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„Frankfurter Röhrenmanufaktur“ : Der Röhrenkönig von Oberrad

Tonangebend: Thomas Reußenzehn weiß, was Gitarristen wollen - weil er selbst in einer Band spielt. Bild: Lukas Kreibig

Thomas Reußenzehn baut Verstärker mit einer Technik, die lange als altmodisch galt. Für die begeistern sich aber auch weltberühmte Musiker.

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          „Geht auch klein“, sagt Thomas Reußenzehn, greift sich eine Gitarre und stöpselt das Kabel in das Verstärkerchen, einen Würfel von vielleicht 20 Zentimeter Kantenlänge. Reußenzehn schlägt einige Akkorde an, EL-34 liefert. Cremig-bluesig klingt es und ordentlich laut. „Absolut bandtauglich“, kommentiert sein Erbauer und erklärt kurz die Konstruktion des „Single Ended Class A“-Verstärkers. Röhre und Augen des Konstrukteurs leuchten.

          Hanns Mattes
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Thomas Reußenzehn ist Frankfurter durch und durch: Geboren im Haus Klappergasse 11, später für die Bäckerei des Großvaters als Brezelbub im Stadtteil unterwegs - mehr Sachsenhausen geht nicht. Bekannt wurde Reußenzehn allerdings nicht mit Laugengebäck, sondern mit Röhren: Der 61 Jahre alte Ingenieur entwickelt und baut hochwertige Verstärker für Musiker und Audiophile. Seine handgefertigten Geräte genießen internationalen Ruf; als „Röhren-Kunst“ wurden sie einmal in dieser Zeitung gerühmt. Das Online-Lexikon Wikipedia bescheinigt dem Frankfurter, seine „Erfindungen und Unikate trugen erheblich zur Beliebtheit hochwertiger Röhrenverstärker bei Musikern und Musikliebhabern bei“.

          Wie Reußenzehn zum Verstärker kam

          Seit einigen Jahren entstehen besagte Unikate in Oberrad in der „Frankfurter Röhrenmanufaktur“ an der Rebenstraße im laut Reußenzehn „einzigen Fachwerkhaus, das hier übrig geblieben ist“. Er hat es von einem Onkel übernommen. Wer die Manufaktur betritt, der findet sich in einer Mischung aus Werkstatt, Showroom und Museum wieder: Neben Reußenzehns Verstärkern, Boxen, Hallgeräten und Radios finden sich auch einige Orgeln vom legendären Typ Hammond B3, mit denen Musiker wie Deep Purples Jon Lord und Rick Wakeman von Yes zu Weltrum gelangten. Ein Fender-Rhodes-E-Piano steht an der Stirnwand des Ausstellungsraums neben einigen Marshall-Verstärkern, Modell 1959 - alles Klassiker der Rockmusik.

          Tatsächlich wurde Reußenzehn zunächst unter Musikern bekannt, obwohl sein erstes Gerät, das er als Dreizehnjähriger baute, ein HiFi-Röhrenverstärker mit einer Leistung von zweimal acht Watt war. Aber nach der Ausbildung zum Fernmeldetechniker finanzierte Reußenzehn sein Ingenieurstudium in Frankfurt zum einen als Musiker („zwei, drei Auftritte die Woche“), zum anderen mit einem Job beim Instrumentenhändler Musik Renz in Offenbach, damals eine Institution. „Weil in den anderen Läden die Verkäufer im weißen Kittel herumliefen und du um Gottes willen bloß nix anfassen durftest, bist du als Rockmusiker eben zum Renz gegangen.“

          Auch hessische Bands unter den Kunden

          Dessen Besitzer Manfred Büttner hatte als einer der Ersten den aufkommenden E-Gitarren-Boom in den sechziger Jahren erkannt und bot Instrumente und Verstärker von der Stratocaster bis zum Vox AC 30 an. Von 1974 an arbeitete Reußenzehn „beim Büttner“, reparierte dort Gitarrenverstärker und begann damit, die Geräte auch zu „tunen“, also an Kundenwünsche anzupassen. Reußenzehn hatte seine Rolle gefunden: Obwohl selbst Gitarrist und Mitgründer der bis heute aktiven Glitter Twins, konzentrierte er sich auf Röhren und Technik: „Ich wollte nie Berufsmusiker werden, lieber der Röhrenkönig.“

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