wüste ist ein strenger Lehrmeister. Für Klaus Nowak hatte sie ein paar derbe Lektionen parat, zum Beispiel diese: „Sand kann hart wie Beton sein.“ Und auch das musste der Student lernen: „Kleine Dünen sind gefährlicher als große.“ Jedenfalls dann, wenn man schwungvoll mit dem Auto darauf zuhält. „Bei steilem Winkel sieht man das Dünen-Ende nicht.“ Ist das Tempo unangemessen, droht ein Salto, und spätestens danach weiß jeder Insasse den Wert von Überrollbügeln, Schalensitzen und Vierpunktgurten zu schätzen.

          Zumindest diese Art von Nachhilfe in angewandter Physik ist Nowak und seinen Kommilitonen erspart geblieben. Wertvolle Erfahrungen haben sie auch so genug gesammelt, die sechs Studenten der Frankfurt University of Applied Sciences, die mit zwei Autos in Algerien an den Start der Tuareg-Rallye gerollt sind. Lehrreich waren die Vorbereitungen für das Abenteuer ebenso wie der Trip durch die Ödnis selbst: Außer dem Wissen um Einfuhrbestimmungen und Schutzimpfungen, Getriebetechnik und die richtige Beschleunigung auf losem Untergrund konnte sich das Team ein Gespür dafür aneignen, welche Risiken man in schwieriger Lage besser nicht eingeht.

          Fachübergreifende Schlüsselkompetenzen

          Von Anfang an war der didaktische Wert des Unternehmens höher veranschlagt als der sportliche. Nowak, der an der Hochschule das MBA-Programm „Entrepreneurship“ belegt, und der angehende Betriebswirt Maximilian Schott hatten die Idee, die Teilnahme an der Rallye zu einem Projekt des „Interdisziplinären Studium Generale“ zu machen. Dieses Programm soll den Studenten der Frankfurt University fachübergreifende Schlüsselkompetenzen vermitteln – zum Beispiel teamorientiertes Planen und Handeln.

          Für die Idee, diese Fähigkeiten mit Hilfe eines Autorennens zu schulen, begeisterten sich rund 70 Hochschüler, von denen nach Nowaks Worten am Ende zehn die Kerntruppe bildeten: wirtschaftsaffine Leute wie er, aber auch künftige Maschinenbauer, Architekten und Sozialarbeiter. Zwei Frauen gehörten zum inneren Kreis, darunter eine, die schon als Renn-Ingenieurin arbeitet. Am Steuer wurde laut Nowak Wert auf Gleichberechtigung gelegt: Weibliche und männliche Fahrer hätten sich die Zeit „nahezu 50 zu 50“ aufgeteilt.

          Eine wichtige Lektion

          Für zusammen rund 20 000 Euro hatten die Studenten einen Mitsubishi Pajero und einen Kia Sorento erstanden und für den Wüsten-Einsatz umgebaut. Die Hochschule stellte eine Anschubfinanzierung bereit, außerdem konnten Sponsoren gewonnen werden. Beifall wurde den Frankfurtern schon auf dem Weg nach Algerien zuteil, auf dem sie mehrere Partnerhochschulen besuchten, und auch am Startort selbst bereitete man ihnen einen freundlichen Empfang, wie Nowak erzählt. Unter den etwa 600 Teilnehmern – rund 20 Prozent davon Profis – waren sie das einzige Hochschulteam.

          Was der 32 Jahre alte Student und seine Kameraden bis dahin übers Rallyefahren wussten, war nichts als Theorie. „Am ersten Tag haben wir eine Privat-Übungsstunde bekommen.“ Dann wurde es ernst: jeden Tag acht bis zehn Stunden auf der Piste, geleitet vom „Roadbook“ des Veranstalters und der Satellitennavigation. Unfreiwillige Übernachtungen im Niemandsland blieben den Jungpiloten erspart. Offensichtlich hatten sie eine weitere Lektion schnell verinnerlicht: „Der Beifahrer gewinnt eine Rallye, der Fahrer verliert sie.“

          Der Spruch könnte auch zu dem Malheur passen, das dem Hochschulteam am zweiten Tag widerfuhr. „An einer flachen Baby-Düne hat es den Pajero zerrissen“, berichtet Nowak. Zwei Tage lang habe die Mannschaft „durchrepariert“ und den Wagen auf Zweiradantrieb umgebaut. Doch man habe einsehen müssen, dass der Pajero für das abschließende Dünenrennen nicht mehr „fit“ gewesen sei. Auch mussten sich die Studenten Gedanken darüber machen, wie sie ihre Autos wieder aus Algerien herausschaffen wollten. Es schien ihnen unmöglich, nach einer weiteren Panne einen Abschleppwagen zu organisieren. Ergebnis der Krisenbesprechung: Ein weiterer Ausfall wäre zu riskant, das Team gab auf. Die restlichen der sieben Rallye-Tage wussten die Frankfurter dennoch sinnvoll zu nutzen. Einige Crewmitglieder halfen an den Kontrollpunkten mit, andere suchten Kontakt zu den Profiteams.

          Das war erst der Anfang

          Denn eines steht für Nowak und Schott fest: Dieser Dünenritt war nicht ihr letzter. „Nächstes Jahr sind wir definitiv wieder in Algerien dabei“, verspricht Nowak. „Wir möchten Partner aus der Industrie gewinnen, um ein eigenes Auto aufzubauen.“ Der Verein für interdisziplinäre Zusammenarbeit an der Frankfurt University, der aus dem Projekt hervorgegangen ist, könnte zudem noch eine umweltfreundlichere Sportart unterstützen: Nächsten Januar wird in Marokko ein E-Bike-Rennen abgehalten.

          Die versammelte Kreativität der Jung-ingenieure sollte es erlauben, ein wüstentaugliches Zweirad zu konstruieren, das seinen Strom idealerweise aus Solarzellen bezieht. Dass unter der Experimentierfreude des Teams die Schwanheimer Düne zu leiden haben wird, ist laut Nowak nicht zu befürchten: „Wir werden das Rad zum Testen den Feldberg hochjagen.“

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