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Frankfurter Städelschule : Der Erfolg muss weitergehen

  • -Aktualisiert am

Trotz ihrer Anerkennung bleibt ihre finanzielle Existenz ungewiss: die Städelschule. Bild: Hoang Le, Kien

Die in aller Welt angesehene Städelschule mit ihren namhaften Absolventen und Professoren steht in Frankfurt oft im Schatten spektakulärer Kultur.

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          Doch die Kunstproduktion ist genauso wichtig - und braucht Unterstützung.

          Da sitzen sie alle beim Mittagessen in der Mensa der Städelschule zusammen, „die phantastischen Künstler, die zugleich phantastische Lehrer sind“, wie es der frühere Rektor Daniel Birnbaum jüngst formulierte: Douglas Gordon, der bedeutende Videokünstler, wie sein Künstlerkollege Simon Starling Träger des Turner-Preises. Oder Tobias Rehberger, berühmt und begehrt in der Kunstszene. So bekannte Künstler und inspirierende Professoren wie Christa Näher, Michael Krebber, Willem de Roij und Judith Hopf gehörten vor kurzem neben dem jetzigen Rektor Nikolaus Hirsch ebenfalls zur illustren Runde.

          Dass sehr erfolgreiche Künstler ihren Lehrauftrag mit großem Engagement wahrnehmen, ist sicher ein Grund für das weltweite Ansehen der Hochschule, die mit 150 Kunststudenten und 40 Architekturstudenten angenehm überschaubar ist. Was die Attraktion wohl noch erhöht: Auch in diesem Jahr bewarben sich 600 junge Menschen vieler Nationen um einen Studienplatz an der Kunstakademie. 40 Kandidaten wurden zu einem persönlichen Gespräch mit den Professoren eingeladen, 20 erhielten zum Schluss eine Zusage.

          Wie allzuoft: beliebt, aber nicht finanziell in ausreichendem Maße gestützt

          Also „business as usual“? Schön wäre es ja. Doch so erfreulich die gelebte Kreativität in der Schule und der Ruhm ihrer Absolventen sind, so ungewiss sieht die finanzielle Zukunft aus: Wenn Christa Näher im Frühjahr in Pension geht, kann die Professur für Malerei, wie es gegenwärtig aussieht, nicht mehr besetzt werden: Durch die Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst entstand ein Fehlbetrag von jährlich 100.000 Euro im Budget.

          Eine Kunstakademie ohne Malereiklasse wäre natürlich eine Absurdität und würde sich auf das hohe Ansehen der Schule negativ auswirken. Hirsch hofft, dass die Stadt Frankfurt die Tarifsteigerung ausgleichen werde, zumal seit 2008 keine Erhöhung des Budgets erfolgt sei. Die Stadt müsse die Substanz der Schule gewährleisten, deren eigenes Budget völlig festgelegt sei: durch die Renten früherer Professoren und Mitarbeiter, die Gehälter der jetzigen Lehrer und Mitarbeiter, auch durch Mieten, zum Beispiel die rund 100.000 Euro jährlich für den Portikus an die Stiftung Giersch. Weitere Einsparungen seien, nachdem die Abendschule von nächstem Jahr an selbständig sei und der Städelschule keine Kosten mehr verursache, nicht möglich: „Wir haben jetzt keinerlei freie Verfügungsmasse mehr“, sagt Hirsch, etwa für Exkursionen mit den Studenten.

          Das erste Charity-Fest verlief erfolgreich

          Auch Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) betont, die Malereiprofessur sei zweifellos außerordentlich wichtig für die Städelschule, kann sich aber über die Haushaltsberatungen, die nach der Sommerpause fortgesetzt werden, derzeit verständlicherweise nicht äußern. Immerhin hat das Kuratorium der Schule optimistisch beschlossen, die Professur für Malerei auszuschreiben - und Hirsch konstatiert erfreut, dass es sehr interessante Bewerbungen gebe.

          Das allererste Charity-Fest zugunsten der Städelschule, zu dem Annemarie Steigenberger vor einiger Zeit einlud, war ein rauschender Erfolg. Den Erlös von Benefizabenden habe bisher noch nie die Städelschule erhalten, er sei stets an Museen oder andere Kulturhäuser gegangen, sagte die Gastgeberin. Das liege wohl daran, dass viele irrtümlich meinten, die enormen Spenden für das Städelmuseum kämen zum Teil auch der Städelschule zugute.

          Kann die kulturelle Vielfalt einen Vorteil für die Städelschule bedeuten?

          Für die Hochschule Sponsoren zu akquirieren, ist schwierig. Für Ausstellungen oder Neubauten, für Sichtbares also, wird lieber gespendet als für die Ausbildung von Künstlern. Doch wie lohnend wäre es! Auf der 13. Documenta in Kassel sind zur Zeit zehn Städelschulabsolventen vertreten, das sind rund zehn Prozent aller dort vertretenen zeitgenössischen Künstler, eine enorme Zahl, die Frankfurter Lokalpatrioten erfreuen müsste.

          Zufrieden könnten sie feststellen, aus welch fernen Ländern die Künstler zum Studium nach Frankfurt kamen: Aus Thailand Pratchaya Phinthong, der zwei Tsetsefliegen in einem Glaskubus zeigt, die in Afrika Tausende mit der tödlichen Schlafkrankheit infizieren. Aus Polen stammt Maria Loboda: Sie pflanzte in orangerote Töpfe zwölf Zypressen, die sie gemäß verschiedener militärischer Taktiken durch die Karlsaue wandern lässt. Der Däne Tue Greenfort verwandelte die einst für Schwarzschwäne gedachte Hütte im Wasser in eine Zuflucht für die Theoretikerin Donna Haraway und andere Interessenten. Guillermo Faivovich und Nicolás Goldberg aus Buenos Aires durften ihren südamerikanischen Meteoriten nicht nach Kassel transportieren, dokumentieren aber ihren Plan, Haegue Yang aus Korea ist im Hauptbahnhof präsent. Die Professorin Judith Hopf zeigt eine Arbeit im einstigen KZ Breitenau, Thomas Bayrle, Lehrer vieler heute renommierter Künstler, macht mit seiner riesigen Flugzeugzeichnung und betenden Motoren Furore. Die Präsenz der Städelschule in Kassel sollte auch Frankfurter Politikern als Argument für weitere Unterstützung dienen.

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