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Fintech Start-up : Vom Liebling zum Buhmann

In der Kritik: Savedroid-Gründer Yassin Hankir. Bild: Etienne Lehnen

Das Fintech Savedroid war ein Star am Finanzplatz. Doch nach einer missglückten PR-Aktion ist davon wenig geblieben. Jetzt folgt ein neues Kapitel einer seltsamen Geschichte.

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          Morddrohungen? Yassin Hankir möchte sich mit diesem dunklen Kapitel seines Lebens lieber nicht allzu lange aufhalten. Ja, sagt der Gründer des Frankfurter Start-ups Savedroid, es habe Nachrichten an ihn gegeben, die man als Morddrohungen habe interpretieren können. Und natürlich gingen die bis heute anhaltenden Anfeindungen nicht spurlos an ihm vorbei. „Aber man darf das nicht persönlich nehmen“, sagt er, „sonst ist man bei der Arbeit immer nur gefrustet“.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Spätestens seit einer zweifelhaften PR-Aktion im Frühjahr 2018 ist der Gründer von Savedroid, einst ein Star am Frankfurter Fintech-Himmel, zu einer stark polarisierenden Persönlichkeit geworden – und die Geschichte des Finanztechnologie-Start-ups um viele Kapitel reicher. In ihnen geht es um völlig neue Geschäftsmodelle, um Millionenbeträge und um verärgerte Kunden, die Hankir bis heute öffentlich als Betrüger bezeichnen.

          Der Schein trügt

          Die Savedroid-Story begann im September 2015 mit einer schlüssigen Sparidee: Eine App transferierte anhand festgelegter Regeln Euro vom Giro- auf ein Sparkonto, zum Beispiel fünf Euro bei jedem Tweet von Donald Trump. Damit sollten Kunden ihre Sparziele besser erreichen. Savedroid wollte im Gegenzug die Kontodaten nutzen, um den Kunden zum Beispiel günstigere Versicherungen und Handyverträge anzubieten und dafür Provisionen zu kassieren. Mit seinem umtriebigen Chef Hankir, einem ehemaligen Berater, wurde Savedroid bekannt und sogar von der Deutschen Börse ausgewählt, in von dem Konzern geförderte Büroräume einzuziehen. Es lief perfekt – scheinbar.

          Doch wie bei jungen Firmen üblich benötigte Savedroid Geld, um im hart umkämpften Finanzmarkt bestehen zu können. Gut zwei Jahre nach Gründung sorgte Savedroid deshalb mit einem spektakulären Finanzierungs-Coup für Aufsehen. Das Unternehmen sammelte im Rahmen eines Initial Coin Offerings (ICO) angeblich rund 40 Millionen Euro ein, rund 35.000 Anleger sollen in die virtuellen Gutscheine („Token“) investiert haben. Tatsächlich soll auf dem Savedroid-Konto deutlich weniger gelandet sein, weil erhebliche Beträge selbst mit virtuellem Krypto-Geld gezahlt wurden. Während Savedroid die Millionen dazu verwenden wollte, die Spar-Anwendung zu einer App zu erweitern, bei der man Kryptowährungen wie etwa Bitcoin anlegen und verwalten kann, sollten die Käufer die Gutscheine einsetzen können, um diese Handelsgeschäfte mit Kryptowährungen über Savedroid abzuwickeln.

          PR-Stunt und Resonanz

          Im April 2018 suggerierte Hankir plötzlich in sozialen Medien, er habe sich mit den erlösten Millionen aus dem Staub gemacht – ein Schock für die Käufer. Einen Tag später erklärte der Gründer die Aktion für einen PR-Gag. Während sich zahlreiche Fintechs von Hankir distanzierten und viele Gutscheinbesitzer um ihr Geld fürchteten, gab sich der Betroffene überrascht von der Welle der Empörung. Heute sagt er zwar, die Aktion sei „offen gesagt schlecht“ gewesen. Aber seitdem habe man hart daran gearbeitet, das Image der Firma aufzupolieren.

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          Genau das vermag Savedroid derzeit kaum zu gelingen. Denn während Hankir behauptet, der PR-Stunt habe allein dazu gedient, auf die Gefahren von Kryptowährungen hinzuweisen, lautet die Kritik, er habe eine Agentur aufbauen wollen, um Unternehmen bei ICOs zu beraten und deshalb die Aktion ausgeklügelt.

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