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Zur Lage bei der Eintracht : Frankfurter Realismus

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Eintracht Frankfurts Trainer Kovac hat zwei schwere Aufgaben in diesem Sportjahr: die mangelnde Effektivität zu beheben und das gesamte Personal bei Laune zu halten.

          2 Min.

          Was die Eintracht in dieser Saison zu bieten hat, ist selten erheiternd, aber wenigstens spannend. Wohin die Reise gehen wird, in höhere Regionen der Tabelle oder in die ganz niedrigen, das können nach dem sechsten Spieltag und den gezeigten Leistungen nur Hellseher wissen. Aber eines vermag man schon festzuhalten: In eine Opferrolle lässt sich die Mannschaft nicht drängen. Trainer Niko Kovac hat ihr implementiert, wie sie es verhindert, sich abschießen zu lassen. In dieser Spielzeit endete noch keine Begegnung mit mehr als einem Tor Unterschied. Wem das als Selbstverständlichkeit erscheinen mag, der sollte nachschauen, wie die Begegnung am Samstagabend zwischen Dortmund und Mönchengladbach endete.

          In der vergangenen Saison verlor die Eintracht bei Bayern München und in Leipzig (nach Platzverweis für Hradecky in der dritten Minute) jeweils 0:3, ansonsten bildete das 2:4 in Mainz die höchste Niederlage. Da waren die Hessen schon gerettet, und die Rheinhessen hatten den Sieg bitter nötig, um den Abstieg zu vermeiden. „Bei uns wird es immer eng“, stellte Kovac nach dem 1:2 in Leipzig am Samstag fest. Das liegt an ihm und seinem Realitätssinn. Und an seiner Art, die Mannschaft anzupacken und ihr vorzuleben, dass Arbeit das Fußballerleben vielleicht nicht süß macht, aber unumgänglich ist, wenn das Geld fehlt, um außergewöhnliche individuelle Klasse zu verpflichten.

          Einige Härtefälle

          Auf die Auftritte der Eintracht lässt sich selten Vergnügungssteuer erheben, und die erste Halbzeit in Leipzig mussten alle Liebhaber des gepflegten Fußballs als Ärgernis empfunden haben – doch es wäre gefährlich für Frankfurt, freiwillig die defensive Grundordnung aufzugeben, in der vagen Hoffnung, im Angriff durchschlagskräftiger zu werden. Wie die Statistik ausweist, hat die Eintracht auch mit dieser Marschrichtung genügend Tormöglichkeiten, sie wird da im oberen Mittelfeld geführt. Die Trefferquote jedoch ist abstiegsreif. Genauso gefährlich, wie stürmisch ins Risiko zu gehen, wäre es, immer nur der gleichen Stammformation zu vertrauen. Gegen den Brauseverein überraschte Kovac, indem er Kamada und Wolf in die Startelf beförderte, insgesamt tauschte er vier Feldspieler gegenüber dem Auswärtssieg in Köln am Mittwoch aus. Das war nicht nur im Sinne der Belastungsverteilung sinnvoll, sondern auch für die Stimmung wichtig. Die Hinterbänkler im großen Kader müssen die Chance erkennen, auf Einsatzzeiten zu kommen.

          Schon in diesem frühen Stadium der Saison gibt es einige Härtefälle wie Stendera, Barkok, Medojevic, Hrgota und Russ, die kaum bis gar nicht mehr berücksichtigt werden, obwohl sie schon große Tage im Eintracht-Trikot erlebten. Kippt die Motivation der Einsatzreserve auf der Tribüne oder der Ersatzbank, würde das den Zusammenhalt und die Arbeitseinstellung des ganzen Kaders gefährden. Kovac hat zwei schwere Aufgaben in diesem Sportjahr: die mangelnde Effektivität zu beheben und das gesamte Personal bei Laune zu halten.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

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