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Zukunft des Ratskellers : Zaudern im Frankfurter Rathaus

Frankfurter Ratskeller: Wer neuer Wirt des Römer wird, steht nach wie vor nicht fest. (Archivbild) Bild: Frank Röth

Der Frankfurter Ratskeller sucht einen neuen Wirt. Die Stadt Frankfurt hadert aber mit ihrer Entscheidung. Wäre der Ratskeller ein Objekt auf dem freien Markt, handelte der Eigentümer sicher schneller.

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          Ein Ort, der seit fünf Jahren leer steht und von dem noch niemand gesagt hat, dass er als Restaurant einfach zu führen sein werde. Interessenten, die das trotzdem tun wollen, und die seit Monaten darauf warten, ob sie es dürfen oder nicht. Ein Verein, dem ein Teil der Fläche zugesagt ist, ein Gastronom, der sich als möglicher Pächter ins Spiel bringt, nachdem die Ausschreibung längst beendet ist. Die Gemengelage um den Frankfurter Römerkeller ist für Außenstehende schwer nachvollziehbar. Es ist eine Geschichte von Zaudern und Zögern und der Angst, Falsches zu tun.

          Wäre der Ratskeller ein Objekt auf dem freien Markt, handelte der Eigentümer sicher schneller, als die Stadt Frankfurt es tut. Ein Privatmensch, der ein Restaurant zu vermieten hat, in dem ein hoher Investitionsbedarf besteht, wird sich entscheiden: Investieren und die Kosten über die Miethöhe versuchen hereinzuholen. Oder die Investitionslast ganz oder zum Teil dem Gastronomen aufbürden und ihm bei der Pacht entgegenkommen. Die eine oder die andere Variante wird in der Causa Ratskeller auch die Stadt wählen müssen, am besten bald.

          Keine Erfolgsgeschichte

          Dass die Kommune zwar gehalten ist, kein Steuergeld zu verschwenden, sich bei der Vergabe von Räumen, die im Grunde Eigentum der Allgemeinheit sind, schnödes Gewinnstreben aber verbietet, macht die Sache nicht leichter. Auch nicht die Tatsache, dass die Historie des Ortes als Lokal kurz und erfolglos ist. Bis 2004 waren im Ratskeller die städtischen Küchenbetriebe. Nachdem die aufgelöst wurden, bekam der Großcaterer Sodexo die Räume, mit der Auflage, darin die städtischen Mitarbeiter zu verköstigen. Zusätzlich war der Ratskeller der Öffentlichkeit zugänglich. Wegen mangelnder Nachfrage beendet Sodexo das Experiment schnell, und bis zum Auslaufen des Pachtvertrags war der Keller nur eine – und dazu am Ende wenig genutzte – Kantine.

          Angesichts dieser Vorgeschichte ist es verständlich, dass sich im Römer zurzeit niemand wirklich aus dem Fenster lehnen will. Entschieden werden muss aber, das ist die Stadt den Beteiligten schuldig. Und der Trägerverein Apfelweinmuseum sollte sich vielleicht überlegen, ob er an dem Standort unter dem Ratskeller wirklich festhalten will. Wenn ja, muss er wohl bereit sein, mit egal welchem Ratskeller-Wirt zu kooperieren.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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