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„Oven Light“ : Das böse Leuchten

„Oven Light“: Arbeiten von Tala Madani in der Frankfurter Ausstellungshalle Portikus Bild: Diana Pfammatter

Lichtmalerei in der Frankfurt: Im Portikus ist eine Ausstellung mit Arbeiten der 1981 geborenen Künstlerin Tala Madani zu sehen.

          Diese Malerei ist ziemlich beunruhigend. Und auch die Animationen sind alles andere als anheimelnd. Irgendetwas führt da entschieden in die falsche Richtung, läuft ganz schief, hier geschieht etwas, das sich der Kontrolle entzieht, grausame Dinge, das Unbewusste bricht sich Bahn. Die Figuren, die daran beteiligt sind, gehen mit einer traumwandlerischen Sicherheit zur Sache, scheinen Teil einer somnambulen Sphäre zu sein, in der Skurriles, Bizarres, Absurdes selbstverständlich ist. Wie in einem zweiten Leben, einer zweiten Welt, einem Kosmos hinter dem Alltäglichen, bevölkert von oft comicartig gezeichneten Gestalten, darunter viele unattraktive Männer mit offenbar gestörter Libido. Allenthalben seltsame Bedrohungen. Auch plakative Verheißungen. Merkwürdige Lichterscheinungen. Eigenartige Farbverläufe, die zusammenschießen wie Körpersäfte in einen Bluterguss.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Kleine Figuren haben mit einer riesigen phallischen Form zu kämpfen, und immer wieder strahlt es aus dem Inneren großer Öfen, sind Backröhren Orte der Erleuchtung. Man ist versucht, an Sylvia Plath und ihren Suizid zu denken, an den Gasofen, der, in den heimischen Herd integriert, für die Generation der 1932 geborenen amerikanischen Schriftstellerin ebenso ein Symbol für die Einschränkung der weiblichen Kreativität darstellte, wie er es vermutlich für eine Vielzahl von Frauen im Iran heute noch ist. Tala Madani wurde 1981 in Teheran geboren. Die männlichen Protagonisten auf ihren Bilden stammen offenbar zum Großteil aus dem Mittleren Osten.

          Im Zentrum steht der Ofen

          Im Portikus, der Ausstellungshalle der Frankfurter Städelschule auf der von der Alten Brücke aus erreichbaren Main-Insel, widmet sich jetzt eine Einzelausstellung der in Los Angeles lebenden Künstlerin. Ihr Titel „Oven Light“ verweist auf das zentrale Motiv dieser Schau, den Ofen, ein sehr breites Modell, der für jeden noch so großen Truthahn geeignet scheint, offenbar ein Gerät, wie es in den Vereinigten Staaten gebräuchlich ist. Bei Tala Madani jedoch steckt kein Großgeflügel darin, sondern Körper, nackte Leiber. Oder das an den Starkstrom angeschlossene Küchenmöbel leuchtet einfach so vor sich hin, verströmt ein Licht, als sei es die Pforte zum Jenseits, zu einer anderen Dimension, vielleicht auch nur zu einem kinematographischen Ereignis der dritten Art.

          In den Öfen wie an anderen Stellen im Werk der Malerin gleißt und glüht es überirdisch, malt sie doch mit einem Licht, dessen Künstlichkeit auf die Spitze getrieben wird. So irreal und magisch glänzt es aus sich selbst heraus, dass sich letztlich alle Assoziationen mit real existierenden Personen und Objekten, Obsessionen und Emotionen auflösen in einem phantastischen, gespenstischen Raum, der ziemlich beklemmend wirkt, hermetisch und trotz aller Lichter von der Dunkelheit dominiert. Und es ist kein freundliches Flackern und Flimmern, das die Düsternis durchbricht. Die schwarzen Flächen machen diese Kunst noch unzugänglicher, nichts ist vertraut, sie nimmt einen vielmehr mit in ein Schattenreich, eine parallele Wirklichkeit, in der man sich weniger fasziniert als befremdet bewegt.

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