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Frankfurter Römer : Ratlos im Ratskeller

  • -Aktualisiert am

Freie Platzwahl: Während sich vor dem Römer die Touristen tummeln, steht der Ratskeller seit Jahren leer. Vorschlag der FDP - ein Apfelweinmuseum. Bild: Ly, Martin

Seit mehr als drei Jahren steht der Ratskeller im Römer leer. Eine Idee für die künftige Nutzung gibt es immerhin.

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          Schweinshaxe mit Sauerkraut, Schnitzel mit Pommes und Bier – allein der Gedanke an einen Ratskeller lässt einem in den meisten deutschen Städten das Wasser im Mund zusammenlaufen. Nicht so in Frankfurt. Dort steht der Ratskeller im Römer seit mehr als drei Jahren leer. Während sich auf dem Römerberg die Touristen tummeln, ist es vor dem Eingang zum Ratskeller ruhig. Einzig der leere Glaskasten für die Speisekarte weist darauf hin, dass sich hinter den verschlossenen Holztüren einst eine Gastwirtschaft befand.

          Dass der Ratskeller bis Anfang 2015 als Kantine für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung gedient hat, ist den Passanten am Paulsplatz bekannt. Was seitdem dort passiert ist und wie es weitergeht, weiß dagegen niemand so recht. Schon damals gab es Kritik an der Art, wie sich Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) um das Thema kümmerte, nämlich „stümperhaft“, wie der Grünen-Fraktionsvorsitzende Manuel Stock sagte. Eine Idee für die künftige Nutzung gibt es schon lange. Am Mittwochabend wurde sie während einer Veranstaltung von FDP und dem Förderverein Deutsches Apfelweinmuseum vorgestellt.

          Museum mit Showküche

          Ginge es nach den Veranstaltern, wäre im Ratskeller schon bald ein Apfelweinmuseum mit angeschlossener Gastronomie untergebracht. „Frankfurt ist weltweit bekannt als Stadt, in der Apfelwein eine tragende Rolle spielt“, begründet der Gastronomieberater Andreas Eggenwirth die Idee und fügt hinzu: „Apfelwein ist Frankfurt und gehört nach Frankfurt.“

          Ein Konzept gibt es schon. Sogar, welcher Raum für welche Ausstellungsstücke genutzt werden soll, steht fest. „Der Ratskeller soll ein Hybrid aus Museum und kleiner Erlebniswelt sein“, findet der Architekt, Denkmalschützer und Konzeptentwickler Udo Mann. In fünf verschiedenen Abteilungen, die Namen wie „Vom Baum zum Bembel“, „Das Bembel-Kabinett“ und „The World of Apple Wine“ haben, soll das Museum über den Apfelwein und seine Herkunft aufklären. Das Herz bildet dabei ein Apfelweinrestaurant mit Showküche, in der regionale und saisonale Gerichte zubereitet werden sollen.

          Stadt soll auf Pacht verzichten

          Das Konzept umfasst auch eine Finanzierung. „Die derzeitige Kostenschätzung für den Umbau und die Realisierung des Museums liegt bei 1,2 Millionen Euro“, sagt Mann. Insgesamt 700 000 Euro Fördergeld von Stiftungen habe der Verein schon zugesagt bekommen.

          „Wir wollen der Stadt mit diesem Projekt nicht auf der Tasche liegen“, sagt der Gastronom und Unterstützer der Idee, Thorsten Dorn. „Deshalb soll das Museum mit der Gastronomie querfinanziert werden.“ Außerdem müsse die Stadt als Eigentümer des Ratskellers zunächst einmal für drei Jahre auf die Pacht verzichten. „Wenn der Betrieb angelaufen ist, können wir dann neu verhandeln und eine angemessene Pacht bezahlen.“

          Bewerbungsprozess als faire Lösung?

          Die Idee liegt seit gut einem Jahr vor, ein Konzept zur Umgestaltung gibt es, die Finanzierung scheint zu einem erheblichen Teil geklärt zu sein. Wo liegt also das Problem? „Das Konzept ist geschrieben, wurde geprüft und vom Liegenschaftsamt für gut befunden“, sagt Dorn. Allerdings gebe es noch zwei weitere gastronomische Bewerber für den Ratskeller. „Durch die Umstrukturierung im Liegenschaftsamt weiß außerdem keiner mehr, wer zuständig ist.“ Seines Wissens liegt der Antrag seit einem halben Jahr beim Dezernat für Bau und Immobilien, davor sei der Oberbürgermeister zuständig gewesen. Eggenwirth sagt: „Es klemmt irgendwo.“

          „Es sollte einen Einsendeschluss für Bewerbungen und klare Ab- oder Zusagen geben“, meint Mann. Für den Verein entstünden Schwierigkeiten durch die Verzögerung. „Alle Stiftungen, von denen wir Fördergelder zugesagt bekommen haben, warten auf die Zusage, dass das Museum einziehen darf“, erläutert Dorn. Irgendwann würden die Zusagen der Fördermittel auslaufen und die Stiftungen das Geld anderweitig vergeben.

          „Nur wer laut ist, kriegt in dieser Stadt etwas“, sagt Stefan von Wangenheim, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP. „Wir müssen da jetzt richtig laut werden.“ Der konkrete Plan lautet: einen Antrag auf eine Entscheidung stellen und die Idee des Apfelweinmuseums in der Bevölkerung bekanntmachen. Mit „Ab 2018 – mitten in der Frankfurter Altstadt!“ werben schon Flyer und Internetseite des Apfelweinmuseums. Schulklassen und andere Gruppen haben schon nach Führungen durch das Museum gefragt. Von einer Eröffnung kann jedoch noch nicht die Rede sein.

          „Momentan stehen keine Entscheidungen an, was den Ratskeller betrifft“, sagt eine Sprecherin des Dezernats für Bau und Immobilien auf Anfrage. Es gebe eine städtische Arbeitsgruppe, die zurzeit die Bedingungen für die anstehende Ausschreibung abstimme. Ob das Apfelweinmuseum eine tragfähige Lösung wäre, könne sie nicht sagen.

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