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Frankfurter Nahverkehr : Mehr Platz in den Straßenbahnen

Mobilität in der Stadt: Die Straßenbahn ist in Frankfurt ein stark nachgefragter Bestandteil des Nahverkehrs. Bild: Lando Hass

Immer mehr Frankfurter nutzen die Tram, deswegen hat sich die Stadt entschieden, längere Züge zu bestellen. Künftig sollen auf der Linie 11 Züge fahren, die 40 Meter lang sind.

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          Die Stadt Frankfurt will das Fahren mit der Straßenbahn attraktiver machen: Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) als Betreiberin des Straßenbahnnetzes will künftig nicht nur neue, sondern von Herbst 2022 an auch längere Züge einsetzen, um noch mehr Fahrgäste transportieren zu können. Wie Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am Freitag mitteilte, hat die VGF beim französischen Hersteller Alstom für 22 bereits im Juni 2018 bestellte neue Straßenbahnzüge jetzt zusätzliche Mittelteile in Auftrag gegeben. Durch diese Verlängerung sind die Züge dann nicht mehr wie bisher gut 30Meter, sondern rund 40 Meter lang und bieten fast 60 Personen mehr Platz. In einem solchen Straßenbahnzug werden künftig rund 250 Personen Platz finden.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Länger dürfen die Züge allerdings nicht sein“, sagte VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer. Denn die Bahnsteige an den Haltestellen sind derzeit alle rund 30 Meter lang. An einigen Haltestellen seien nun zwar kleinere Umbauten nötig, doch an den meisten könnten die 40 Meter langen Züge problemlos halten. Die VGF habe das bei nächtlichen Testfahrten ausprobiert. Grund sei die Anordnung der Fahrzeugtüren, die rund fünf Meter von den Wagenenden entfernt seien. Allerdings werde man bei künftigen Bauvorhaben, gleichgültig ob Modernisierung oder Neubau, die Haltestellen gleich mit dem neuen Maß von 40 Metern planen und bauen, so Rüffer.

          Die Züge noch mehr zu verlängern – in Budapest seien mittlerweile 60 Meter lange Straßenbahnzüge unterwegs – hätte Rüffer zufolge für Frankfurt bedeutet, dass viele Straßen der Stadt über einen langen Zeitraum zu Baustellen würden. Das könne nicht das Ziel eines effektiven öffentlichen Nahverkehrs sein. Die neuen längeren Züge sollen zunächst auf der Straßenbahnlinie 11, die von Höchst nach Fechenheim fährt, eingesetzt werden. Die Linie ist eine der meistgenutzten in Frankfurt.

          Investition trotz Corona-Krise

          Grund für die Überlegungen, für einen Teil der neuen Züge zusätzlich noch Verlängerungsmodule in Auftrag zu geben, um künftig längere Bahnen zu haben, ist das seit Jahren steigende Fahrgastaufkommen im öffentlichen Nahverkehr und insbesondere auch in den Frankfurter Straßenbahnen. So ist das Fahrgastaufkommen in den vergangenen zehn Jahren von rund 49 Millionen im Jahr 2009 um 18Millionen auf rund 67 Millionen im Jahr 2019 gestiegen, teilt die VGF mit.

          Die Stadt Frankfurt trägt dieser Entwicklung Rechnung. So hat die VGF seit 2018 bei Alstom insgesamt 45 Niederflur-Straßenbahnen der neuen Baureihe „T“ bestellt, 22 davon werden nun in der Langversion in Frankfurt ausgeliefert. Zusätzlich hat die VGF weitere 22 neue U-Bahn-Wagen in Auftrag gegeben, die im Februar oder März nächsten Jahres einsatzbereit sein sollen.

          Insgesamt investiert die Stadt für die neuen Züge mehr als 200 Millionen Euro. Oesterling sagte, er sei dem Stadtkämmerer dankbar, dass dieser es trotz der schwierigeren Rahmenbedingungen durch die Corona-Krise möglich mache, diesen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur „zu stemmen“. Die ersten neuen Straßenbahnen der Baureihe „T“, die moderner und futuristischer aussehen als die bisherigen Straßenbahnen, werden von Mai nächsten Jahres an in Betrieb genommen.

          Der Aufsichtsrat der VGF, deren Vorsitzender Verkehrsdezernent Oesterling ist, hat neben der Verlängerung der Straßenbahnzüge zwei weitere Entscheidungen getroffen, die nach Angaben von Oesterling für die Straßenbahn in Frankfurt zukunftsweisend sind: Künftig sollen die Straßenbahnen mit 2,65 Metern so breit gebaut werden wie die U-Bahnen. Das biete die Chance, auch die Straßenbahnwagen geräumiger und bequemer auszugestalten. Oesterling geht davon aus, dass die nächste Generation Straßenbahnen diese Maße haben werden. Bis dahin, der SPD-Politiker spricht vom Jahr 2025, sollen alle Straßenbahngleise entsprechend ausgebaut sein. Schon jetzt werde bei jeder Sanierung darauf geachtet, ausreichend Raum zwischen den Gleisen zu schaffen.

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