https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurter-schule-mit-turbo-abi-bei-uns-funktioniert-g8-12801142.html

Frankfurter Schule mit „Turbo-Abi“ : „Bei uns funktioniert G8“

Standhaft: Das Carl-Schurz-Gymnasium könnte bald die einzige neusprachliche G8-Schule in Frankfurt sein. Bild: Eilmes, Wolfgang

Ein hessisches Gymnasium nach dem anderen kehrt zu G9 zurück. Die Carl-Schurz-Schule gehört zu den wenigen, die dem Trend widerstehen. Stellt sich die Frage, was diese Frankfurter Schule anders macht.

          2 Min.

          Hans-Ulrich Wyneken ist angriffslustig. „Sehen Sie bei uns Schüler mit schwarzen Augenringen, die ausgelaugt über den Flur schlurfen?“, fragt er sarkastisch. Nein, die Carl-Schurz-Schüler scheinen, ebenso wie ihr Direktor, in bester Verfassung zu sein. Trotz G8, muss man hinzufügen. Trotz des „Turbo-Abiturs“, das dafür verantwortlich gemacht wird, dass Schüler ihre Kindheit, Eltern ihren Feierabend und Sportvereine ihren Nachwuchs verlieren.

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

          Doch damit ist in Frankfurt bald Schluss. Im nächsten Schuljahr werden mindestens zwölf der 16 Gymnasien ihre Schüler wieder in neun Jahren zum Abitur führen. Die Carl-Schurz-Schule in Sachsenhausen ist, abgesehen von den beiden altsprachlichen Gymnasien, die letzte sichere G8-Bastion. „Wir sind allein auf weiter Flur“, sagt Wyneken. Dabei sei er damals, als die Schulzeit verkürzt wurde, selbst skeptisch gewesen. Doch das liegt eine Schülergeneration zurück. „Inzwischen hat sich G8 bei uns, auch zu meiner Überraschung, positiv entwickelt.“

          G9 bei drei von vier Schulen

          Wyneken nennt ein Beispiel: Trotz des fehlenden Jahres brächten die G8-Schüler dieselben Leistungen wie frühere Generationen. Es gebe sogar weniger Sitzenbleiber als bei G9, was möglicherweise damit zusammenhänge, dass sich das Schulklima unter G8 verändert habe: Die Lehrer wüssten, dass die Anforderungen hoch seien, hätten schwächere Schüler im Blick und versuchten, jeden zu stärken.

          Vor gut zwei Jahren hatte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) das Comeback von G9 eingeleitet. Es folgte eine Änderung des Schulgesetzes, nach der die Gymnasien selbst entscheiden können, ob sie G8 den Rücken kehren wollen. Nachdem einige das zu diesem Schuljahr schon getan haben, folgt zum nächsten Schuljahr die große Mehrheit. Hessenweit werden drei von vier Schulen mit gymnasialem Bildungsgang wieder das Abitur in neun Jahren anbieten.

          „Chaotische“ Einführung von G8

          Auch an der Carl-Schurz-Schule wurde darüber diskutiert, ein G9-Konzept zu entwickeln. Doch das Kollegium entschied sich mit 38 zu 23 Stimmen dagegen. Somit erreichte die Entscheidung nicht die Gesamtkonferenz, in der auch die Eltern hätten abstimmen können. Wie ihr Votum ausgefallen wäre, kann die Schulelternbeiratsvorsitzende Ulrike Heller nicht sagen. Jedenfalls sei die Stimmung längst nicht so klar für G9 wie an anderen Schulen. Sie selbst habe vier Kinder auf der Schurz-Schule, die mit G8 gut zurechtkämen und genügend Zeit für freiwillige Aktivitäten wie Orchester und Chor hätten.

          Ebenso wie Wyneken kommt Heller zu dem Fazit, „dass an unserer Schule G8 funktioniert“. Dabei gibt sie den Kritikern recht, dass die Einführung der kürzeren Schulzeit „chaotisch“ gewesen sei. Doch an der Schurz-Schule sei es gelungen, den Unterricht so zu organisieren, dass die Schüler nicht überlastet würden. Ein wichtiger Schritt war für den stellvertretenden Direktor Hans Bender die Umstellung der Schulstunde auf 65 Minuten. Das sei ein guter Mittelweg zwischen der früher üblichen Dreiviertelstunde, die nicht genug Zeit für ein Thema lasse, und den mit G8 fast überall eingeführten Doppelstunden, die jüngere Schüler überforderten.

          Aktueller Fragebogen zu G8

          Ein Fehler, den auch die Schurz-Schule bei der G8-Einführung gemacht habe, sei die Konzentration des Nachmittagsunterrichts auf bestimmte Tage gewesen, sagt Bender. Inzwischen sei man dazu übergangen, täglich nachmittags zu unterrichten, allerdings immer unterbrochen durch das Mittagessen und nur so lange, dass noch genügend Freizeit bleibe. Und schließlich sei es, wenn auch unter großen Anstrengungen, gelungen, den Lehrplan zu entschlacken.

          Ob die Eltern und Kinder die weitgehende Zufriedenheit mit G8 teilen, versucht der Elternbeirat derzeit durch eine Umfrage herauszufinden. Auf einem sehr detaillierten Fragebogen kann jeder angeben, wie er den Schulalltag erlebt und welche Wünsche bestehen. Mehr als die Hälfte der rund 1000 Befragten habe ihre Antworten schon abgegeben.

          Weitere Themen

          Der Perlentaucher

          Götz Alsmann auf Tournee : Der Perlentaucher

          Für sein neues Programm und sein neues Album „L.I.E.B.E.“ hat Götz Alsmann wieder unbekannte Schlagerschätze geborgen. Im Interview erklärt der Entertainer auch, wie es zu dem Titel kam.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Frankfurt Jobs
          Jobs in Frankfurt finden
          Immobilienmarkt
          Immobilien kaufen, mieten und anbieten
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis