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Frankfurter Stadtwald : Nur drei Prozent der Bäume gesund

Totalschaden: Viele kranke Bäume sind nur noch Skelette. Bild: Wonge Bergmann

Mit 5000 Hektar ist der Frankfurter Stadtwald bundesweit einer der größten innerstädtischen Forste. Nach zwei heißen und trockenen Sommern in Folge ist sein Zustand so schlecht wie nie zuvor.

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          Man muss nicht mehr den Kopf in den Nacken legen, um die Schäden an den Bäumen im Frankfurter Stadtwald zu entdecken. Die Zeiten, in denen nur die Kronen der Bäume lichter wurden, sind längst vorbei. Beim Spaziergang sind leicht ganze Baumgruppen auszumachen, die abgestorben sind. Auf dem Waldboden türmen sich abgebrochene, trockene Äste, an alten, turmhohen Buchen ist die gesamte Rinde, die eigentlich Schutz bieten soll, von der Hitze aufgeplatzt. Bäume ragen skelettartig in den Himmel. Andere Areale sind völlig kahl. Der Stadtforst hat dort das sogenannte Schadholz bereits gefällt und abtransportiert. Bei genauem Hinsehen entdeckt man am Boden schon die ersten, kniehohen jungen Bäume. Es ist der Versuch, so schnell wie möglich den Wald wieder aufzuforsten.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kurzum: In einem so schlechten Zustand wie derzeit war der Stadtwald in den vergangenen Jahrzehnten noch nie. Der Waldzustandsbericht 2019 hatte im Herbst des vergangenen Jahres belegt, dass nach den beiden heißen und trockenen Sommern in Folge knapp 97 Prozent der Bäume in irgendeiner Form geschädigt, im Umkehrschluss also nur noch drei Prozent völlig gesund sind. Etwa 64 Prozent der Gehölze sind nach Angaben von Tina Baumann, Leiterin des Stadtforstes, mittelschwer bis stark geschädigt. Auch das hat es seit 1984, als der Zustandsbericht erstmals erstellt wurde, noch nicht gegeben. „Betroffen sind alle Baumarten“, sagt Baumann, wenn auch die Kiefer am besten mit der extremen Wetterlage zurechtgekommen sei. Buche und Eiche, die Hauptbaumarten im Stadtwald, habe es hart getroffen. Das Schadholz habe sich 2019 auf die fünfzehnfache Menge eines normalen Jahres summiert. Das hat Folgen für den Holzpreis, der von durchschnittlich 45 Euro je Kubikmeter um mehr als die Hälfte auf 19 Euro gesunken ist.

          Die Pflege des Waldes bringt kein Geld mehr

          Die Konsequenzen für den Stadtforst, der Teil des Grünflächenamtes ist, sind fatal, schließlich hat er bisher durchschnittlich eine halbe Million Euro Gewinn im Jahr erwirtschaftet. Eine wichtige Einnahmequelle für das Amt, das auch für Pflege und Reinigung der Parks zuständig ist. Gleichzeitig hat der Stadtforst derzeit deutlich höhere Ausgaben. Es müssen mehr Bäume gefällt und andere an Straßen und zentralen Wegen kontrolliert werden, damit sie nicht plötzlich umstürzen und Passanten verletzen. Und noch eine Herausforderung gibt es zu bewältigen: Während heimische Baumarten unter den Wetterextremen leiden, breitet sich die Spätblühende Traubenkirsche, eine invasive Art aus Nordamerika, immer schneller aus. „Die wächst alles tot“, sagt Baumann. Um dem Nachwuchs anderer Baumarten eine Chance zu geben, muss die Traubenkirsche gerodet oder heruntergeschnitten werden. „Das ist eine ganz große Aufgabe, die viel Geld kostet.“ Die Pflege des Waldes bringt also kein Geld mehr, sondern sie kostet welches. Baumann rechnet, dass die Stadt in diesem Jahr rund eine Million Euro investieren muss.

          Auch in die Wiederaufforstung. Von den Überlegungen einiger Experten, die Wälder komplett umzugestalten, nur noch auf neue, ausländische Baumarten zu setzen, hält Baumann nichts. „Wir bleiben bei unserem Konzept des stabilen Mischwaldes.“ Allerdings will sie außer „Klassikern“ wie Buche, Eiche und Kiefer auch neue heimische Arten wie Winterlinde, Elsbeere und Weißtanne pflanzen sowie nicht heimische Arten wie Schwarzkiefer, Baumhasel und Atlaszeder testen. „Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen.“

          Umweltdezernentin Rosemarie Heilig zufolge bleibt mit Blick auf den Wald nur eines – „inständig zu hoffen“, dass das Wetter in diesem Sommer so bleibt, wie es sich in den vergangenen Wochen gezeigt hat: mit Regenschauern, einzelnen wärmeren Tagen und immer wieder kühleren Temperaturen. „Wir brauchen einen typisch deutschen Sommer.“ Ansonsten habe der Frankfurter Stadtwald nach den zwei heißen, trockenen Sommern in Folge kaum noch eine Chance, sich zu erholen. Auf die Frage, ob auch jeder Einzelne etwas tun könne, um den Wald zu retten, antwortet sie: „Natürlich, es gilt CO2 einzusparen.“

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