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Während Corona-Krise : Das große Aufräumen

Wegen der Abstandsregelungen durch das Coronavirus kommt es bei Frankfurts Wertstoffhöfen zu längeren Wartezeiten. Bild: Frank Röth

Warum nicht die Zeit während der Corona-Krise nutzen? Das denken sich offenbar viele und nehmen sich Schränke, Abstellkammern und Keller vor. Frankfurts Wertstoffhöfe sind vorbereitet.

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          Seit Schulen und Kindergärten geschlossen sind und ein Großteil der Beschäftigten im Homeoffice arbeitet, fällt mehr Hausmüll an denn je. Das hat natürlich damit zu tun, dass sich Familien, Paare und Singles zu Hause versorgen müssen, dass mehr gekocht oder der Bringdienst beauftragt wird. Das wiederum führt zu einem entsprechend höheren Abfallaufkommen, als wenn Kinder und Arbeitnehmer in Kantinen, Schnellimbissen oder Restaurants essen gehen können. Das bekommt die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) zu spüren, die in Frankfurt für die Müllentsorgung zuständig ist. „Die Hausmülltonnen sind voller und damit schwerer“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Ein Blick in die Tonnen verrät allerdings, dass die meisten in Frankfurt den unfreiwilligen Aufenthalt in den eigenen vier Wänden vor allem für eines nutzen: zum Aufräumen und Entrümpeln. Man könnte auch vom großen Frühjahrsputz sprechen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „In den Restmülltonnen findet sich derzeit viel mehr als nur Hausmüll“, so der Sprecher. Da landeten ganze Schuhsammlungen, Altkleider, CDs und Kassetten, alles Dinge, für die sich die FES andere Entsorgungswege wünschen würde und die sie auch anbietet. Allerdings auf Wertstoffhöfen, die seit mehr als drei Wochen überrannt werden. „Wir haben mindestens ein dreifach höheres Besucheraufkommen auf unseren sechs Wertstoffhöfen“, sagt der Sprecher. Mit der Einführung der verschärften Kontaktregeln und der Bitte von Kanzlerin Angela Merkel, das Coronavirus und seine Folgen doch bitte ernst zu nehmen, hat auch die FES reagiert und Zufahrtsbeschränkungen auf den Wertstoffhöfen eingeführt, insbesondere bei dem größten in Kalbach, im Norden der Stadt.

          Dort dürfen mittlerweile nur noch fünf Anlieferer zur gleichen Zeit auf das Gelände fahren, die FES-Mitarbeiter dürfen nicht mehr beim Ausladen helfen, und insgesamt wird streng auf das Einhalten des Mindestabstand von 1,50 bis zwei Metern zwischen den Besuchern geachtet. Frankfurtern mit grippeähnlichen Symptomen ist der Zutritt gleich ganz verboten.

          Wertstoffhöfe arbeiten weiter

          Durch diese Vorgaben kommt es zum Teil zu längeren Schlangen, doch die FES sagt zu, dass jeder seine Abfälle abladen dürfe und niemand nach längerer Wartezeit plötzlich vor verschlossenen Türen stehe. Andernorts soll es in solchen Fällen sogar schon zu Handgreiflichkeiten gekommen sein. Das will die FES verhindern. Das Unternehmen will insgesamt so viel Normalität wie möglich walten lassen: So wurden zum 1. April die Öffnungszeiten an zwei Wertstoffhöfen in Kalbach und in Höchst sowie an zwei Kleinmüllplätzen in Bergen und Enkheim wie in jedem Jahr zur Sommersaison um jeweils drei Stunden verlängert.

          An einer weiteren Stelle bekommt die FES das Herausputzen der Wohnungen, das Ausräumen von Schränken, Kellern und Dachböden zu spüren: Die Nachfrage nach Sperrmüllterminen steigt. In Frankfurt gibt es den besonderen Service, dass größere und sperrige Gegenstände nach telefonischer Anmeldung unentgeltlich abgeholt werden. Üblicherweise nennt die FES innerhalb von acht bis zwölf Tagen dem Anrufer einen Abholtermin. „Derzeit beträgt die Wartezeit zirka vier Wochen“, sagt der Sprecher, auch dies eine Folge des deutlich größeren Aufkommens.

          Anfangs trieb die FES die Sorge um, diese Sondermengen möglicherweise nicht bewältigen zu können, da gleichzeitig der Hausmüll und die Biotonnen regelmäßig geleert werden müssen. Die beiden Osterferienwochen bedeuten ohnehin, dass ein Teil der rund 300 für die Müllentsorgung zuständigen Mitarbeiter samstags arbeitet: In der einen Woche wird der Karfreitag vorgearbeitet, in der anderen der Ostermontag nachgeholt. Die Befürchtungen, es könnten mehr Mitarbeiter krank werden oder müssten sich in Quarantäne begeben, haben sich jedoch nicht erfüllt. „Der Krankenstand ist ganz normal“, einige seien in Quarantäne, aber bisher gebe es keinen einzigen Covid-19-Fall. „Wir können alle Touren fahren.“

          Frankfurter wollen freie Zeit nutzen

          Überlegungen, die Wertstoffhöfe zu schließen, wie es einige Kommunen im Frankfurter Umland getan haben, sind damit vom Tisch. Ohnehin wäre das nur im schlimmsten Fall in Betracht gekommen. Die FES und das sie beauftragende Umweltamt wissen aus Erfahrung, dass bei der Schließung der Höfe die Zahl der wilden Müllablagerungen irgendwo in der Landschaft, gerne im Grüngürtel, sofort rasant zunehmen würde.

          „Solange Baumärkte und Gartencenter geöffnet haben, müssen auch die Wertstoffhöfe geöffnet bleiben“, sagt der Sprecher und berichtet von häufigen telefonischen Nachfragen, ob die Höfe auch noch in nächster Zeit geöffnet seien. Beim Umweltamt und der FES ist die Botschaft angekommen: Die Frankfurter wollen einfach die Zeit zum Entrümpeln, zum Heimwerkern sowie zum Herrichten der Gärten und Balkone nutzen.

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