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„Friends in Banks“ : Der richtige Finanzberater nach der Parship-Methode

Ungewöhnliches Modell: In Frankfurt vermittelt die Sparkasse Finanzberater für eine bessere Kundenbindung. Bild: dpa

Die Frankfurter Sparkasse will mit einem ungewöhnlichen Modell neue Kunden für sich gewinnen. Denn die Suche nach dem richtigen Finanzberater verläuft hier wie in einem Dating-Portal.

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          Über Jan Funke kann man im Internet allerhand erfahren. Dass er Snowboarder ist zum Beispiel. Dass er aus Berlin stammt. Dass er eigentlich Flugzeugmechaniker werden wollte. Ist er aber nicht. Jan Funke leitet das Finanzcenter der Frankfurter Sparkasse an der Bockenheimer Warte in der Mainmetropole, und was über ihn zu lesen ist, mag sich vielleicht ein wenig so anhören wie in einer Kontaktanzeige, aber das trifft es nicht.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Denn er sucht keine Frau – der Sechsundvierzigjährige ist verheiratet –, sondern Kunden. Und um weitere zu gewinnen, macht er wie an die 300 andere Kundenberater der Frankfurter Sparkasse seit knapp einem Jahr bei dem ungewöhnlichen Projekt „Friends in Banks“ mit.

          Idee aus der Belegschaft

          Es war eine Idee aus der Belegschaft: Kunden der Sparkasse sollten sich einen Berater so ähnlich suchen können wie einen Partner fürs Leben auf Vermittlungsplattformen wie Parship: Sie beantworten eine Reihe von Fragen, und dann werden ihnen Berater vorgestellt, deren eigenes Leben zumindest in einigen Punkten denen des potentiellen Kunden gleicht.

          Und es hat geklappt. Nicht die Massen an neuer Kundschaft gewinnt die Sparkasse auf diese pfiffige Art und Weise, aber doch den einen oder anderen. Bei vier potentiellen Kunden galt Funke in diesem Jahr als die passende Wahl, zwei sind wirklich Kunden geworden, der eine ging am Ende zu einer anderen Filiale. Einer aber kam wirklich zu ihm, ein junger Mann, der auch aus Berlin stammt und der auch mit Funke die Liebe zur Musik teilt. Die Chemie stimmte, der neue Kunde, wiewohl eine Generation jünger, ließ sich von Funke beraten, richtete zumindest fürs Erste ein Girokonto bei der Frankfurter Sparkasse ein. In der Pressestelle des Kreditinstituts freut man sich über solche Erfolge, nicht weniger aber auch über das enorme Echo, das die Aktion „Friends in Banks“ vor Jahresfrist auslöste. Schließlich ist es in der Branche immer schwieriger, sich von der Konkurrenz abzusetzen, die Zinsen haben sich auf einem niedrigen Niveau angeglichen, auch neue Produkte zur Geldanlage zu entwickeln ist nicht einfach.

          Projekt sorgt für mächtig Wirbel

          „Wir hatten ja keine Ahnung, was alles passieren würde“, sagt die Sprecherin der Frankfurter Sparkasse. 30.000 Frauen und Männer haben die Seiten mit dem Fragenkatalog bisher aufgerufen, im Schnitt wurde an jedem Arbeitstag einmal das Formular ausgefüllt, das der Kontaktanbahnung dient. Wie oft es wirklich zu einer neuen Kundenbeziehung gekommen ist, wird nach Absprache mit der Personalvertretung nicht erfasst.

          Jedenfalls hat das Projekt innerhalb des Hauses für mächtig Wirbel gesorgt. Wer dabei ist, wird mit besonderen Erfahrungen belohnt. Das gilt auch für Florian Hitzel, Privatkundenberater im Finanzcenter der Sparkasse in Maintal, der berichtet, „eine Handvoll“ Kontakte habe es im Laufe dieses Jahres gegeben, unter anderem sei es um Immobilienfinanzierungen gegangen.

          Auch über Hitzel ist im Internet manches zu lesen, dass ein perfekter Tag für ihn mit Kumpels am Strand beginnen kann zum Beispiel, und dass er auch schon einmal feiert bis in die Puppen, aber auch, dass er im Beruf stets motiviert sei. So etwas aufzubereiten macht viel Arbeit, die dauerhaft besteht, weil neue Kundenberater hinzukommen, wie die Konzernsprecherin erläutert, die sich alles in allem zufrieden zeigt. Es sei ein „riesengroßer Testballon“ gewesen, und 200 Kontakte bisher seien doch „eigentlich ganz gut“, meint sie. Das Projekt wird fortgeführt, neu hinzugekommene Kollegen zeigten großes Interesse und die Kundenschar ja offenbar auch.

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