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Frankfurter Rechenzentrum : „Schockiert und betroffen“ von Stromausfall

Ausnahmesituation: Interxion-Chef Prautzsch und sein Team mussten einen großen Stromausfall meistern. Bild: Maximilian von Lachner

Nach dem Stromausfall in einem Frankfurter Rechenzentrum sucht der Betreiber noch die Ursache. Spannend ist, was aus dem Kreis der Konkurrenten zu dem Blackout verlautet.

          Über einen Mangel an Aufmerksamkeit kann sich Interxion nicht beschweren. Das Unternehmen mit dem für Laien unaussprechlichen Namen baut im Frankfurter Osten im Jahrestakt ein Rechenzentrum nach dem anderem und macht daraus aus kein Hehl. Dafür erntet es regelmäßig schöne Schlagzeilen. Seit Beginn dieser Woche steht die Firma allerdings in allzu grellem Scheinwerferlicht – als Folge eines doppelten Stromausfalls. Wie es dazu kommen konnte, war auch zur Wochenmitte im Einzelnen noch unklar. Eine Sprecherin von Interxion verwies auf einen nicht näher beschriebenen „Gerätefehler“ und gestand das Versagen der kompletten Notstromanlage ein. Außerdem sagte sie: „Wir sind schockiert und betroffen.“

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Zerknirschtheit kommt nicht von Ungefähr: Ein Stromausfall darf im Grunde in einem Datacenter nicht passieren, das den Kunden außer Kühlung und Sicherheit eben auch Strom rund um die Uhr für ihre Hochleistungsrechner verspricht. Zu den Kunden zählen viele Weltkonzerne: Telekom-Unternehmen und Streaming-Dienste, Internetfirmen und Händler, Banken und Mittelständler, namhafte wie weniger bekannte Adressen. Nicht zu vergessen der Betreiber des in Frankfurt beheimateten weltgrößten Internetknotens De-Cix. Dessen Rechner, an denen andere Unternehmen ihre Netze zusammenschalten und gigantische Datenmengen austauschen, zog der Stromausfall in Mitleidenschaft.

          Nicht nur der reguläre Stromkreislauf versagte

          So viel ist bisher bekannt: In der Nacht vom Montag auf Dienstag versagte nicht nur der reguläre Stromkreislauf seinen Dienst, die Schiffsdiesel, die im Notfall die elektrische Energie liefern sollen, sprangen erst gar nicht an. Zu allem Überfluss versagten auch noch die Batterien, die die Schiffsdiesel im Zweifelfall zum Laufen bringen sollen. Erst gegen 6.20 Uhr am Dienstag war der Strom wieder normal verfügbar, wie es hieß. Der Blackout ereignete sich in dem 2008 gebauten Rechenzentrum Fra5 von Interxion, in dem der Internetknoten-Betreiber De-Cix einige Rechner aufgestellt hat.

          De-Cix hielt seine Kunden über den Kurznachrichtendienst Twitter auf dem Laufendem. Demnach war die Energieversorgung gegen 1.40 Uhr Dienstag Früh zunächst wiederhergestellt, fiel aber drei Stunden danach kurzzeitig wieder aus. In der Zwischenzeit hatte das alarmierte De-Cix-Team aber schon den Datenverkehr von seiner Anlage genommen, die durch den Stromausfall betroffen war, und auf andere Rechner umgeleitet, wie Thomas King, Chief Innovation Officer, erläuterte. Das Unternehmen habe bald nach dem ersten Stromausfall Kontakt mit Interxion aufgenommen. Es sei sich des Risikos bewusst gewesen, dass nach dem Wiederanfahren der Stromversorgung wieder etwas schieflaufen könnte. „Für uns ist es ein Ausfall“, sagte King.

          „Aber es war auch so schlimm genug“

          Der Stromausfall sei „sehr unschön“ und „schmerzhaft“ für den Netzknoten-Betreiber und seine Kunden gewesen. Das De-Cix-Team habe für Dienstag mit weiteren Störungen gerechnet, die aber ausgeblieben seien. Insofern hätte es sogar schlimmer kommen können als ohnehin schon – „aber es war auch so schlimm genug“, sagte King.

          Während die Techniker die Ursache erkunden, weshalb der Transformator und die Notstromversorgung ausgefallen sind, stellt sich die Frage möglicher Regressansprüche. Und dies in zwei Richtungen: Inwieweit muss Interxion an De-Cix zahlen und was ist der Netzknoten-Betreiber wiederum seinen Kunden schuldig? In beiden Fällen gibt es entsprechende Verträge, wie zu hören ist. Der De-Cix hängt das Thema aber im Verhältnis zu Interxion nicht allzu hoch. Die Kunden von De-Cix hätten positiv auf die Kommunikation des Unternehmens in der Krisennacht reagiert. Das Thema Regress werde in jedem Fall im Dialog behandelt, sagte King.

          Derweil beobachten auch Mitbewerber von Interxion die Vorgänge. Allerdings halten sie sich mit Kommentaren zurück. Auf die Frage angesprochen, ob nun Telehouse Deutschland an der Kleyerstraße im Stadtteil Gallus die Stromversorgung überprüfen werde, teilte Geschäftsführer Béla Waldhauser mit Blick auf den Ausfall der Dieselgeneratoren mit, dies könne angesichts der Technik bei Telehouse „eigentlich nicht passieren“. Er gestand aber freimütig zu: „Allerdings können auch wir niemals eine hundertprozentige Garantie für Strom- und Klimaversorgung geben. Jede Technik kann ausfallen.“ Waldhauser will Informationen zur Ursache des Stromausfalls abwarten und angesichts dessen prüfen, „ob das bei uns auch passieren könnte“.

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