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Frankfurter Stadtplanung : Weichgespülter Wachstumsplan

Nur noch ein „Josefstädtlein“: Das Frankfurter Neubaugebiet wird nur halb so groß wie ursprünglich geplant. Bild: Wolfgang Eilmes

Um Wohnungsbau und Gewerbe-Ansiedlung zu steuern, hat die Stadt Frankfurt 2019 ein integriertes Konzept erarbeiten lassen. Doch es wurde stark gekürzt und enthält Altbekanntes.

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          Das Jahr 2019 endet für die Frankfurter Stadtplaner mit einer herben Enttäuschung. Sicher, es hätte noch schlimmer kommen können: Beinahe hätte die Regionalversammlung den neuen Stadtteil im Nordwesten der Mainmetropole komplett abgelehnt. Aber auch dass die beiderseits der A5 geplante „Josefstadt“ nun halbiert werden muss – eine Entwicklung ist auf Wunsch der Regionalversammlung nur noch östlich der Autobahn möglich –, ist für die Frankfurter Stadtplaner schwer zu verkraften.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Anwohner der Nachbarstädte, Naturschützer und Landwirte freuen sich, dass die Äcker westlich der Autobahn vorerst nicht bebaut werden können. Aber was die Versorgung mit Wohnraum angeht, so ist das Ende des Projekts ein böses Omen. Wer auf die nackten Zahlen blickt, versteht, warum. Schon heute kann der Wohnungsbau mit dem Bevölkerungswachstum nicht mithalten. Das liegt vor allem daran, dass Frankfurt kaum noch Bauland ausweisen kann. Weite Teile des unbesiedelten Stadtgebiets stehen unter Naturschutz, die Versiegelung neuer Flächen scheitert zudem an politischen Widerständen. Die Bevölkerungsprognose weist unterdessen weiter steil nach oben. Bis 2030 werden 100.000 zusätzliche Einwohner erwartet. Einschließlich des Nachholbedarfs werden in Frankfurt bis dahin rund 90.000 Wohnungen fehlen.

          In der „Josefstadt“ sollten 8000 bis 12.000 neue Wohnungen entstehen, beiderseits der Autobahn 5. Diese Zahl kann man jetzt getrost halbieren. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat nun ein ernstes Problem: Der Wegfall einiger tausend Wohnungen lässt sich nicht einfach kompensieren. Zumal das Stadtgebiet gerade erst nach neuem Bauland abgesucht wurde.

          Kein „Wohnflächensuchkonzept“

          Für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, das die Stadtverordneten im Herbst beschlossen haben, wurden 220 Flächen daraufhin untersucht, ob sie sich für eine Bebauung eignen. Fachämter, Dezernate und die Politik einigten sich auf acht Schwerpunkträume – darunter die „Josefstadt“ –, die nun vordringlich entwickelt werden sollen (siehe Grafik). Eine ursprünglich in dem Konzept enthaltene Strategiekarte mit noch weiter reichenden Ideen wurde nicht beschlossen. Mehrere Jahre hat es gedauert, bis das Konzept endlich fertig und – in einer verschlankten Variante – auch beschlossen war. Es erscheint nicht sinnvoll, diesen Prozess mit den gleichen Mehrheitsverhältnissen noch einmal zu eröffnen.

          Der Städtebaubeirat, der die Stadtplaner berät, weist darauf hin, dass es sich bei dem interdisziplinären Papier nicht nur um ein „Wohnflächensuchkonzept“ handele, sondern um ein „fachübergreifendes Zukunftskonzept für die Gesamtstadt“. Tatsächlich wurde das Integrierte Stadtentwicklungskonzept zwischen acht Fachämtern abgestimmt. Es setzt nicht nur den Rahmen für den Wohnungsbau, sondern auch für die Entwicklung der Grünflächen und Freiräume und für die Zukunft der Gewerbegebiete.

          Die Wachstumsschmerzen der Metropole – steigende Bodenpreise, hohe Wohnkosten, Verdrängung von sozial schwachen Haushalten und weniger zahlungskräftigen Unternehmen – sollen durch das Konzept gelindert werden. Noch unter Josefs Vorgänger Olaf Cunitz (Die Grünen) wurde damit begonnen, eine Strategie für die mittelfristige Stadtentwicklung bis 2030 zu entwickeln. Das geschah in den Fachämtern auch ohne Denkverbote. Viele Ergebnisse waren politisch jedoch nicht konsensfähig. So sind umstrittene Punkte wie eine Besiedlung des Pfingstbergs, ein neues Gewerbegebiet am Bad Homburger Kreuz, ein Gewerbe- oder Wohngebiet am Main-Taunus-Zentrum und ein Wohngebiet in Bergen-Enkheim nicht mehr in dem Konzept enthalten.

          Norden und Westen besonders wichtig

          Die weichgespülte Version des Papiers enthält kein Konfliktpotential. Im Ergebnis sind acht Schwerpunkträume übrig geblieben, die für die Stadtentwicklung besonders wichtig sind. Sie liegen überwiegend im Frankfurter Norden und Westen, denn im übrigen Stadtgebiet ist die Entwicklung durch Restriktionen wie den Fluglärm stark eingeschränkt.

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